Pinneberg
Notfallversorgung

Wie Schenefelder auf Nummer sicher gehen

Früher wurden die Schenefelder aus Hamburg versorgt, nun ist die Rettungsleitstelle ein Elmshorn zuständig

Früher wurden die Schenefelder aus Hamburg versorgt, nun ist die Rettungsleitstelle ein Elmshorn zuständig

Foto: rtn, christoph leimig / picture alliance / dpa / rtn - radio t

Vertreter von Kreisverwaltung, Leitstelle und Rettungsdienst nehmen nach Diskussionen um das Notrufsystem in Ausschuss Stellung.

Schenefeld.  Teile der Schenefelder Bevölkerung werden mindestens bis Ende 2018 damit leben müssen, dass ihre telefonischen Notrufe nicht direkt in der zuständigen Rettungsleitstelle Elmshorn auflaufen, sondern zunächst bei den Hamburger Kollegen landen. Die stimmen sich dann zwar schnellstmöglich mit Elmshorn ab, aber unter dem Strich kostet der Schlenker Zeit. Das Problem betrifft alle Einwohner, die über einen ISDN-Festnetzanschluss mit der Vorwahl 040 den Notruf wählen. Bei allen, die ihren Notruf über eine moderne IP-Telefonleitung absetzen, klappt die Weiterleitung nach Elmshorn dagegen reibungslos. Auch Schenefelder Notrufe aus dem Mobilnetz laufen mit wenigen Ausnahmen in Elmshorn und nicht in Hamburg auf.

So lautet jedenfalls das Fazit einer Anhörung von hochrangigen Vertretern der Kreisverwaltung, der Leitstelle Elmshorn und der für die Notfallversorgung zuständigen Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH) im Schenefelder Hauptausschuss. Die aktuelle Situation im Notrufsystem hatte für Unmut in der Bevölkerung sowie in Politik und Stadtverwaltung gesorgt.

Den immer wieder geforderten Stichtag für die komplette Umstellung der Schenefelder Notrufkommunikation auf Elmshorn gebe es nicht, sagte Stephan Bandlow, Leiter der Kreisleitstelle. „Es ist uns trotz wochenlangem Bemühen nicht gelungen, einen echten Stichtag oder eine belastbare Prognose dafür von der Telekom zu bekommen.“ Der Haken liegt in der Telekommunikationstechnik begründet. Die Bundesnetzagentur hat die Anbieter, etwa die Telekom, zwar angewiesen, spätestens bis zum 30. September 2014 ein auf die jeweilige Gemeinde bezogenes Verfahren der Notruflenkung einzuführen. Ausgenommen von dieser Regelung bleiben aber die ISDN-Anschlüsse. Sie werden weiterhin über die jeweiligen Ortsnetze weitergeleitet. Und 040 steht eben für Hamburg.

Eigentlich soll das ISDN-Zeitalter im November 2018 enden. Doch selbst dieses Datum lässt die Telekom auf Abendblatt-Nachfrage offen. „ISDN wird ab Ende 2018 auslaufen“, sagte Unternehmenssprecherin Stephanie Halle. Es könnte also auch 2020 oder noch später werden. Jan Osnabrügge, stellvertretender RKiSH-Geschäftsführer wendet das Dilemma ins Positive: „Wer auf Nummer sicher gehen will, muss seinen ISDN-Anschluss einfach auf IP umstellen. Das hat dann jeder Bürger selbst in der Hand.“ Oder er setze seine Notrufe übers Handy ab. In Einzelfällen kann allerdings auch dieser Weg nach Hamburg führen. Da Schenefeld an die Hansestadt grenzt, können Anrufer je nach Standort durchaus eine Hamburger Funkzelle erwischen. Und landen wieder in der Hamburger Rettungswache.

Verglichen mit anderen Kommunen im Land stünden die Schenefelder allerdings gar nicht so schlecht da, sagte Jürgen Tober, Leiter des zuständigen Fachbereichs Ordnung und Bauen bei der Pinneberger Kreisverwaltung: „Sie werden sogar von zwei Seiten versorgt.“ Denn unabhängig von politischen Grenzen und Vereinbarungen würden die Retter in Hamburg und dem Kreis Pinneberg pragmatisch zusammenarbeiten, sagte Osnabrügge. Geschickt werde immer der Wagen, der den Einsatzort am schnellsten erreiche. Auch wenn ein Schenefelder Anruf korrekt in Elmshorn auflaufe, das über GPS gesteuerte System aber sekundenschnell vermelde, dass keiner der Rettungswagen in der gesetzlich erlaubten Hilfsfrist von maximal zwölf Minuten am Einsatzort sein könne, stimme man sich mit den Hamburger Kollegen ab, erklärte Bandlow. „Das dauert weniger als eine Minute.“