Pinneberg
Bildung

Rellingen beantragt die gymnasiale Oberstufe

Silke Mannstaedt mit den Antragsunterlagen für die gymnasiale Oberstufe

Silke Mannstaedt mit den Antragsunterlagen für die gymnasiale Oberstufe

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Die Gemeinde will Abiturprüfungen an der Caspar-Voght-Gemeinschaftsschule ermöglichen. Das Ministerium entscheidet im Januar.

Rellingen.  Vier Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe gibt es im Kreis Pinneberg bereits. 2016 könnte eine fünfte hinzukommen – die Caspar-Voght-Gemeinschaftsschule im Rellinger Ortsteil Egenbüttel. Den Antrag auf Erweiterung des Bildungsangebots ab dem Schuljahr 2016/2017 hat die Gemeinde Ende 2015 gestellt – und die 12,5 Millionen Euro teuren Umbaupläne für die Schule liegen bereits in der Schublade.

Aktuell bieten die Erich Kästner Gemeinschaftsschule in Elmshorn, die Klaus-Groth-Schule in Tornesch, die Gebrüder-Humboldt-Schule in Wedel und die Johann-Comenius-Schule (JCS) in Pinneberg-Thesdorf eine gymnasiale Oberstufe an, sodass dort Schüler nach neun Jahren die Abiturprüfung ablegen können. Das sogenannte G9-Modell erfreut sich seit Jahren steigender Beliebtheit, weil das G8-System, das von den meisten Gymnasien im Kreis angeboten wird, von vielen Eltern als zu stressig für ihre Kinder angesehen wird.

„Immer mehr Eltern äußern den Wunsch, ihr Kind auf eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe zu schicken. Wir sehen uns als Oberstufe für die Region“, sagt Rellingens zuständige Fachbereichsleiterin Silke Mannstaedt. Die Antragsunterlagen, die ihre Abteilung ans Kieler Kultusministerium geschickt hat, wogen 500 Gramm. Eine Menge Papier also, mit der Rellingen seinen Wunsch nach einem zusätzlichen Bildungsangebot untermauert.

„Wir haben umfangreiche Berechnungen angestellt und Zahlen vorgelegt, die den Bedarf aufzeigen. Wir sind von unseren Zahlen überzeugt“, sagt Mannstaedt. Laut diesen Zahlenspielen würden mehr als 50 auswärtige Schüler die Caspar-Voght-Schule besuchen, wenn sie über eine Oberstufe verfügen würde. Die Gemeinde rechnet mit 24 Gastschülern aus Pinneberg, 15 aus Borstel-Hohenraden, neun aus Tangstedt, fünf aus Kummerfeld und vier aus Ellerbek. Hinzu kämen pro Jahrgang 20 Absolventen der Caspar-Voght-Schule, sodass die Mindestzahl von 50 Schüler pro Jahrgang überschritten werden könnte. „Wir sehen ein Potenzial von 70 Schülern pro Jahrgang“, ist Mannstaedt überzeugt.

150 Schüler in Klassenstufe 5 gelten als Mindestzahl für eine Schule mit einer funktionierenden Oberstufe. Davon ist die Caspar-Voght-Schule noch ein Stück weit entfernt. Allerdings steigt die Zahl der Fünftklässler dort seit Jahren an. Im aktuellen Schuljahr nahm die Einrichtung 93 Fünftklässler auf, ein Jahr zuvor waren es noch 72. Schulleiter Jochen Kähler prophezeit für den Fall, dass eine Oberstufe dazukommen würde, einen weiteren deutlichen Sprung nach oben. Er spricht von einem tollen Signal für die Eltern, schließlich könnten in diesem Fall die Schüler von der Einschulung bis zum Abitur an der Schule bleiben.

Aktuell verfügt die Grund- und Gemeinschaftsschule über 583 Schüler, von denen 468 die Klassen 5 bis 10 besuchen. Was danach mit den Rellinger Schülern passiert, hat die Verwaltung ebenfalls untersucht. Am Wolfgang-Borchert-Gymnasium in Halstenbek pauken 153 Rellinger für das Abitur, am Pinneberger Brahms-Gymnasium sogar 163. Die Johann-Comenius-Schule (JCS) in Pinneberg als Gemeinschaftsschule mit Oberstufe besuchen 28 Rellinger Kinder, das Heuss-Gymnasium vier. An der Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek in Halstenbek, die keine Oberstufe anbietet, sind 64 Rellinger als Gastschüler gemeldet. Auf die Gemeinschaftsschule Rugenbergen in Bönningstedt, die ebenfalls keine Abiturmöglichkeit bietet, gehen fünf Rellinger Kinder. Mannstaedt glaubt, dass sich viele Eltern anders entschieden und ihre Kinder nach Egenbüttel geschickt hätten, wenn es dort eine Oberstufe geben würde.

Wenn künftig weniger Rellinger Kinder Schulen an den Nachbarkommunen besuchen, spart die Gemeinde Gastschulbeiträge in erheblicher Höhe. Weil dann umgekehrt zusätzliche auswärtige Schüler an der Caspar-Voght-Schule büffeln, erwartet die Gemeinde Einnahmen aus Gastschulbeiträgen in Höhe von 300.000 Euro. Ob diese Argumente das Kultusministerium überzeugen? Eine Entscheidung wird noch für den Januar erwartet.