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Gemeinschaftsschule kämpft gegen Randalierer

„Vor allem schulfremde Jugendliche missbrauchen das Schulgelände für Trinkgelage“, sagt Volker Pohlmann, Rektor der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule

„Vor allem schulfremde Jugendliche missbrauchen das Schulgelände für Trinkgelage“, sagt Volker Pohlmann, Rektor der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule

Foto: Anne Dewitz / HA

Vandalismus an der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule in Elmshorn führt zur Sperrung des Hofes. Liste der Zerstörungen ist lang.

Elmshorn.  Sie schmeißen mit Flaschen und Steinen Fenster ein, zerstören Bewegungsmelder und Beleuchtungsanlagen, reißen einbetonierte Bänke und Papierkörbe aus der Verankerung, tragen Ziegelsteine einer Mauer ab, brechen in die Sporthalle ein, entleeren Feuerlöscher, klettern auf das Schuldach und werfen Dachpfannen herunter, beschädigen mit durchdrehenden Motorrollerreifen den Belag des Kleinspielfeldes: Die Liste der Zerstörungen an der Boje-C.-Steffen-Gemeinschaftsschule in Elmshorn ist sehr lang.

Schulleiter Volker Pohlmann hat alles dokumentiert. Er will den Vandalismus, dem seine Schule in den vergangenen Jahren ausgesetzt war, nicht länger hinnehmen und hat sich hilfesuchend an Politik und Verwaltung in Elmshorn gewandt. Der Einsatz von Streetworkern hat die Situation zeitweise verbessert. „Sie konnten die Jugendlichen überzeugen, die leeren Flaschen einfach auf die Tischtennisplatte zu stellen“, sagt Pohlmann. Allerdings wechselte die Klientel rasch. „Andere junge Erwachsene wurden den Streetworkern sogar gefährlich.“ Ein weiterer Versuch war die Einrichtung des Mitternachtssports in der Schulturnhalle. Das Angebot werde auch gut angenommen, aber eben nicht von den Randalierern.

„Es sind vor allem schulfremde Jugendliche und junge Erwachsene, die hauptsächlich von Frühjahr bis Herbst an Wochenenden und am späten Abend in der Woche das Schulgelände für ihre Trinkgelage missbrauchen“, sagt Volker Pohlmann. Und beim Saufen bleibt es nicht. Sie zerschmeißen die leeren Flaschen, sodass die Scherben überall auf dem Schulhof verteilt sind. „Wir haben auch schon Scherben in dem Prallschutzsand auf dem Spielplatz gefunden“, sagt Pohlmann. Und nicht nur einmal habe sich eine der Lehrkräfte die Reifen des Autos durch herumliegendes Glas auf dem Parkplatz zerschnitten.

Trauriger Höhepunkt der Zerstörungswut war die Brandstiftung in der Schulsporthalle im Dezember 2014 durch kriminelle Jugendliche. Einer von ihnen hatte zuvor schon einmal ein „Lagerfeuer“ aus Sperrholz vom gegenüberliegenden Hochhaus direkt am Schulgebäude entzündet. Erst im September 2015 konnte die Sporthalle nach einer 900.000 Euro teuren Sanierung wieder genutzt werden.

Und im Juli vergangenen Jahres seien Täter auf frischer Tat bei einem Einbruch in das Schulgebäude erwischt worden. „Der Schulhof ist verwinkelt und schlecht einsehbar“, sagt Pohlmann. Aufgrund der aufmerksamen Nachbarschaft sei der Einbruch dennoch bemerkt worden.

Mit dem Vandalismus an der Boje-C.-Steffen-Schule beschäftigte sich nun der Ausschuss für Kinder, Jugend, Schule und Sport und beschloss die Sperrung des Schulhofes ab 20 Uhr. Auch das angeschlossene Kleinspielfeld darf künftig nur noch bis 22 Uhr betreten werden. Darauf soll mit Schildern hingewiesen werden. „Das Schulgelände komplett einzuzäunen ist keine Option“, sagt Volker Pohlmann. Schließlich sei eine Schule kein Hochsicherheitstrakt.

Kinder werden von Randalierern verdrängt

Bislang galt ein politischer Entschluss, dass das Schulgelände nach Ende des Schulbetriebs der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. „Die Regelung von 1959 ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Volker Pohlmann. „Die Gesellschaft hat sich seitdem massiv verändert.“ Die Kinder, denen man eigentlich den Zutritt zum Spielplatz ermöglichen wollte, würden von den randalierenden Gruppen verdrängt.

Einen ähnlichen Vorstoß möchte Schulleiterin Ortrud Bruhn für ihre Johannes-Brahms-Schule in Pinneberg erwirken. „Ich befinde mich zu diesem Thema mit der Stadt im Gespräch.“ Denn auch in Pinneberg sieht eine Verordnung vor, dass das Schulgelände nach Unterrichtsschluss öffentlicher Raum ist. „Erst wenn das aufgehoben wird, kann der Hausmeister oder auch die Polizei Platzverweise aussprechen“, sagt Ortrud Bruhn.

Ihr Kollege sieht einen weiteren Grund für Vandalismus an einigen Schulen. „Man hat in einigen Gemeinden die Hausmeister in einem Pool zusammengeführt, um Kosten zu sparen“, sagt Matthias Beimel, Rektor der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg. „Das rächt sich jetzt.“ An seiner Schule wohne der Hausmeister noch direkt auf dem Schulgelände, das am Wochenende somit auch bewacht sei. Aus diesem Grund komme Vandalismus an seiner Schule kaum vor.

Ähnlich ist das in Uetersen. „Es ist ein großes Glück, dass unsere Hausmeister an den Schulen wohnen“, so Anja Stange vom Schulamt. Kreis-Schulrat Dirk Janssen sieht in den Vorfällen bedauerliche Einzelfälle. Vandalismus sei im täglichen Schulbetrieb erfreulicherweise kein großes Thema.