Pinneberg
Kreis Pinneberg

Vor 40 Jahren brach der Deich bei Hetlingen

Umfangreiche Vorbereitungen auf einen erneuten Ernstfall. 118 Experten im Katastrophenstab. Regelmäßige Übungen zur Deichverteidigung.

Kreis Pinneberg. Es ist der Nachmittag des 3. Januar 1976, als der Deich in Hetlingen nahe dem Geesthang zu Holm bricht. Wenig später kommt aus der Haseldorfer Marsch die Meldung „Land unter“. Die Fluten der Elbe haben die jetzige zweite Deichlinie zermürbt – der hohe Landesschutzdeich an der Elbe, der heute das Hinterland schützt, befindet sich damals noch im Bau. Doch anders als bei der Katastrophe 1962 in Hamburg sind keine Menschenleben zu beklagen.

Die Erkenntnisse aus der damaligen wie aus späteren Sturmfluten flossen in den folgenden Jahren in die Arbeit der Katastrophenschützer ein. „Wir sind gut vorbereitet“, sagt heute Oliver Carstens, Pressesprecher des Kreises Pinneberg, „und hoffen doch, dass wir hier nie arbeiten müssen.“ Zusammen mit Kai Büche vom Team Katastrophenschutz der Kreisverwaltung steht er im Lageraum. Nicht nur im Deichverteidigungsfall, sondern auch bei Tierseuchen oder einen Kernunfall würde von dem Katastrophenzentrum über der Elmshorner Rettungsleitstelle aus die Hilfe koordiniert.

2007 sind mit einer Risikogefahrenanalyse neue Strukturen eingezogen worden. Damals wurden Sonderpläne für den Ernstfall erstellt. „Es lässt sich jedoch nicht jedes Szenario durchspielen“, erklärt Büche. Deswegen sei es wichtig, die Mitarbeiter des Krisenstabes durch Aus- und Fortbildung in die Lage zu versetzen, in der Stresssituation optimal zu denken und zu handeln. Dazu gehören alljährliche dreitägige Übungen an der Feuerwehrzentrale Harrislee.

118 Menschen sind für die Arbeit im Stab nominiert worden. Die Gruppe ist so groß, weil ein Katastrophenfall Tage und Wochen dauern kann und dann im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet werden müsste. Die meisten kommen aus der Kreisverwaltung. Ferner entsenden Organisationen wie Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Technisches Hilfswerk gut 30 Vertreter.

Der Katastrophenstab würde nicht von Landrat Oliver Stolz geleitet werden, sondern von Spitzenbeamten aus seiner Behörde. „Unsere Philosophie ist es, dass der Landrat draußen bei den Menschen sein sollte“, erklärt Büche. Stolz würde natürlich regelmäßig aus dem Lagezentrum informiert. In anderen Kreisen Schleswig-Holsteins steht der Landrat dem Stab vor und ist damit der letzte Entscheider, so Büche.

Die Arbeit im Katastrophenstab basiert auf einer Software, die der Kreis mitentwickelt hat. Per Rechner ist jederzeit einsehbar, wie viele Helfer wo vor Ort aktiv sind. Die Software signalisiert dem Stab sogar, wenn Helfer acht Stunden im Einsatz sind und durch andere ersetzt werden müssen. Bei einem Totalausfall der Technik würden genügend Formulare zur Verfügung stehen, um Anweisungen weiterzugeben. Geübt wird nicht nur in der Zentrale, sondern auch der Einsatz der Helfer vor Ort. So würden bei einem Deichbruch die Turnhallen in Heist, Holm, Heidgraben und Moorrege als Sammelunterkünfte genutzt werden. Um zu sehen, wie die Arbeit funktioniert, wurde in Heidgraben bereits einmal die Sporthalle mit Feldbetten eingerichtet.

Zeichnet sich ein Katastrophenfall ab, tritt erst einmal eine fünfköpfige Ansprechgruppe zusammen. Die Pegelstände in Cuxhaven sind für sie ein wichtiger Indikator, ob Alarm gegeben werden muss oder nicht. 2013 beim Sturmtief „Xaver“ entschied die Gruppe, dass ein K-Fall nicht ausgelöst werden muss. Der höchste Pegelstand lag gut zwei Meter unterhalb der Deichkrone. Deichläufer waren unterwegs gewesen und hatten Entwarnung gegeben.