Pinneberg
Elmshorn

Bei der nächsten Ausrede wird alles besser

Foto: Elvira Nickmann / HA

Kritik der Woche: Theatergruppe Würfelzucker feiert mit Komödie „Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall“ Premiere im Stadttheater.

Elmshorn.  „Die Moral ist das Rückgrat unserer Nation“, lässt Fernsehprediger Peter Raven (Thorsten Mohr) seine Zuschauer wissen. Dumm für ihn, dass er selbst keine Moral und vielleicht genau deswegen „Rücken“ hat. Ausgerechnet in der Wohnung seiner verheirateten Geliebten Sally schaut der selbstverliebte Heuchler seinen eigenen Fernsehauftritt an. Das kann nicht lange gut gehen, und zum Glück für das Publikum der Komödie „Hexenschuss oder Der Bandscheibenvorfall“ tut es das auch nicht. Das neue Stück der Theatergruppe Würfelzucker hatte am Freitagabend Premiere im Stadttheater Elmshorn und sorgte für viel Heiterkeit unter den Zuschauern.

Sally (Katja Eschenbach) trägt ein rosa-schwarzes Negligé und hofft auf einen Auftritt als Sängerin in Peters Sendung. Passenderweise ist Ehemann Leonard (Michael Mohr) als Flugkapitän unterwegs, die Bahn also frei. Doch statt zur Sache zu kommen, muss Peter zu einem superwichtigen beruflichen Termin. So verschiebt er das Techtelmechtel auf einen anderen Zeitpunkt. Doch dann macht der „heilige Peter“ eine falsche Bewegung – und dann ist er auch schon da, der Rückenschmerz.

Zu allem Überfluss klingelt es plötzlich an der Tür. Ein Klavierstimmer mit Blindenstock steht davor, den Termin hatte Sally ja ganz vergessen. Dass Herr Phips (genial: Alexander Harre) nichts sieht, erweist sich als Segen. Sally stellt Peter, der sich für ein kurzes heißes Bad in die Badewanne begibt, um den Hexenschuss loszuwerden, als Ehemann Leonard vor. Ein fataler Fehler, mit dem eine schier endlose Lügen- und Ausredenkette beginnt, die zu den absurdesten Szenen und Verwicklungen führt – auch, weil Peter plötzlich völlig bewegungsunfähig in der Wanne festsitzt.

Leonard, der davon ausgeht, dass Sally in der Zeit seiner Abwesenheit ihre Schwester besucht, hat die Wohnung allerdings kurzerhand heimlich einem Freund zur Verfügung gestellt. Der „Lustmolch“, wie Sally ihn nennt, will sich dort mit Stewardess Annabelle treffen. Durch einen Streik am Flughafen kommt Leonard früher nach Hause. Nicht nur, dass seine Frau noch da ist – auch Annabelle trifft zwischenzeitlich ein und sucht sich schlaftablettenbetäubt ausgerechnet das Wohnzimmersofa als Schlafplatz aus. Doch sie darf genauso wenig entdeckt werden wie Peter. Als dann noch ein Notarzt und Peters Managerin auftauchen, ist das Chaos in der kleinen Wohnung perfekt.

Der Stoff ist ausgesprochen gut in Szene gesetzt. Aberwitzige Dialoge glänzen mit treffsicheren Pointen, auf den Punkt gespielte komische Szenen reihen sich aneinander wie die Ausreden und Lügen. Es macht einfach Spaß, den routinierten Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig die Stichworte und die Klinke in die Hand geben. Die empfehlenswerte Komödie garantiert beste Unterhaltung.

Weitere Aufführung am Freitag, 29. April, 20 Uhr, im Stadttheater Elmshorn, Klostersande 30. Karten für 15/10 Euro im Vvk., Theaterkasse, Königstraße 56