Pinneberg
Barmstedt

Bewährungsstrafe für THW-Helfer nach Brandstiftung

Feuerwehrkräfte versuchen, am Abend des 7. Februar 2015 auf dem THW-Gelände in Barmstedt vom Feuer betroffene Gasflaschen zu kühlen

Feuerwehrkräfte versuchen, am Abend des 7. Februar 2015 auf dem THW-Gelände in Barmstedt vom Feuer betroffene Gasflaschen zu kühlen

Foto: Feuerwehr / HA

Gericht verurteilt Marcel S., der vor gut einem Jahr aus Frust auf dem Gelände der Hilfsorganisation in Barmstedt Feuer legte.

Barmstedt/Elmshorn.  Marcel S. war wütend. Wütend auf die Kameraden vom THW, die schlecht über ihn geredet hatten. Und deprimiert. Deprimiert von seiner Beziehung, die kurz vor dem Scheitern stand. In dieser Stimmung traf er am 7. Februar vorigen Jahres eine fatale Entscheidung: Der damals 21-Jährige legte auf dem THW-Gelände in Barmstedt Feuer.

Ein Brand, der schnell außer Kontrolle geriet. Und der dem heute 22-Jährigen am Donnerstag einen Platz auf der Anklagebank des Schöffengerichts Elmshorn bescherte. Versuchte Brandstiftung warf ihm Staatsanwalt Peter Müller-Rakow vor. Beim Versuch war es aus Sicht der Staatsanwaltschaft geblieben, weil zwar ein Großteil des Außenlagers beschädigt wurde, die Feuerwehr jedoch ein Übergreifen der Flammen auf die Fahrzeughalle gerade noch verhindern konnte. Dennoch entstand ein Schaden von 52.000 Euro.

„Es war eine Dummheit. Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe“, suchte der Angeklagte vergeblich nach einer Erklärung. Er sei an dem Sonnabendabend zum THW-Gelände gefahren, weil er gehofft habe, mit jemandem über seine Situation sprechen zu können. Als er das Gelände verwaist vorfand, habe er das Tor mit seinem Schlüssel aufgeschlossen. „Ich war länger nicht mehr da gewesen, wollte mal sehen, was es Neues gibt.“

Neben dem Brandherd standen Gasflaschen

Doch nach einigen Minuten auf dem Gelände griff Marcel S. zum Feuerzeug. In einer Gitterbox an der Rückseite der Fahrzeughalle lagerten Dutzende Transportsäcke, sogenannte Big Bags. „Erst habe ich ein bisschen rumgekokelt, dann etwas mehr“, beschrieb der 22-Jährige sein Handeln. In der Folge habe das Knäuel aus Transportsäcken schnell Feuer gefangen. „Ich habe noch versucht, das mit den Händen auszumachen. Das gelang nicht. Ich bin dann in Panik geflüchtet“, so der Angeklagte. Und er fügte hinzu: „Ich habe leider weder die Feuerwehr alarmiert noch sonst irgendwen.“

Neben der Box mit den Big Bags standen unter einem Dachunterstand weitere Gitterboxen, die Holzreste sowie Elektroschrott enthielten. Außerdem lagerten dort in einem Behältnis angebrochene Gasflaschen. „Das war ein heftiges Feuer“, sagte Feuerwehr-Zugführer und Einsatzleiter Peter H., 55. Er habe nach kurzer Zeit die Gasflaschen bemerkt, sie kühlen lassen und dann einer Überprüfung unterzogen. „Es waren welche zugedreht, bei mindestens drei Flaschen waren aber die Ventile offen. Das war ungewöhnlich“, so der Feuerwehrmann. Der THW-Ortsbeauftragte Stefan Sch., 51, gab vor Gericht an, dass die Helfer der Feldküche strikte Anweisungen hätten, die Gasflaschen zuzudrehen. „Es gibt darin jährliche Unterweisungen, wir gehen sehr sorgfältig damit um.“ Gegen den Angeklagten sei inzwischen ein Entlassungsverfahren aus dem THW eingeleitet worden. Jedoch nicht wegen der Brandstiftung („So etwas ist bei uns kein Entlassungsgrund“), sondern wegen mangelnder Dienstbeteiligung.

Marcel S. bestritt vehement, sich an den Gasflaschen zu schaffen gemacht zu haben. THW-Helferin Savalin T., 32, die noch am Nachmittag des Brandtages auf dem Gelände war, berichtete von einem Anruf des Angeklagten am Abend dieses Tages. „Er fragte, ob er noch was helfen kann. Das habe ich verneint.“ Im Anschluss habe Marcel S. ihr mehrere Textnachrichten geschickt, sich nach der Höhe des Schadens erkundigt und gefragt, ob es schon Täterhinweise gebe.

„Ich gehe davon aus, dass der Angeklagte die Gasflaschen bewusst aufgedreht hat, um sie als Brandbeschleuniger zu nutzen“, sagte Staatsanwalt Müller-Rakow. Der heute 22-Jährige könne nur ein Ziel gehabt haben: „Er wollte, dass das Feuer auf die Fahrzeughalle übergreift.“ Der Anklagevertreter beantragte für Marcel H. eine Haftstrafe von 18 Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. „Er wusste genau, was er tat.“

Verteidigerin Claudia Hauck-Delhey sah es dagegen nicht als erwiesen an, dass ihr Mandant die Ventile der Gasflaschen geöffnet habe, um die Unterkunft in Schutt und Asche zu legen. „Es kann auch so gewesen sein, dass die Ventile nicht richtig zugedreht waren oder sich durch die Hitze geöffnet haben, menschliches Versagen gibt es überall.“ Marcel S. habe sich als offener Angeklagter präsentiert, „der zu seinen Taten und seinen persönlichen Verhältnissen rückhaltlos Auskunft gegeben hat“. Das sei ihm nicht leicht gefallen. „Es war ihm wichtig, und es hat ihn erleichtert. Einen Grund, uns hier etwas vorzulügen, hat er nicht.“ Sie forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

1000 Euro für die Elmshorner Tafel

Das Amtsgericht hielt eine Strafe von einem Jahr und vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wird, für tat- und schuldangemessen. „Wir können Ihnen nicht zweifelsfrei nachweisen, dass Sie auch die Gasflaschen aufgedreht haben. Der Verdacht liegt aber nahe“, so Amtsrichterin Renate Päschke-Jensen. Dem Angeklagten sei seine persönliche Situation über den Kopf gewachsen. „Sie wussten genau, was alles passieren konnte. Und sie haben keine ernsthaften Versuche unternommen, das Feuer zu löschen, noch haben sie die Feuerwehr informiert.“

Als Bewährungsauflagen legte das Gericht fest, dass Marcel S. 1000 Euro an die Elmshorner Tafel zahlen, eine ambulante Psychotherapie absolvieren und sich der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen muss. „Und rechnen Sie mal damit, dass Sie den Schaden werden begleichen müssen“, gab die Richterin dem Angeklagten mit auf den Weg.