Pinneberg
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Durchwachsenes Zeugnis für Bürgermeisterin Steinberg

Urte Steinberg in ihrem Büro im Pinneberger Rathaus. Die 57-Jährige peilt eine zwei Amtszeit an

Urte Steinberg in ihrem Büro im Pinneberger Rathaus. Die 57-Jährige peilt eine zwei Amtszeit an

Foto: Andreas Daebeler / HA

Vor genau drei Jahren wurde Urte Steinberg als Rathauschefin in der Kreisstadt vereidigt. Die Politiker ziehen jetzt Bilanz.

Pinneberg.  Heute vor genau drei Jahren: Pinnebergs parteilose Bürgermeisterin Urte Steinberg wird vereidigt. Ein Start, der Hoffnungen birgt. Nicht alle haben sich erfüllt. Im Gespräch mit dem Abendblatt ziehen Fraktionschefs der Pinneberger Parteien eine Halbzeitbilanz. Die fällt durchwachsen aus. Steinberg selbst ist „stolz auf das Erreichte“. Pinneberg sei eine Stadt im Wandel. Die 57-Jährige kündigt bereits jetzt an, in drei Jahren für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Kritikern entgegnet sie: „Nörgeln ist einfach, ich kann noch in den Spiegel sehen. Die sollen sich mal auf meinen Platz setzen.“

CDU-Fraktionschef Andreas Meyer nörgelt wenig. Er kann der Amtsführung Steinbergs Positives abgewinnen, nennt den Bau Westumgehung, Planungen für einen neuen Bahnhof sowie die Entwicklung der Eggerstedt-Kaserne als „Zeichen, dass sich hier viel tut“. Die 57-Jährige müsse allerdings lernen, die für Fehler verantwortlichen Fachbereiche klar zu benennen. Stand jetzt würde die CDU eine erneute Kandidatur Steinbergs unterstützen: „Aber das kann kein Blankoscheck sein“, so Meyer. Als Note vergibt er eine knappe 2. Das Engagement Steinbergs sei gar eine 2+ wert, doch bei der Umsetzung politischer Beschlüsse hapere es.

Angela Traboldt, Fraktionschefin der SPD, lässt kritische Töne vernehmen: „Das vergangene Jahr war von einigen Problemen geprägt, dazu gehören speziell der Umgang mit dem Haushalt und die Umsetzung der Schulbausanierung. Die Bürgermeisterin ist verantwortlich.“ Demzufolge halte sich die Zufriedenheit in der SPD in Grenzen. Bei der Haushaltskonsolidierung müsse Steinberg einen klareren Kurs erkennen lassen. Defizite bei der Schulsanierung zögen die Note nach unten. „Es kann nur besser werden“, so Traboldt, die der Verwaltungschefin immerhin noch „eine klassische 3“ gibt.

Und was sagt Joachim Dreher zum Job der Bürgermeisterin? „Ich bin zufrieden mit der Einarbeitung und dem vielen Detailwissen, das sich die Bürgermeisterin in den letzten Jahren angeeignet hat“, so der GAL-Fraktionsvorsitzende. Er erwarte jedoch eine konsequentere Umsetzung der Schulsanierung. Allgemeinplätze wie „wir sind auf einem guten Weg“ müsse die Rathauschefin durch konkrete Aussagen ersetzen. Sofern Steinberg weiter „pure Verschuldungspolitik“ betreibe und „die Pflichtaufgaben in den Bereichen Schule, Kultur und Soziales sträflich vernachlässige“, könne sie nicht auf Unterstützung seiner Fraktion im nächsten Wahlkampf hoffen. Drehers Gesamtnote für Steinberg lautet dennoch 3+.

Für Werner Mende, der die Ratsfraktion der FDP führt, fällt Urte Steinbergs Zwischenbilanz noch knapp befriedigend aus. Die Bürgermeisterin sei zweifellos sehr kommunikativ, habe es jedoch bislang nicht geschafft, die Stadtverwaltung komplett in den Griff zu bekommen. Sie müsse „Hemmungen abbauen und Führungskräfte auch mal auf den Pott setzen“, sagt der Liberale. „Zudem hat sie den städtischen Haushalt nicht genug im Blick.“ Ursachen für offenkundige Probleme verordnet Mende auf der Ebene der Fachbereichsleiter. „Die Chefin muss auch über Sanktionen nachdenken.“ Ob er sich vorstellen kann, Urte Steinberg bei einer erneuten Kandidatur aktiv zu unterstützen? „Das hängt von alternativen Bewerbern ab, da lege ich mich nicht fest“, so Mende. „Sie ist auf jeden Fall besser als ihre Amtsvorgänger Nitt und Alheit.“

Uwe Lange, Fraktionschef der Bürgernahen, findet deutliche Worte. Steinberg habe es bislang „nicht im Ansatz“ geschafft, die Erwartungen zu erfüllen. „Die Finanzen der Stadt sind nicht geordnet, wir haben riesige Probleme an den Schulen.“ Für Lange kommt die Rathauschefin im Zeugnis nicht über eine knappe 4 hinaus. „Und zwar nur unter Berücksichtigung ihres Bemühens, ihrer sympathischen Art und weil die Hoffnung zuletzt stirbt“, so Lange. Er schließt schon jetzt aus, Steinberg bei einer erneuten Kandidatur zu unterstützen: „Pinneberg braucht eine Verwaltungsfachkraft.“

Drei Jahre auf der Brücke des schwere See durchquerenden Rathausdampfers – Steuerfrau Steinberg selbst hat noch Spaß: „Wir können gemeinsam viel gestalten, wenn wir an einem Strang ziehen“, sagt sie. Kritik lasse sie kalt, wenn sie ungerechtfertigt sei. Werde ihr ein Fehler nachgewiesen, gehe sie hingegen in sich. In den ersten drei Jahren habe sie „irrsinnig viel gelernt“, so Pinnebergs Bürgermeisterin.