Pinneberg
Kultur

Dem Dichterprinzen von Haseldorf auf der Spur

Michael Leye und Annabell Andreas vor dem Haseldorfer Schloss. Hier lebte und wirkte der Dichterprinz

Michael Leye und Annabell Andreas vor dem Haseldorfer Schloss. Hier lebte und wirkte der Dichterprinz

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Das Haseldorfer Pantheater führt die Novelle „Der Heiland der Tiere“ von Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden auf.

Das Pantheater hat eine inszenierte Lesung von „Der Heiland der Tiere“ von Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden (1852-1908) erarbeitet. Sie wird während des am heutigen Freitag beginnenden Kreis-Kultur-Wochenendes zu sehen sein. Für die einzige Profi-Theatertruppe des Kreises ist es die erste öffentlich gezeigt Stufe an der Arbeit für ein weit größeres Projekt. Unter dem Titel „Vor unserer Tür ... es war die Lerche“ soll ein Film mit Erkundungen in der Umgebung der Bühne, der Haseldorfer Marsch, entstehen. Annabell Andreas und Michael Leye vom Pantheater werden bei der Lesung von Kantor Jörg Dehmel von der St. Gabrielkirche unterstützt.

Der Haseldorfer „Dichterprinz“ von Schoenaich-Carolath-Schilden lud nicht nur große deutsche Schriftsteller seiner Zeit wie Rainer Maria Rilke und Detlev von Liliencron auf sein Gut ein, um mit ihnen zu diskutieren. Er verfasste auch selbst Text, und „Der Heiland der Tiere“ war zu seinen Lebzeiten der meistdiskutierte. Mit der Entwicklungsgeschichte eines jungen Bauern lotete er das Verhältnis zwischen der Nutzung der Tiere durch den Menschen und dem Schutz der zur damaligen Zeit in der Landwirtschaft oft geknechteten Kreatur aus.

Die Novelle spiegelt zudem die tiefe Religiosität des feinsinnigen Gutsherren wider. Man darf gespannt sein, was die Theaterleute, die schon manchem Thema ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt haben, aus dem Stoff machen.

„Früher sind wir viel gereist und haben dort unsere Themen gefunden“, sagt Michael Leye. „Unser Ziel war es immer, das Allgemeingültige im Kleinen zu zeigen“, ergänzt Annabel Andreas. Die großen Themen seien auch im Kleinen der Haseldorfer Marsch zu finden. Für das Pantheater stellt die Novelle eine Steilvorlage dar. Denn um die Nutzung der schönen Marschlandschaft ist 1984 mit der Einrichtung des Naturschutzgebietes Haseldorfer Binnenelbe ein erbitterter Streit entbrannt. Die Kontroversen zwischen Naturschützern und -nutzern haben zwar im Laufe der Jahrzehnte an Schärfe verloren.

Befriedet sind diese Auseinandersetzungen noch nicht. Neue Öko-Ausgleiche für den Bau der A 20 und die Elbvertiefung sorgen für weitere Einschränkungen der Landwirtschaft und damit die Verdrängung traditioneller Strukturen an der Unterelbe.

Premiere feiert die inszenierte Lesung am Freitag, 29. April, um 20 Uhr im Haseldorfer Pantheater, Deichreihe 29. Weitere Aufführungen sind am Sonnabend, 30. April, um 16.30 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 1. Mai, um 16 Uhr geplant. Plätze können reserviert werden unter der Telefonnummer 04129/607. Die Eintrittskarte kostet drei Euro.

Die Theaterleute suchen noch Mitstreiter für ihr Projekt. Wer sich dafür interessiert, kann nach der Lesung mit ihnen ins Gespräch kommen.