Pinneberg
Quickborn

Reiche Stadt – oder doch zu hohe Schulden?

Annabell Krämer und Thomas Köppl lieferten sich im vollbesetzten Artur-Grenz-Saal einen harten Schlagabtausch im Bürgermeisterwahlkampf

Annabell Krämer und Thomas Köppl lieferten sich im vollbesetzten Artur-Grenz-Saal einen harten Schlagabtausch im Bürgermeisterwahlkampf

Foto: Burkhard Fuchs / HA

Unterschiedliche Ansichten zu Visionen, Finanzen und Führungsstil zwischen den Quickborner Bürgermeisterkandidaten.

Quickborn.  Der Ton wird schärfer im Quickborner Bürgermeisterwahlkampf. Während Amtsinhaber Thomas Köppl (CDU, 50) und Herausforderin Annabell Krämer (FDP, 44) bei der ersten öffentlichen Kandidatenrunde auf Einladung der SPD im Awo-Haus noch weitgehend sanft und freundschaftlich miteinander umgegangen waren, ging es Donnerstagabend im Artur-Grenz-Saal vor 200 Zuhörern rauer zu. Diesmal griff Krämer Köppl mehrfach direkt an. Quickborn lebe finanziell über seine Verhältnisse, die Verwaltung sei zu teuer und müsse schlanker werden, Volkshochschulgebühren sollten steigen, der Bürgermeister pflege einen autoritären Führungsstil. Sie dagegen würde einen kooperativen Führungsstil ins Rathaus einziehen lassen, wenn sie denn am 24. April gewählt werden sollte.

Köppl ließ sich in die Defensive drängen und reagierte oft gereizt auf die Vorwürfe: „Es ist Quatsch, was Sie sagen, Frau Krämer, das müssten Sie besser wissen.“ „Warum stellen Sie denn als FDP-Fraktionsvorsitzende keinen einzigen politischen Antrag in der Ratsversammlung, wenn Sie die Notwendigkeit zum Sparen sehen?“, so Köppl und widersprach: „Ich pflege einen ausgesprochen kooperativen Führungsstil im Rathaus.“ Er sei „ein Bürgermeister zum Anfassen“.

Einige Fragen aus dem Publikum wirkten wie bestellt für Herausforderin Krämer, wenn es um den politisch mehrfach beschlossenen Umzug der Goetheschule ins Schulzentrum-Süd ging, gegen den im Rat nur die FDP votiert hatte. Ein Zuschauer wusste gar, dass sich die Verschuldung Quickborns seit Amtsantritt Köppls im Jahr 2004 ums 20-Fache auf 45 Millionen Euro erhöht hätte und sich die Verwaltung mit 13 Fachbereichen viermal so viele Abteilungen leiste wie das doppelt so große Elmshorn. Köppl konterte, die Verschuldung sei fast ausnahmslos für die Schulsanierung draufgegangen, dem wiederum 100 Millionen Euro Vermögen gegenüberstünden. „Quickborn steht finanziell solide da und gilt als so stinkreich, dass es 1,5 Millionen Euro mehr in den Finanzausgleich zahlen muss.“ Die große Zahl an Fachbereichen mache die Hierarchien im Rathaus flach und die Arbeit effektiv, wie Gutachten und der Landesrechnungshof festgestellt hätten. Köppl: „Es ist alles delegiert. Ich treffe nur die wichtigen Entscheidungen.“

Diplom-Kauffrau Krämer, die bei einer Quickborner Bank arbeitet, sprach frei und betonte ihre engen Bande zu ihrer Heimatstadt Quickborn, in der ihre Familie in dritter Generation lebe. Sie verstehe die Bürgermeisterwahl als eine „Persönlichkeitswahl“, sagte sie. Sie wolle das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen, das ihrer Meinung nach gelitten habe. „Wir müssen in Quickborn wieder etwas wagen und ruhig mal ausprobieren und nicht gleich kaputtreden“, sagte Krämer und nannte als Beispiele, den ausgedünnten Wochenmarkt zu verlagern und die „verödende Innenstadt“ zu beleben, indem der Weihnachtsmarkt in die dann gesperrte Bahnhofsstraße umziehen sollte. „Wir brauchen Visionen, um die Finanzen wieder in den Griff zu kriegen“. Dafür müsste ertragsreiches Gewerbe angesiedelt werden.

Köppl sprach von Quickborn als „aufstrebender und wunderschöner Stadt“, deren marode Schullandschaft in seiner Amtszeit fast komplett saniert worden sei. Bücherei und Volkshochschule hätten angemessene Räume erhalten, das Angebot für Jugendliche sei verbessert worden. Die Stadt wachse, der erhebliche Flüchtlingsstrom konnte dank der effizienten Verwaltung und 80 angemieteten Objekten gut gemeistert worden. Mit 20 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen nehme Quickborn eine Spitzenposition im Kreis ein. „Das Bürgermeisteramt ist für mich eine Berufung.“ Im Übrigen halte er es eher mit Altkanzler Schmidt, der gesagt hat: „Wer eine Vision hat, soll zum Arzt gehen.“