Prozess

Rellinger räumt sechs Sachbeschädigungen ein

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Arne Kolarczyk
Andre M. gestand vor Gericht sechs Sachbeschädigungen

Andre M. gestand vor Gericht sechs Sachbeschädigungen

Foto: Michael Rauhe

Der mutmaßliche Serientäter Andre M. gibt zu, Reifen zerstochen sowie die Heckscheibe eines Pkw zerstört zu haben. Urteil am Dienstag.

Rellingen/Itzehoe.  Er räumte das ein, was ihm ohnehin nachgewiesen werden konnte: Der mutmaßliche Rellinger Serienbrandstifter Andre M., 27, hat am Donnerstag vor dem Schöffengericht Itzehoe sechs von zwölf angeklagten Taten eingestanden.

Über seinen Verteidiger Thomas Penneke ließ M. erklären, im Juli 2014 in zwei Nächten an fünf Autos Reifen zerstochen sowie die Heckscheibe eines Fahrzeugs eingeschlagen zu haben. Andre M. bereue diese Taten, über seine Motivation wolle er keine Angaben machen. Zu den anderen Vorwürfen, darunter drei Pkw-Brandstiftungen, eine falsche Verdächtigung sowie Vortäuschen einer Straftat, verweigerte er die Aussage oder ließ sie bestreiten.

Das Teilgeständnis am vierten Verhandlungstag ist offenbar taktischer Natur. So lag dem Gericht das Gutachten eines Sachverständigen vor, das ein bei dem Angeklagten sichergestelltes Klappmesser als Tatwaffe der Reifenstechereien identifizierte. Außerdem hatten zwei Polizisten im Verfahren bestätigt, den 27-Jährigen beim Einschlagen der Pkw-Heckscheibe beobachtet zu haben. Sein Geständnis wirkt sich nun strafmildernd aus.

Haftstrafe von sechs bis zwölf Monaten

Andre M., der heute hinter Gittern seinen 28. Geburtstag begeht, war im September 2014 in der Nähe seines Rellinger Wohnhauses auf frischer Tat bei drei Pkw-Brandstiftungen von Zivilbeamten beobachtet und festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Für diese Taten wurde er bereits zu zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Rechtskräftig ist der Richterspruch noch nicht.

Die Staatsanwaltschaft hat den Großteil der Pkw-Brandstiftungen nicht aufklären können und die Ermittlungen eingestellt. Im Fall der drei Brandlegungen, die Bestandteil der jetzigen Anklageschrift sind, zeichnet sich ein Freispruch für Andre M. ab. Mehrere Zivilpolizisten, die in der fraglichen Nacht das Haus von Andre M. observierten, mussten vor Gericht einräumen, dass er ihnen nach Verlassen des Hauses entwischt war.

Am Donnerstag sagten zwei Polizisten als Zeugen aus, die Andre M. am 21. Mai 2014 vor seinem Haus festgenommen hatten. Damals war eine Droh-Mail in der Pinneberger Berufsschule eingegangen, die Polizei vermutete den Rellinger als Urheber. „Es hieß, dass die IP-Adresse zu Herrn M. zurückverfolgt werden konnte“, so ein Beamter, 37, der zuvor mit seinem Sprengstoffsuchhund das Schulgebäude inspiziert hatte. Daraufhin seien die Beamten zum Haus von M. gefahren. „Ich war als erster dort, als Herr M. überraschend aus dem Haus kam“, berichtet der Zeuge. Er habe seinem Hund den Zugriff befohlen und dieser habe den Rellinger zu Boden gebracht.

Alles sei regelkonform abgelaufen, bestätigte ein zweiter Beamter, 46. Laut Anklage soll Andre M., als er am Boden lag, mehrfach seinen Kopf aufs Pflaster geschlagen und einige Tage später die Beamten wegen Misshandlung angezeigt haben. Von diesem Vorfall wollen beide Zeugen nichts mitbekommen haben. Verteidiger Penneke erklärte im Namen des Angeklagten, dass er für die Droh-Mail nicht verantwortlich sei. Die damalige Festnahme sei ebenso wie die folgende Hausdurchsuchung rechtswidrig gewesen, das hätten Gerichte inzwischen bestätigt.

Das Urteil des Schöffengerichts im jetzigen Verfahren wird für Dienstag erwartet. Zu erwarten ist eine Haftstrafe von sechs bis zwölf Monaten. Vermutlich 2017 dürfte Andre M. alle Strafen abgesessen haben.

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