Pinneberg
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Öffentliches Gelöbnis vor der Drostei

Die Fahnen der Einheiten der zum Gelöbnis angetretenen Soldaten werden auf die Wiese vor der Pinneberger Landdrostei getragen

Die Fahnen der Einheiten der zum Gelöbnis angetretenen Soldaten werden auf die Wiese vor der Pinneberger Landdrostei getragen

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

750 Soldaten und 2000 Gäste in Pinneberg. Stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe als Ehrengast. Zuschauer verfolgen die Zeremonie.

Pinneberg.  Die ehemalige Garnisonsstadt hat den Soldaten die Ehre erwiesen: 750 Angehörige der Bundeswehr haben am Donnerstag in Pinneberg ihr feierliches Gelöbnis abgelegt und sind vereidigt worden. Sie gelobten dem Land zu dienen und die Freiheit des deutschen Volkes zu verteidigen. Mehr als 2000 Gäste kamen auf die Pinneberger Drosteiwiese, um die Zeremonie zu verfolgen.

„Die Stadt ist voll“, freute sich City-Manager Dirk Matthiessen. Schon weit vor dem Beginn waren alle Plätze auf der Terrasse der Landdrostei besetzt. An den Absperrungen standen die Pinneberger und verfolgten das Geschehen. Angehörige zückten Kameras, um „ihren“ Soldaten abzulichten.

Generalleutnant Dieter Naskrent, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe, hielt die Gelöbnisrede. „Sie stehen ein für zentrale Werte unseres Staates wie Meinungsfreiheit, Presse- und Religionsfreiheit oder auch Gleichberechtigung“, sagte er an die Adresse der Angetretenen. Die Bundeswehr stehe „in der Mitte unserer Gesellschaft.“ Die Aufgaben seien in den vergangenen zwei Jahrzehnten internationaler geworden. Weltweite Einsätze im Rahmen der Bündnissysteme mit flexiblen und schnell einsatzbereiten Streitkräften, an verschiedenen Einsatzorten gleichzeitig, bestimmten heute die Ausrichtung. Naskrent verwies auf Einsätze auf drei verschiedenen Kontinenten, unter anderem im Irak und Afghanistan. Auf dem Balkan sichere die Bundeswehr seit 16 Jahren den Frieden.

Die persönlichen Anforderungen seien gewachsen, sagte der Generalleutnant. „Insbesondere die Einsätze, bei denen die Soldatinnen und Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt werden können, erfordern ein hohes Maß an Professionalität, Selbstdisziplin, Kameradschaft und auch Leidensfähigkeit“, sagte er.

Berufs- und Zeitsoldaten haben den Diensteid abgelegt, freiwillige Wehrdienstleistende gelobten feierlich. Die Gelöbnisteilnehmer kamen von dem Spezialpionierregiment 164 in Husum, dem Bataillon Elektronische Kampfführung 912 in Nienburg an der Weser, der Schule für strategische Aufklärung der Bundeswehr in Flensburg, sowie der Unteroffizierschule der Luftwaffe (USLw). Deren I. Lehrgruppe ist in Appen, die II. Lehrgruppe in Heide angesiedelt. Die Bürgermeister aus den fünf Kommunen waren ebenfalls in die Kreisstadt gekommen.

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg ging vor der barocken Landdrostei auf die Rolle der Soldaten in Deutschland ein. „Genau hierher, mitten in die Städte und Gemeinden, gehören Sie hin“, sagte sie. Den Schriftsteller Johann Gottfried Seume (1763-1810) zitierte die Verwaltungsleiterin: „Wo man anfängt, den Krieger von dem Bürger zu trennen, ist die Sache der Freiheit und Gerechtigkeit schon halb verloren.“ Das Militär müsse Bestandteil der Gesellschaft sein, so die Bürgermeisterin. Ein Soldat möge nicht mehr und nicht weniger Rechte haben als ein Bürger.

Urte Steinberg wandte sich an die Eltern der Soldaten. „Heute sind Sie zu recht stolz auf Ihre Tochter oder Ihren Sohn“, sagte sie. Gleichzeitig könnte Ihnen vielleicht auch ein bisschen mulmig sei, denn die Welt sei keine friedliche. „Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Welt sich überall in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit entwickeln kann“, sagte die Bürgermeisterin.

Die Organisation der Veranstaltung, zu der mehr als 2000 Gäste – darunter der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, Ole Schröder (CDU), die SPD-Landtagsabgeordneten Thomas Hölck und Kai Vogel sowie Familienangehörige der Soldaten aus ganz Deutschland – anreisten, hatte die USLw unter Leitung von Oberstleutnant Achim Kling übernommen. Es sei den Militärs eine besondere Ehre, die jungen Soldaten und Soldatinnen in dieser, den Soldaten wohlgesonnenen Umgebung im „Team Bundeswehr“ herzlich willkommen heißen zu dürfen, sagte Kling. Er dankte nicht nur den Pinnebergern für ihr zahlreiches Erscheinen, sondern auch den Verwandten der Soldaten, die teilweise weite und anstrengende Anreisen auf sich genommen hatten. Den weitesten Weg legte ein Vater aus Markoberdorf im Allgäu zurück.

Nach dem Ende des Gelöbnisses hatten die Angehörigen und Freunde sowie die Pinneberger noch die Gelegenheit zu Gesprächen mit den Soldaten. Die Organisatoren hatten mit einer Suppe aus der Gulaschkanone auf dem Platz vor der Drostei einen passenden Rahmen geschaffen. Für die Unteroffizierschule in Appen war es nicht das erste öffentliche Gelöbnis im Kreis Pinneberg. Im Februar 2015 wurden 700 Soldaten in Uetersen auf dem Marktplatz vereidigt.

Am 24. Juni werden übrigens erneut Soldaten in der Kreisstadt erwartet – mit ihren Musikinstrumenten. Die Big Band der Bundeswehr spielt vor der Drostei. Die Einnahmen des Benefizkonzertes kommen bedürftigen Kindern in Pinneberg zugute.