Pinneberg
Wedel

Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten

Foto: Katy Krause / HA

Wedels Bürgermeisterwahl: Etwa 300 Interessierte besuchen Podiumsdiskussion der beiden Anwärter. Zuhörerschaft ist gespalten.

Wedel.  Da sag’ noch einmal jemand, dass Politik keinen mehr bewegt. Immerhin machten sich am Mittwochabend etwa 300 Interessierte in die neue Mensa des Johann-Rist-Gymnasiums in Wedel auf. Ihr Ziel war die einzige offiziell von der Stadt organisierte Veranstaltung, bei der sich die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 28. Februar präsentieren konnten. Nach dem Rückzug des erkrankten Eckhard Frahm sind zwei Bewerber geblieben, die sich am Mittwoch einen Schlagabtausch liefern konnten.

Auf der einen Seite: Niels Schmidt, 55, Wedeler. Seit zwölf Jahren ist er Bürgermeister seiner Heimatstadt. Hier lebt er mit seiner zweiten Ehefrau in einer Mietwohnung nahe dem Rathaus. Schmidt tritt als parteiloser Kandidat an. Seine Jobbeschreibung während der Vorstellungsrunde: „Der Bürgermeister ist ein gewählter Häuptling, der dafür zu sorgen hat, dass es sich in Wedel gut leben lässt.“

Auf der anderen Seite: Claudia Wittburg, 35, verheiratet, zwei Kinder (ein und drei Jahre alt). Die Wedelerin kommt aus den Reihen einer Elterninitiative, die sich gegen die aus ihrer Sicht hohen Kita-Gebühren wehrt. Die gelernte Bankkauffrau und Medienwirtin tritt ebenfalls als parteilose Kandidatin an. Ihre Jobvorstellung: „In erster Linie ist der Bürgermeister die vermittelnde und leitende Kraft zwischen den Bürgern, der Politik und der Verwaltung.“

Seine Ziele: die Projekte Businesspark und Hafensanierung abzuschließen, den Wohnungsmarkt zu entlasten und die Infrastruktur der wachsenden Einwohnerzahl anzupassen. Außerdem: Integration von Flüchtlingen und der Erhalt der Identifikation vieler Wedeler mit ihrer Heimatstadt vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit.

Ihre Ziele: Stärkung der politischen Selbstbestimmung. Eine bürgernahe und transparente Verwaltung, dazu finanzielle Entlastung der Familien zur Stärkung der Wirtschaft. Ein flexibleres Betreuungssystem. Einrichtung eines Elternbeirates nach Vorbild des Jugend- und Seniorenbeirates. Ausbau von Radwegen und ÖPNV.

Im Schlagabtausch zwischen dem routinierten Amtsinhaber und der kämpferischen, aber leicht nervösen Quereinsteigerin vermittelte Moderator Jochen von Allwörden, Chef des Städtebundes. Er legte zu Beginn fest: keine Schläge unter die Gürtellinie. Daran hielten sich Kandidaten und Publikum. Wobei der Ton zwischenzeitlich schärfer wurde.

So sprach Wittburg von Klüngelwirtschaft in Wedel, mit der sie aufräumen möchte. Sie forderte mehr Transparenz ein. „Ich werde alle Bürger ernst nehmen und die sich in Wedel ausbreitende Klagekultur beenden.“ Zudem warf sie Schmidt Täuschung der Eltern vor. Dabei geht es um eine Kita-Beitragsordnung, die laut einem Gerichtsurteil nur den Anschein einer Satzung habe.

Das Publikum war gespalten

Schmidt hielt dagegen. Die Stadt habe nie behauptet, dass es sich um eine Satzung handele, niemand sei getäuscht worden. „Ich wäre in der Wortwahl zurückhaltender oder würde diese Vorwürfe wenigstens begründen“, kritisierte Schmidt Wittburg.

Das Publikum war gespalten. In den hinteren Reihen saßen viele aufgebrachte Eltern, die Fragen zum Thema Kita-Gebühren stellten. Die schweigende Mehrheit im vorderen Bereich des Saales war deutlich älter. Einige von ihnen fühlten sich nicht mitgenommen, verließen vorzeitig die Veranstaltung, weil ihnen seniorenrelevante Themen zu kurz kamen. Allerdings nutzten sie auch nicht die Chance, Fragen zu stellen. Außer Hans Erich.

Der 71-jährige Wedeler macht sich Gedanken über sein Lebensende. Er möchte, dass seine Asche im Garten verstreut wird – so wie es in Bremen möglich, in Schleswig-Holstein aber verboten ist. Schmidt versprach, sich schlau zu machen. Wittburg platzierte geschickt den Hinweis, dass Erich nicht so alt aussehe, sie sein Anliegen aber verstehen könne und unterstützen wolle. Auch Städtebund-Chef Allwörden versprach, das Thema mitzunehmen. Zumindest Erich ging an diesem Abend sehr zufrieden nach Hause.