Pinneberg
Quickborn/Elmshorn

Jugendtrainer kommt mit Bewährungsstrafe davon

Mildes Urteil für Kai H., der als Coach des TuS Holstein Quickborn drei Schützlinge missbrauchte. Landgericht ordnet Sexualtherapie an

Quickborn/Elmshorn.  Die Empörung und das Unverständnis unter den Zuschauern waren groß, als Richterin Isabel Hildebrandt am Montag das Urteil gegen Kai H. verkündete: Der ehemalige Jugendtrainer des TuS Holstein Quickborn, der drei seiner Schützlinge sexuell missbraucht hat, kommt mit einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten davon.

Die Jugendkammer des Landgerichts Itzehoe ordnete als Auflagen an, dass sich der 42-Jährige einer ambulanten Sexualtherapie unterziehen muss, er keinen Kontakt zu Kindern unterhalten und sich nicht Orten nähern darf, an denen sich Kinder aufhalten. Ihm wird für die Bewährungszeit von drei Jahren ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

„Ein schöner Rechtsstaat ist das“, schimpfte ein Zuschauer, als er den Gerichtssaal verließ. Eine Mutter brach sogar in Tränen aus. Mehrere Eltern aus der Mannschaft der Jahrgänge 2006 und 2007, die der Angeklagte bis zu seiner Entlassung im Sommer 2015 trainiert hatte, waren zur Urteilsverkündung erschienen. Die Übergriffe ereigneten sich zwischen 2013 und 2015.

16 Fälle hatte Staatsanwältin Dagmar Staack in der Anklageschrift aufgeführt, verurteilt wurde Kai H. für 15 Taten. In einem Fall entschied die Kammer auf Freispruch, weil Tatzeit und Örtlichkeit nicht mehr zu ermitteln waren. Die Vorfälle ereigneten sich teils in einer Quickborner Sporthalle, teils in einem Trainingslager an der Ostsee sowie zum Großteil im Auto des Angeklagten, der einen der Jungen mit Einverständnis der Eltern zu Ausflügen etwa auf eine Kartbahn oder in den Serengeti-Park mitgenommen hatte. Ein weiterer Fall mit einem der Opfer ereignete sich sogar in der elterlichen Wohnung. Kai H. hatte die Kinder an den Genitalien befummelt und seine Handlungen als Massagen bezeichnet.

„Der Angeklagte ist therapiebereit, nicht vorbestraft und hat sich bereit erklärt, ein großzügiges Schmerzensgeld an die Opfer zu zahlen“, erläuterte Hildebrandt. Kai H. habe bereits frühzeitig im Ermittlungsverfahren reinen Tisch gemacht und sein „von Reue und Einsicht getragenes Geständnis“ vor Gericht wiederholt. „Bei einem schweigenden Angeklagten wäre es schwer gewesen, alle Taten nachzuweisen“, so die Richterin. Sie führte aus, dass einer der Jungen im Ermittlungsverfahren weniger schwerwiegende Vorwürfe gemacht habe als sie Kai H. später einräumte. Zudem sei ein weiterer Junge durch Eltern und eine bereits erfolgte Traumatherapie, bei der die Vorwürfe thematisiert worden waren, fremdsuggestiv beeinflusst gewesen. Daher sei eine Bewährung alternativlos. Die Kammer gehe davon aus, dass der Angeklagte voll schuldfähig ist und den Kindern mit dem Ausschluss vom Training gedroht hat, falls sie ihn verraten würden.

Staatsanwältin Staack, die drei Jahre Haft gefordert hatte, will den Gang in die Revision prüfen. Opferanwältin Claudia Hauck-Delhey wollte sich nicht äußern. Verteidiger Henry Brendel, der eine Bewährungsstrafe angeregt hatte, zeigte sich zufrieden.