Pinneberg
Großfeuer in Quickborn

Beherzter Nachbar rettet Bewohnern das Leben

Das Zweifamilienhaus an der Feldstraße am Tag nach dem Feuer

Das Zweifamilienhaus an der Feldstraße am Tag nach dem Feuer

Foto: Burkhard Fuchs

Die Polizei geht von einem Sachschaden von 250.000 Euro aus. Das Haus ist unbewohnbar. Betroffene sind bei Verwandten untergekommen.

Quickborn.  Die rußgeschwärzte Brandruine ist mit Absperrbaken gesichert, vom Feuer zerstörte Habseligkeiten stapeln sich vor dem Gebäude: Nach dem Großfeuer vom Mittwoch bietet sich an der Quickborner Feldstraße ein Bild des Schreckens. Die Polizei schätzt den Schaden in dem von vier Personen bewohnten Gebäude auf mindestens 250.000 Euro. Sie hat die Brandstelle weiterhin beschlagnahmt.

Spätestens jetzt wird auch klar, welches Glück die Hausbewohner hatten, die zu einer Familie gehören. Beim Brandausbruch befanden sich demnach drei der Bewohnerinnen im Haus. Eine konnte selbst ins Freie flüchten, die anderen wurden nur dank aufmerksamer Nachbarn gerettet.

„Ich habe den Knall gehört und bin sofort rausgelaufen“, erzählt Nachbarin Heike Wulf. Als sie das Feuer bemerkte, sei sie sofort zu ihrem Schwiegersohn Florian Anders gelaufen, der ebenfalls nebenan wohnt. „Er hat sich eine Atemschutzmaske übergestreift und ist ins Haus gelaufen.“

Eine ältere Frau habe sich mit ihrem Gehwagen im Flur befunden. „Er hat sie rausgebracht und ist hinten herum wieder ins Haus gelaufen“, so die Nachbarin weiter. Dort sei ihr Schwiegersohn in der Küche auf eine 79-jährige Bewohnerin gestoßen, die er ebenfalls ins Freie geleitet und dem inzwischen eingetroffenen Rettungsdienst übergeben habe.

Die Frau kam mit einer leichten Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus, wo sie auch am Donnerstag noch behandelt wurde. Die drei anderen Hausbewohnerinnen, die 70, 45 und 17 Jahre alt sein sollen, kamen bei Verwandten unter. Einige ihrer Haustiere, darunter eine Katze sowie mehrere Papageien, konnten Feuerwehrleute retten. Ein Hund kam durch das Feuer um.

Nachbar Stefan Kabel erfuhr von dem verheerenden Feuer in seiner Nachbarschaft von seinem Sohn Torben. Der rief ihn Mittwochmittag aufgeregt bei der Arbeit an und sagte: „Wir haben keinen Strom, Papa. Hast du etwa die Rechnung nicht bezahlt?“

Doch daran lag es nicht, dass in der Feldstraße kein elektrisches Gerät lief, beruhigte Kabel seinen Filius. Auch alle Sicherungen funktionierten einwandfrei, wie dieser feststellte. Doch wenig später bekam Kabel die Auflösung aufs Handy gespielt, berichtet er. Sein Sohn hatte die dichten Rauchwolken und das Feuer entdeckt.

„Er schickte mir dann sofort ein Video aufs Smartphone“, berichtet Kabel. Für die betroffene Familie sei dies ein tragisches Ereignis, fühlt der Nachbar mit. „Das sind so nette und liebe Leute. Tut mir leid für sie. Die alte Frau ist immer so hilfsbereit.“

Laut ersten Erkenntnissen der Polizei ist das Feuer im Erdgeschoss des Gebäudes in einer Küche ausgebrochen. Eine Explosion, von der mehrere Nachbarn sprachen, wollen die Ermittler nicht bestätigen. „Die Ermittlungen zur Brandursache stehen am Anfang“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Zeitnah werde die Kripo die Ruine mit einem Sachverständigen untersuchen.

Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte um 11.24 Uhr. Erst kurz vor 20 Uhr rückten die Kräfte mit Ausnahme einer Brandwache ab.