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Kreis Pinneberg

Politiker wollen Kreispräsidenten „an die Kette legen“

Burkhard E. Tiemann hat im Ältestenrat des Kreistages Fehler eingestanden

Burkhard E. Tiemann hat im Ältestenrat des Kreistages Fehler eingestanden

Foto: Eike Pawelko

Pinnebergs KreispräsidentTiemann gibt Fehler zu. Weiter Ungereimtheiten um Polenreise. Rücktrittsforderung im Kreistag möglich.

Kreis Pinneberg.  Während der FC Bayern München um den Einzug ins Champions-League-Finale spielte, beschäftigte sich der Ältestenrat des Kreistages erneut mit der Polenreise des Kreispräsidenten Burkhard E. Tiemann, die er als Dienstfahrt abgerechnet hatte. Dabei gab der CDU-Politiker wie schon im Gespräch mit dem Abendblatt zu, sein Fahrtenbuch nicht korrekt geführt zu haben. Er sei doch nicht die 900 Kilometer lange Rückreise aus dem Kreis Cziezyn mit Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz in zehn Stunden nach Hause gefahren, wie es darin von ihm bereits genehmigt eingetragen war. Stattdessen sei er die Nacht durchgefahren und erst am frühen Morgen des 29. September in Kummerfeld angekommen.

Die Einlassungen Tiemanns wertet FDP-Fraktionschef Klaus G. Bremer als „Märchenstunde – Münchhausen ist gar nichts dagegen.“ Amtskollege Hannes Birke (SPD) sagt: „Tiemann laviert, taktiert und biegt sich seine Wahrheit hin. Er ist keine ehrliche Haut.“ Beide fordern jetzt Konsequenzen, die auf der Sitzung des Kreistages am 18. Mai beraten und beschlossen werden sollen. Die Bandbreite der Sanktionen könnte von der Rückzahlung der 800 Euro für die Polenreise an den Kreis über eine Rüge bis zur Rücktrittsforderung reichen. „Ganz sicher werden wir den Kreispräsidenten künftig an die Kette legen“, kündigt Birke an. Danach müsste er sich vor Antritt einer Dienstreise außerhalb Schleswig-Holsteins die Genehmigung eines Kreistagsgremiums einholen, wie Landrat Oliver Stolz es ihm zuvor in diesem Fall riet.

Tiemann selbst sieht sich einer „inquisitorischen Hetzjagd“ ausgesetzt und ist sich keiner Schuld bewusst. Der Abgeordnete Klaus-Dieter Brügmann (Die Linke), der die Ältestenratssitzung vorzeitig verließ, sagte: „Ich und meine Fraktion werden uns nicht an einer Treibjagd auf eine Person beteiligen.“ Der CDU-Kreistagsabgeordnete Nicolas Sölter hatte bereits, wie berichtet, von einer „Hatz“ gegen Tiemann gesprochen.

Doch nach wie vor sind einige Fragen offen. So will Tiemann seine beiden Stellvertreter vorab über seine Reise informiert haben, bei der er eine mögliche Partnerschaft mit dem polnischen Kreis abklopfen oder anbahnen oder zumindest Kontakte knüpfen wollte. Sabine Schaefer-Maniezki kann sich daran nicht mehr erinnern. Dietrich Anders, der zurzeit verreist ist, hat dies vehement bestritten. „Notfalls müssen wir das vor Gericht klären“, sagt Tiemann.

In Polen sei er von einer Übersetzerin herumgefahren worden, sagt Tiemann, wofür er Kilometergeld geltend gemacht haben soll. Belege gibt es darüber nicht. Auch konnte er nicht plausibel erklären, warum er ein gebuchtes Doppelzimmer nicht als Einzelperson abgerechnet hat, obwohl es dann nur etwa die Hälfte gekostet hätte. Tiemann beteuert, er sei allein gereist.

Zudem hat er die beiden ehemaligen Landräte Berend Harms und Wolfgang Grimme ins Spiel gebracht. Der eine habe ihm geraten, eine Einladung rechtfertige eine Dienstreise. Der andere wollte ihm eine ständige Dienstreisengenehmigung sozusagen blanko erteilen. Beide haben dies gegenüber dem Abendblatt bestritten.