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Quickborn

Skandal um Missbrauch: Sportverein weist Vorwürfe zurück

Der verurteilte Jugendtrainer Kai H. im Gericht

Der verurteilte Jugendtrainer Kai H. im Gericht

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Verantwortliche im Verein wehren sich gegen Anschuldigungen, sie hätten zu spät auf Vorfälle in Jugendabteilung reagiert.

Quickborn.  Der Vorstand des TuS Holstein Quickborn hat sich am Freitag zu den Missbrauchsvorfällen im Verein geäußert. Das Landgericht Itzehoe hatte den ehemaligen Jugendtrainer Kai H., 42, am Montag zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er sich zwischen 2013 und 2015 an drei seiner Schützlinge insgesamt 15-mal vergangen hat. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft, die drei Jahre Haft ohne Bewährung gefordert hatte, Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

„Wir haben erstmals im Juli 2015 von der Mutter eines betroffenen Jungen von diesen Vorwürfen erfahren“, betonen die Vorsitzenden Jürgen Sohn und Hartmut Leutner, gegen die zuletzt Rücktrittsforderungen laut wurden. Sie hätten sofort die Zusammenarbeit mit H. beendet. „Wäre es uns vorher bekannt gewesen, hätten wir selbstverständlich umgehend reagiert.“

Im Jahr 2014 hätte der Vereinsvorstand erstmals von zwei Jugendtrainern, die jetzt als Zeugen vor Gericht aussagten, von einem Vorfall bei einer Fußballausfahrt im Jahr davor erfahren. „Dabei gab es keine konkreten Vorwürfe eines sexuellen Missbrauchs und keine Informationen, die es gerechtfertigt hätten, die Polizei zu informieren oder Herrn H. von seinen Aufgaben freizustellen“, betont der Vorstand. Vielmehr hätten sie ihre Beobachtung beschrieben, dass H. auf dieser Ausfahrt einen Jungen abgeduscht und wieder angezogen hätte. Darauf zur Rede gestellt, habe H. glaubhaft versichert, dass sich der Junge eingenässt hätte und er ihn deshalb habe abduschen müssen. „Davon, dass Herr H. das Kind unsittlich berührt hat, war seinerzeit keine Rede.“

Die Gespräche des Vorstandes mit den anderen Trainern, den Eltern und der Beratungsstelle Wendepunkt hätten an dieser Aussage nicht zweifeln lassen. „Auch durch die beiden Trainer, heute wohl die Hauptbelastungszeugen in dem Strafprozess, erfolgte keine Strafanzeige.“ Selbstverständlich sei der Verein „in besonderem Maße gefordert, soweit es den Schutz der anvertrauten Kinder geht“, betont der Vorstand. Darum müsse heute jeder der 60 Trainer ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen und sich der Einhaltung von Verhaltensregeln im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verpflichten. Zudem habe der TuS im Herbst 2015 mit Karin Leutner die Position einer Kinderschutzbeauftragten geschaffen, so der Vereinsvorstand. (bf)