Pinneberg
Verwaltung

Entscheidung: Amt Haseldorf löst sich auf

In den Festsaal des Haseldorfer Hofes mussten die Politiker umziehen, damit alle Zuhörer einen Platz fanden

In den Festsaal des Haseldorfer Hofes mussten die Politiker umziehen, damit alle Zuhörer einen Platz fanden

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Gemeinden Haseldorf, Hetlingen und Haselau wollen Verwaltungsgemeinschaft mit Uetersen beenden und dem Amt Moorrege beitreten.

Haseldorf/Moorrege.  Mit einem flammenden Appell hat Heinz Lüchau noch versucht, das Blatt zu wenden. „Mir würde es leidtun, wenn ihr das kleine, schnuckelige Amt Haseldorf zu Grabe tragt“, sagt der Christdemokrat, der mehr als 25 Jahre Haseldorfer Bürgermeister war und mehr als 20 Jahre Amtsvorsteher. „Ihr könntet euer blaues Wunder erleben“, ergänzte Lüchau mit Blick auf die Kommunalwahl 2018. Kräftigen Applaus erntete er dafür von den etwa 80 Zuhörern, die zu der Sitzung des Amtsausschusses in den Haseldorfer Hof gekommen waren.

Die Politiker sollten über die Zukunft des Amtes Haseldorf entscheiden? Fortsetzung der Verwaltungsgemeinschaft mit Uetersen oder Auflösung des Amtes plus Anschluss der drei Dörfer Haseldorf, Hetlingen und Haselau an das Amt Moorrege?

Zum Zünglein an der Waage wurde Amtsvorsteher Rolf Herrmann (CDU), nachdem es während einer Sitzung im Dezember eine Patt-Situation gegeben hatte. Denn eine fast zweijährige „Schlammschlacht“ wäre aus seiner Sicht die Konsequenz, sollte es wieder ein Patt oder eine Entscheidung pro Uetersen geben. Denn die Gemeindevertretungen in Haseldorf und Hetlingen hatten beschlossen, notfalls allein den Weg nach Moorrege zu gehen. Dafür werde es jedoch keine Genehmigung aus Kiel geben, berichtet Herrmann aus einem Gespräch mit Vertretern des Innenministeriums. Haseldorf und Hetlingen würden als Folge einen langwierigen Prozess vor dem Verwaltungsgericht auslösen. Diese Hängepartie vermied der Haselauer Bürgermeister, indem er sein Stimmverhalten änderte.

Herrmann hatte zuvor viel Zeit für Meinungsäußerungen aus dem Publikum gelassen. Rolf Lange, ehemaliger Haseldorfer SPD-Gemeindevertreter, kritisierte, dass die Entscheidung „auf Drohungen aus Haseldorf und Hetlingen basiert“. Sein Parteifreund Frank Schoppa monierte, dass die Entscheidung in der Haseldorfer Gemeindevertretung „auf zweifelhafte Art und Weise“ entstanden sei. „Wir haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Moorrege günstiger ist“, sagte der Haseldorfer Bürgermeister Uwe Schölermann (CDU).

Das rief seinen ersten Stellvertreter Boris Steuer auf den Plan. „Uns wurde eine Rechnung von der CDU präsentiert, wonach Moorrege 50.000 Euro billiger ist“, sagte der Genosse. Während der Amtsausschusssitzung erklärten mehrere Politiker, dass beide Angebote finanziell gleich zu bewerten seien. Welches die wahren Gründe der CDU Haseldorf seien, wurde Schölermann gefragt. „Ich will keine schmutzige Wäsche waschen“, wich er aus. Für eine „sachliche Entscheidung“ plädierte Hetlingens erster stellvertretender Bürgermeister Michael Rahn (FW): Zum Amt Moorrege haben wir eine stärkere Verbindung als zu Uetersen.“

„Ich finde es schade", sagte die Uetersener Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) direkt nach der Sitzung. „Wir haben gut zusammengearbeitet.“ Der Moorreger Amtsdirektor Rainer Jürgensen war für eine telefonische Stellungnahme nicht zu erreichen.