Pinneberg
Kreis Pinneberg

Bettenboom trotz Gästerückgangs in der Region

Die Familie Hesse möchte in Wedel in einen Hotelbau investieren, was Bürgermeister Niels Schmidt (l.) freut

Foto: Katy Krause / HA

Die Familie Hesse möchte in Wedel in einen Hotelbau investieren, was Bürgermeister Niels Schmidt (l.) freut

In Tornesch, Wedel und Pinneberg sind neue Hotels geplant. Dabei ist Zahl der Übernachtungen im Kreis Pinneberg 2015 gesunken.

Kreis Pinneberg.  Eine hohe einstellige Millionen-Euro-Summe will die Hamburger Unternehmerfamilie Hesse in den Bau eines neuen Hotels am Wedeler Hafen investieren. 100 Zimmer mit Erweiterungsoption um das Doppelte. Das Hotel Quickborn mit 167 Zimmern, das die Familie ebenfalls betreibt, wird gerade zum zweiten Mal erweitert. Und auch für Tornesch und Pinneberg gibt's große Pläne. So strebt das Bauunternehmen Semmelhaack einen Neubau für bis zu 120 Gäste in Tornesch an. Im Kreis Pinneberg boomt der Hotelbau. Das mag manchen erstaunen. Denn die Übernachtungszahlen sind laut Statistikamt in der Region rückläufig. Viele der Hotels im Kreis Pinneberg haben 2015 Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

So ist die Zahl der Übernachtungen zwischen Januar und November vergangenen Jahres laut Statistikamt Nord auf 555.203 und damit um 3,2 Prozent gesunken. Im Jahr 2014 wurden im gleichen Zeitraum 603.555 Übernachtungen in Beherbergungsstätten mit zehn und mehr Betten gezählt. In Uetersen ist mit einem Minus von 10,7 Prozent der stärkste Rückgang zu verzeichnen. "In Uetersen sind keine Hotels geschlossen. Wir können derzeit nicht sagen, weshalb die Zahlen rückläufig sind", sagt Uetersens Amtsleiterin Anja Stange. Hoteliers dagegen vermuten, das insbesondere der Umzug von Firmen in andere Städte und die Verkehrssituation direkte Auswirkungen auf die Buchungszahlen etwa in Uetersen, Pinneberg und Quickborn haben. So habe der Umzug von Firmen von Uetersen nach Tornesch ebenso das Hotelgeschäft beeinflusst wie der Wegzug von Pinneberger Unternehmen gen Tornesch.

In dem dortigen Gewerbegebiet sind unter anderem Firmen wie das Pharmaunternehmen Medac ansässig – und die wachsen weiter in Tornesch. Das spielt zumindest den Plänen von Semmelhaack in die Hände. Auch die Stadtverwaltung hatte sich für den Bau eines Geschäfts- und Tagungshotels nahe dem Businesspark stark gemacht, damit Geschäftsreisende in Tornesch übernachten können. An passenden Hotels mangelt es dort bislang. Das Unternehmen Semmelhaack erarbeitet daher Pläne für den Bau eines Hotels in Tornesch-Ahrenlohe mit Tagungsräumen und Wellness-Bereich. Es soll dort entstehen, wo derzeit "Kröger's Gasthof" steht, der umziehen will. Ein Hotelbau könnte laut Semmelhaack-Prokurist Arne Parchent bis zu 150 Gästen Platz bieten.

Gegen den Negativtrend im Kreis Pinneberg entwickelt sich Quickborn. Dort verzeichnet das Statistikamt Nord ein sattes Plus von 17,6 Prozent bei den Übernachtungen in 2015. Die dort ansässigen Hotels profitieren von dem, was Autofahrer in den Wahnsinn treibt: der Dauerbaustelle auf der Autobahn 7. Laut Hoteliers hat die Baustelle zuletzt vermutlich zu deutlich mehr Übernachtungen von Handwerkern und anderen an den Bauarbeiten beteiligten Gruppen geführt. Zudem würden Durchreisende aufgrund der Verkehrslage nun vor Hamburg vermehrt Halt machen, statt in Hamburg direkt eine Unterkunft zu buchen.

Kommunalpolitik begrüßt die Neubaupläne

Das dürfte sich auch bei den Hesses und ihrem Hotel Quickborn deutlich bemerkbar machen. Die Familie betreibt insgesamt sechs Häuser in Hamburg und Umgebung mit 550 Zimmern und 86 Angestellten. Weitere 100 Zimmer sowie die Schaffung von zusätzlichen 30 Arbeitsplätzen plant die Familie, die ihre Hotel auch selbst betreibt, an Wedels neuer Hafenkante. Ihre Pläne, die von der Kommunalpolitik am Dienstagabend positiv aufgenommen wurden, sehen den Bau eines sechsgeschossigen Hauptgebäudes mit Dachgeschoss vor. Letzteres ist für Veranstaltungen vorgesehen.

"Ich hoffe auf Synergieeffekte mit den anderen Häusern", erklärt Hiltrud Hesse. So habe sie in Blankenese, wo sie das Hotel Behrmann betreibt, Platzprobleme. "Wir haben viele Anfragen von größeren Gruppen", so Hesse. Die will sie nach Wedel umlenken. Zudem setzt sie auf erschwingliche Übernachtungspreise, um für die nötige Bettenbelegung ihres geplanten Drei-Sterne-Hauses ab voraussichtlich 2017 zu sorgen. "Der Bedarf ist da", ist sich Hesse sicher. Das ist auch das Ergebnis eines von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachtens. Das hatte zudem vier mögliche Standorte in Wedel analysiert und den am Hafen favorisiert.

Für Pinneberg hatte vor zwei Jahren Wirtschaftförderer Stefan Krappa eine Expertise für die Kreisstadt erstellt. Fußend auf einer Umfrage unter Gewerbetreibenden, die er angeschoben hatte. "Ergebnis war, dass es vor allem Bedarf an hochwertigen Einrichtungen gibt", so Krappa. Unternehmer wünschten sich neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Räume für Tagungen und Seminare. Die ehemalige Eggerstedt-Kaserne wurde seinerzeit als geeigneter Standort genannt.

Dazu passen die Planungen einer bereits in der Kreisstadt beheimateten Gastronomin, die eben dort 2014 ein Grundstück erworben hat. Auf 3200 Quadratmetern soll ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant hochgezogen werden. Für noch mehr Aufsehen sorgten Pläne des Hamburger Hoteliers Gert Prantner. Der ist Geschäftsführer der RIMC-Gruppe und leitete einst das angesehene Haus Vier Jahreszeiten an der Alster. Prantners Pläne sehen den Bau einer Nobelherberge nebst Wellnessbereich ebenfalls auf dem Kasernenareal vor. "Wir sind weiterhin mit Herrn Prantner im Gespräch", so Rathaussprecher Marc Trampe. "Für die Stadt Pinneberg wäre das Projekt auf jeden Fall ein Gewinn."

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