Pinneberg
Barmstedt

Von Turnhallen-Partei zur politischen Kraft

Die Gründungsmitglieder der FWB: Alfred Dittmer (v.l.), Michael Schönfelder, Wilfried Quell, Theo Hannken, Uwe Nienstedt und Peter Gottschalk

Die Gründungsmitglieder der FWB: Alfred Dittmer (v.l.), Michael Schönfelder, Wilfried Quell, Theo Hannken, Uwe Nienstedt und Peter Gottschalk

Foto: Burkhard Fuchs

50 Jahre FWB: Seit 1990 stellt die Freie Wählergemeinschaft ununterbrochen den Bürgervorsteher in der alten Schusterstadt.

Barmstedt.  Jubiläumstreffen im Clubheim des Barmstedter MTV. Fast auf den Tag genau 50 Jahre nach ihrer Gründungsversammlung kamen jetzt vier der fünf Vorsitzenden und zwei der drei Fraktionschefs der Freien Wählergemeinschaft (FWB) zusammen. Ältester mit 87 Jahren, Alfred Dittmer, ist der letzte noch lebende jener 19 Bürger, die sich im Januar 1966 in der Gaststätte „Unverhofft“ trafen, um eine Wählergemeinschaft zu gründen, die bis heute die Kommunalpolitik in Barmstedt entscheidend mitgeprägt hat.

Ziel der Gründungsmitglieder war es, für die Handballer des BMTV, die seinerzeit in der höchsten Liga spielten und norddeutscher Vizemeister waren, eine größere Sporthalle zu bauen. Auf Anhieb gelang es der jungen Vereinigung 1966 mit sieben von 23 Sitzen als zweitstärkste Kraft nach der CDU und vor der SPD in die Stadtvertretung einzuziehen. Sie hielt ihr Versprechen: Im Oktober 1970 wurde die neue Sporthalle in der Schulstraße eröffnet, die bis zu 400 Zuschauern auf der Tribüne Platz bot. Auch die Investitionskosten blieben mit 960.000 Mark genau im Plan, erinnert sich Dittmer, selber Bauingenieur, an diese Anfänge.

Danach gab es Stimmen in der FWB, die dafür plädierten, sich wieder aufzulösen, weil das ursprüngliche Ziel erreicht war. Doch es setzten sich diejenigen durch, die weitermachen wollten. „Wir hatten so viel investiert und wollten uns ‘Für das Wohl Barmstedts’ weiter einsetzen“, erklärt der Vorsitzende von 1970 bis 1974, Theo Hannken, wie sie die drei Buchstaben im Namen der Wählergemeinschaft verstanden.

Streitthema: Bau des Flughafens Kaltenkirchen

Damals gab es in Barmstedt ein anderes großes Streitthema, den geplanten Bau des Großflughafens in Kaltenkirchen. Die Landesplanung verhinderte, dass sich die Stadt Barmstedt in Richtung Norden entwickeln konnte, weil die Neubaugebiete dann direkt in der Einflugschneise erschlossen worden wären. Also musste Barmstedt südlich der Straße Spitzerfurth in der Krückauniederung wachsen, was die Stadtväter eigentlich nicht wollten. Die FWB stand an der Spitze des Widerstands gegen den Großflughafen. Ihr Vorsitzender, Fraktionschef und spätere Bürgervorsteher Uwe Nienstedt leitete den Flughafenausschuss und vertrat als Anwalt die Interessengemeinschaft Holstenfeld, die 1300 Klagen gegen den Bau des Flughafens anstrengte. Der Einsatz wurde belohnt. 1980 hob das Oberverwaltungsgericht Schleswig den Planfeststellungsbeschluss für den Bau des Flughafens auf, der damit bis heute unvollendete Geschichte blieb.

Für die ehemalige Schusterstadt hatte die Auflage des Landes, sich nach Süden zu entwickeln, allerdings auch ihr Gutes, betont Michael Schönfelder, seit 1990 Fraktionschef der FWB. Die Sporthallen und Schulen konnten dort viel günstiger realisiert werden als in der Stadtmitte. Das 1996 politisch beschlossene Gymnasium kostete so vergleichsweise nur 20 Millionen Mark, weil der Grund und Boden mit 32,50 Mark je Quadratmeter nur ein Sechstel des Wertes in der City hatte.

1990 erreichte FWB das Amt des Bürgervorstehers

1990 gelang der Coup, als zweitstärkste Fraktion im Rat mit Nienstedt erstmals das Amt des Bürgervorstehers zu erreichen, was der FWB danach mit Wilfried Quell und Christian Kahns bis heute gelungen ist. Danach herrschte erstmal „Eiszeit“ im Rat, erinnert sich Schönfelder. Die verschwand, als sich alle Fraktionen einig waren, Bürgermeister Burkhard Repenning nach nur drei Jahren im Amt im Juni 1993 einstimmig abzusetzen.

Neben dem Ausbau der Schullandschaft setzte sich die FWB erfolgreich für den Erhalt der Rettungswache ein und initiierte die Innenstadtsanierung. Auch außerhalb der Politik setzte die FWB Akzente. Sie lud zum Boßeln ein, zeigte auf Filmabenden alte in Barmstedt gedrehte Tatort-Folgen und organisierte 2004 zur Fußball-EM das erste Public-Viewing. Nur einen Bürgermeisterkandidaten konnte die FWB bislang nicht ins Amt hieven. Jörg Dittmer, Sohn des Gründungsmitglieds Alfred, scheiterte 2013 gegen Heike Döpke. Davor hatten sie mit Nils Hammermann 20 Jahre einen Verwaltungschef, mit dem sie viel bewegen konnten, auch weil sie in den Dienstagsrunden mit dessen Stellvertretern und dem Bürgervorsteher in kleiner Runde vorab das Wichtigste besprechen konnten.

Am 28. Februar feiert die FWB von 10.30 Uhr an mit geladenen Gästen ihr 50-jähriges Bestehen in der Aula der Grund- und Gemeinschaftsschule.