Pinneberg
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Amtsgericht soll Ende August fertig sein

Amtsgerichtsdirektorin Bettina Morik vor der Dauerbaustelle des Amtsgerichts

Amtsgerichtsdirektorin Bettina Morik vor der Dauerbaustelle des Amtsgerichts

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Sanierung des Justizgebäudes in Pinneberg dauert viel länger als geplant. Baulärm von bis zu 100 Dezibel nervt die Mitarbeiter.

Pinneberg.  Vom Fenster ihres Büros kann Bettina Morik die Großbaustelle auf dem ehemaligen Kreishaus-Areal überblicken. An Handwerker hat sich die Direktorin des Amtsgerichts Pinneberg inzwischen gewöhnt, schließlich ist ihr Arbeitsplatz seit 17 Monaten selbst zur Dauer-Baustelle geworden. Die Sanierung des 1976 erbauten Amtsgerichts sollte eigentlich ein Jahr dauern und Ende 2015 abgeschlossen sein.

Wegen Pleiten, Pech und Pannen, unter anderem einem verspäteten Baubeginn, war der ursprüngliche Zeitplan schnell Makulatur. Für die vom Baulärm genervten 130 Mitarbeiter gibt es jetzt einen Hoffnungsschimmer: „Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten Ende August abgeschlossen sein werden. Ab Oktober können voraussichtlich wieder alle Gerichtsverhandlungen in unserem Gebäude stattfinden“, sagt Morik. Für die Verhandlungen waren die Richter seit Beginn der Bauarbeiten in die Räume der ehemaligen Akad-Hochschule am Rathaus ausgewichen.

Die Büroarbeiten fanden jedoch weiterhin im Amtsgerichtsgebäude an der Moltkestraße statt, wo die Mitarbeiter schnell vor dem Baulärm kapitulierten. „Die alte Fassade musste mittels Presslufthämmern abgestemmt werden. Es war unerträglich laut“, erinnert sich die Amtsgerichtsdirektorin. Viele Mitarbeiter hätten sich Apps auf ihre Handys heruntergeladen, mit denen eine Lärmmessung erfolgen kann. Morik: „Der Wert lag teilweise bei 100 Dezibel. Das war eindeutig gesundheitsgefährdend.“ Erst als die Mitarbeiter Anfang Juni 2015 einen Brandbrief ans Justizministerium schickten und auf die unhaltbaren Zustände hinwiesen, trat eine Besserung ein. „Wir haben lärmfreie Zonen geschaffen, damit die Mitarbeiter arbeiten konnten.“ So sei der Beginn der Bauarbeiten von 7 Uhr morgens auf 12 Uhr mittags verlegt worden. „Wir haben für alle Mitarbeiter Vertrauensarbeitszeit eingeführt, damit sie ihre Bürozeiten flexibel gestalten können.“ Einige hätten daraufhin um 5 Uhr morgens begonnen, um rechtzeitig vor Beginn der Bauarbeiten fertig zu werden. Andere hätten eine sehr lange Mittagspause eingelegt, um abends nach Ende des Baulärms weiterarbeiten zu können.

Auf diese Art und Weise konnten die Mitarbeiter zumindest den Großteil ihrer Arbeit erledigen. Dennoch ist laut Morik in einigen Abteilungen so manches liegengeblieben. Erschwerend kam hinzu, dass teilweise ganze Abteilungen innerhalb des Gebäudes umziehen mussten, weil es während der Bauphase zu unliebsamen Überraschungen kam. Weil das Baugerüst aufgrund des verschachtelten Komplexes teilweise auf dem Gebäude steht, wurde das Dach derart beschädigt, dass es zu mehreren Wassereinbrüchen kam. Mitarbeiter sprachen scherzhaft von einer Tropfsteinhöhle. Nachdem diese Probleme inzwischen behoben sind, sind aktuell Teile des Gebäudes wegen einer Schimmelbildung nicht nutzbar.

Morik nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht von einer Fehlplanung. „Man hätte nicht davon ausgehen dürfen, dass eine Sanierung in dieser Größenordnung bei laufendem Betrieb machbar ist.“ Das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein als Bauherr habe aus diesen Fehlern gelernt. So seien bei der Sanierung des Amtsgerichts Bad Segeberg gleich von Beginn an lärmfreie Zeiten und eine längere Bauzeit eingeplant worden.

In Pinneberg mussten aufgrund der Einführung der lärmfreien Zeiten die Verträge mit den Baufirmen und der Bauzeitenplan angepasst werden, sodass der Fertigstellungstermin Ende 2015 nicht mehr zu halten war. Auch die Kosten, die zunächst auf 4,1 Millionen Euro geschätzt wurden, haben sich deutlich verteuert. Genaueres dazu ist noch nicht bekannt. Inzwischen ist die alte Fassade demontiert, es wurden 150 Fenster ausgetauscht, 25.000 Bohrlöcher für die neue Fassade gesetzt und die neue Wärmedämmung und die weiß-grauen Verblendsteine angebracht.

Auch der Umbau des Saaltraktes, wo dank des Versetzens von Wänden aus bisher sechs künftig neun Gerichtssäle werden, macht Fortschritte. „Jetzt kommen aber neue, lärmintensive Abschnitte“, sagt Morik. So müsse die Dacheindeckung komplett erneuert werden. Der Kran dafür ist bereits aufgebaut – und die Amtsgerichtsdirektorin hat die Lärmschutzkopfhörer für die hoffentlich letzten Baumonate bereits griffbereit in ihrem Schreibtisch.