Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wenn komische Vögel komische Vögel zählen

Kopfüber hängen sie mitunter an den Zweigen: Die lebhaften Blaumeisen lieben Gärten mit alten Bäumen.

Kopfüber hängen sie mitunter an den Zweigen: Die lebhaften Blaumeisen lieben Gärten mit alten Bäumen.

Foto: Frank Hecker / HA

Zu Pfingsten lädt der Naturschutzbund Schleswig-Holstein wieder zur Stunde der Gartenvögel. Jeder kann mitzählen – und zwar zu Hause.

Kreis Pinneberg.  Es soll ja Menschen geben, die kaum ein Rotkehlchen von einer Blaumeise unterscheiden können. Zu denen gehörte ich auch. Dann schickte mich ein Chefredakteur in den südlichen Schwarzwald. Eine Reise mit Hobby-Ornithologen. „Schauen Sie sich die komischen Vögel mal an“, meinte er. Und es war nicht klar, ob er den Wiedehopf meinte, diesen fotogenen Vogel mit lang gebogenem Schnabel und imposanter Irokesen-Haube, den es nur in warmen Gegenden wie dem Kaiserstuhl gibt, oder die munter zusammen gewürfelte Gruppe von „Ornis“, die sich schon morgens um sechs, ausgestattet mit Ferngläsern, Sonnenhut und Thermoskanne, auf die Suche nach seltenen gefiederten Freunden machte. Zu denen gehöre ich seitdem auch. Frühes Aufstehen liegt mir zwar nicht, aber die Stunde der Gartenvögel des Nabu, wie an diesem Pfingstwochenende, lasse ich mir nie entgehen.

Aber: Einfach ist das Zählen von Vögeln im eigenen Garten nicht. Ich würde mir ein bisschen mehr Mithilfe und Kooperation wünschen. Dieses ständige Herumgeflattere. Nie sitzen sie still, fliegen hier hin und dort hin, tauchen in den grünen Hecken ab und an anderer Stelle wieder auf. Hab ich diese Amsel jetzt schon gezählt oder nicht? Irgendwie gleichen Vögel einander ja immer wie ein Ei dem anderen. Leider kann von Artenvielfalt in meinem Garten auch nicht gerade die Rede sein. Da gibt es Blaumeisen, Kohlmeisen und Amseln, ab und zu gesellt sich ein Dompfaff-Pärchen dazu. Aber natürlich nicht jetzt, wo es darauf ankommt. Es scheint sich in der Vogelwelt herumgesprochen zu machen: „Achtung, die Autorin sitzt auf der Bank und zählt!“

Wo ist der Buntspecht, der letzte Woche noch wie bekloppt die alte Buche bekloppt hat? Und was ist mit dem Zaunkönig? Erst hat er so getan, als wollte er bei mir brüten, jetzt hat er es sich bei den Nachbarn gemütlich gemacht. Die machen aber bestimmt nicht mit bei der Nabu-Aktion. Sollte ich ihn deshalb lieber doch mitzählen? Gestern war er schließlich auch mal in meiner Hecke.

Während ich frustriert auf meiner Bank sitze, muss ich an den Wiedehopf denken. Fast eine ganze Woche sind wir durch den Kaiserstuhl gewandert, bei Hitze und bei Regen. Der Mistkerl ließ sich nicht blicken. Erst als wir am letzten Tag gerade unsere Ferngläser wieder im Rucksack verstaut hatten, tauchte er wie aus dem Nichts aus. Hobby-Ornithologen haben es echt nicht leicht. Sie brauchen einen langen Atem. Und dass andere behaupten, sie hätten ein Meise, macht es auch nicht gerade einfacher!