Pinneberg
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Bühne frei für den Schauspieler-Nachwuchs

Der Vorsitzende des Forum Theaters Pinneberg, Andreas Hettwer (v.l.), Jasmin Gajda (v. l.) aus der Jugendgruppe und Nathalie Marth, die die Jugendarbeit koordiniert, am Eingang der Ernst-Paasch-Halle

Der Vorsitzende des Forum Theaters Pinneberg, Andreas Hettwer (v.l.), Jasmin Gajda (v. l.) aus der Jugendgruppe und Nathalie Marth, die die Jugendarbeit koordiniert, am Eingang der Ernst-Paasch-Halle

Foto: Elvira Nickmann / HA

Dem Pinneberger Forum Theater mangelt es an jungen Darstellern. Ein Workshop soll Jugendlichen nun Lust aufs Schauspielern machen.

Pinneberg.  Wer aus Pinneberg stammt, kennt sie, die Plakate des Forum Theaters. Sie sind überall in der Innenstadt zu finden, sobald die Aufführung eines neuen Stücks ansteht. Viele wollen mitspielen, daher gibt es zu Beginn einer Produktion regelrechte Castings.

Kaum zu glauben, dass den Theaterverein trotzdem Nachwuchssorgen plagen, so populär und präsent, wie er ist. Fast 100 Produktionen hat er in den vergangenen 21 Jahren auf die Beine gestellt. Sogar eine eigene Kindergruppe spielt sich alljährlich in der Adventszeit in die Herzen der Zuschauer. Wenn aber der Zulauf von Kindern und Erwachsenen nicht das Problem des Theaters ist, was dann? Die Antwort lautet: die so vielfältig beschäftigten Jugendlichen.

Dabei war das einmal ganz anders. Aus der 1996 ins Leben gerufenen Kindergruppe entwickelte sich sechs Jahre später eine eigenständige zehn- bis 15-köpfige Jugendgruppe. Drei Produktionen stellte sie auf die Beine, dann war Schluss. Die Teenager wurden älter, arbeiteten auf den Schulabschluss zu, standen zunehmend unter Druck. Einige begannen mit einer Ausbildung oder einem Studium, manche zogen in andere Städte. „Leider konnten wir den Großteil der sich neu orientierenden Jugendlichen danach nicht im Verein halten“, bedauert Regie-Assistent Lutz Hatje. Immerhin: Einige inzwischen junge Erwachsene spielen heute wieder bei der Erwachsenengruppe mit vier Produktionen pro Jahr mit.

2014 ging die Jugendgruppe erneut an den Start, diesmal mit vier Mädchen. Noch im Sommer 2015 wurde per Zeitungsmeldung im Abendblatt nach einem Jungen zur Ergänzung des Teams gesucht. Mit Erfolg: Frederick Grobelni spielte den Jan im Jugendtheaterstück „Heute ist ein guter Tag“, das im November aufgeführt wurde. Doch das war’s dann auch schon, denn von fünf Mitgliedern verließen drei die Gruppe.

Frederick blieb dabei, seine Mitstreiterin Jasmin Gajda aus Halstenbek ebenso. Sie ist seit vier Jahren auf der Bühne aktiv, drei davon in der Kindergruppe, dann kam der Übergang zum Jugendtheater. Ihr gefällt, dass es möglich ist, sich auszuprobieren. „Ich schlüpfe gern in ganz andere Rollen“, sagt die 13-Jährige und versichert gleich, dass Theaterspielen auch neben der Schule möglich ist. „Man hat ja auch sonst Hobbys“, sagt sie. Nathalie Marth, selbst immer wieder auf der Bühne und verantwortlich für die Jugend- und Kindergruppe, betont, dass der Zeitaufwand mit einem Nachmittagstermin pro Woche durchaus überschaubar bleibt.

Das finden auch die Geschwister Ben-Luca, 11, und Alina-Marie Zoschke, 9. Beide sind mit dem Theater-Virus infiziert und möchten als Darsteller beim Forum Theater auf der Bühne weitermachen. Dazu brauchen aber auch sie früher oder später die Möglichkeit eines fließenden Übergangs in die Jugendgruppe. Ihre Eltern Nadine und Martin Zoschke sehen viele Vorteile in dem Hobby ihrer Kinder. „Sie sind dadurch total selbstbewusst geworden“, sagt Martin Zoschke, und seine Frau fügt hinzu: „Das Theaterspielen macht sicherer. Das wirkt sich auch positiv auf die Schule aus.“

Vor seiner ersten Aufführung hatte Ben-Luca noch Lampenfieber. Später war er sogar so entspannt, dass er zur vermeintlichen Probe erschien, die sich aber schon als Premiere herausstellte. Ben-Luca nahm es mit Humor und meisterte seinen Auftritt. Alina-Marie musste dagegen lernen zu improvisieren, als bei einer Premiere eine Darstellerin ausfiel und sie diese – mit Textbuch auf der Bühne – vertreten sollte. Herausforderungen, an denen die Kinder gewachsen sind. „Das war schon eine große Leistung“, sagt Mutter Nadine.

In dem wöchentlichen Termin sehen die Eltern kein Problem: „Man weiß ja, worauf man sich einlässt. Die Termine sind durchaus gut mit der Schule in Einklang zu bringen“, so Martin Zoschke. Ein weiterer positiver Effekt: In der Gruppe werden ganz nebenbei Sozialverhalten trainiert und Empathie gefördert. Als „sehr cool“ hat Jasmin Gajda aus der Jugendgruppe noch das letzte Probenwochenende auf dem Land in Erinnerung, als sie sich nicht nur als Darstellerin, sondern auch als Selbstversorgerin ausprobieren konnte.

Das alles sind Gründe, warum der Verein sich nicht mit einem Aus für die Jugendgruppe abfinden will. Stattdessen geht er jetzt mit einem kostenlosen Wochenend-Workshop-Angebot für Jugendliche von 13 bis 18 Jahren in die Offensive. Wer sich bisher nicht traute, aber gern schauspielern möchte, findet hier einen leichten Einstieg auch ohne Vorbildung. Die Regie möchte die Jugendlichen mit der Probenarbeit anhand von Übungen vertraut machen. Fragen zum Textlernen, Casting, Proben und Zeitaufwand werden geklärt. Leiter des Workshops sind die ausgebildete Schauspielerin Carina Jahn und Regie-Assistent Lutz Hatje, die auch praktische Übungen anleiten.