Pinneberg
Feuerwehr

Pinneberger Lebensretter werden ausgebremst

Für Alexander Supthut (v.l.), Kai Halle und Pinnebergs Wehrführer Claus Köster werden Tempo-30-Zonen zum Problem

Für Alexander Supthut (v.l.), Kai Halle und Pinnebergs Wehrführer Claus Köster werden Tempo-30-Zonen zum Problem

Foto: Andreas Daebeler / HA

Tempo-30-Zonen stellen die Feuerwehr vor große Probleme und könnten in Pinneberg sogar eine neue Wache erforderlich machen.

Kreis Pinneberg.  Flammen schlagen aus einem Hochhaus. Menschen fürchten um ihr Leben, hoffen in Panik auf das Eintreffen der Feuerwehr. Doch die Retter lassen auf sich warten – die Einsatzkräfte stehen im Stau. Ein Szenario, das sich niemand wünschen kann. Und doch eines, das zur bitteren Realität werden könnte. Freiwillige Feuerwehren im Kreis Pinneberg schlagen Alarm, weil ihre ehrenamtlichen Mitglieder es wegen der zunehmenden Ausweisung von Tempo-30-Zonen und Parksündern in den Innenstädten immer schwerer haben, in die Wache und an den Einsatzort zu gelangen. In Pinneberg könnte sogar der Neubau einer Wache notwendig werden, um die Frist zum Erreichen von Unglücksstellen einzuhalten.

Kreiswehrführer Frank Homrich hat klare Erwartungen an die Volksvertreter: „Die Politik muss entscheiden, ob sie für Tempo-30-Zonen in Kauf nimmt, dass in neue Gerätehäuser investiert werden muss.“ Schließlich gehe es darum, eine gesetzliche Vorschrift einzuhalten. Spielräume gebe es also nicht. „Die Verkehrssituation wird für uns fraglos immer problematischer, viele Menschen vergessen, dass Mitglieder der freiwilligen Wehren von Zuhause, dem Arbeitsplatz oder dem Einkaufen in die Wache gerufen werden“, so Homrich. Auf dem Anfahrtsweg helfe den Kameraden kein Martinshorn.

Halstenbeks stellvertretender Wehrführer Kai Semmelhack ist in der Zwickmühle, wenn es darum geht, seinen Kräften die Empfehlung auszusprechen, Tempo 30 auf der Anfahrt zur Wache zu ignorieren. Zwar drohe den rasenden Rettern in der Notlage nicht sofort ein Knöllchen von der Polizei. „Aber wenn etwas passiert, sieht das gleich ganz anders aus. Kommt es zu einem Unfall, stehen wir mit einem Bein im Gefängnis.“ Derzeit sei die Halstenbeker Wehr noch in der Lage, die gesetzlich vorgeschriebene Frist von zehn Minuten vom Eingang eines Anrufes bei der Leitstelle bis zum Eintreffen am Einsatzort zu gewährleisten. „Aber das schaffen wir nur, weil wir das Glück haben, dass viele Kameraden in der Nähe unserer Feuerwache an der Gärtnerstraße wohnen oder arbeiten“, so Semmelhack. Müsse ein weit entfernter Einsatzort an der Grenze zu Schenefeld angesteuert werden, könne es eng werden.

Kreiswehrführer Homrich liegt noein weiteres Problem am Herzen: Parkrüpel werden zunehmend zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Halteverbote und schraffierte Flächen, etwa Feuerwehrzufahrten, würden immer öfter ignoriert. „Wir können nur an die Vernunft der Autofahrer appellieren“, so Homrich. Er habe schon dramatische Situationen erlebt. So hätten Einsatzkräfte mit vereinten Kräften ein geparktes Fahrzeug aus dem Weg ruckeln müssen. „Das kostet wichtige Minuten, die von der Einsatzzeit abgehen.“ Minuten, die im schlimmsten Fall Menschenleben kosten könnten.

Halstenbeks stellvertretender Wehrführer weiß genau, wovon Kollege Homrich spricht. Und er sieht nicht zuletzt den Gesetzgeber in der Pflicht: „Die Landesbauordnung müsste geändert werden“, so Semmelhack. Wohnungsbauern müsse verstärkt vorgeschrieben werden, Parkplätze zu schaffen. „Ein Problem ist allerdings, dass Investoren sich bislang von besagten Vorschriften freikaufen können“, gibt Homrich zu bedenken.

Claus Köster, der die Pinneberger Feuerwehr leitet, sieht nur zwei Möglichkeiten, gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfristen auf Sicht einzuhalten: „Entweder müssen Standorte verlagert werden oder wir müssen eine hauptamtliche Wachbereitschaft einführen.“ Für eine handlungsfähige Bereitschaft müssten 15 Einsatzkräfte in drei Schichten bereitstehen, was mit immensen Personalkosten verbunden wäre.

Köster macht kein Geheimnis daraus, dass er einen Ersatzbau für die ohnehin in die Jahre gekommene Hauptwache an der Friedrich-Ebert-Straße vorziehen würde. „Das muss ja kein Luxusbau sein“, so der Wehrführer, der auf einen für das kommende Jahr für die Stadt Pinneberg angekündigten Feuerwehrbedarfsplan als Argumentationshilfe setzt. Standort einer neuen Wache könnte ein Grundstück am Rande der Westumgehung sein, die bis 2018 fertiggestellt werden soll.

Marc Trampe ist in Pinnebergs Stadtverwaltung für Feuerwehrbelange zuständig. Richtig sei, dass es einen Vorstoß der Innenminister gebe, verstärkt auf Tempo 30 setzten. Zu einem Neubau der Wache äußert Trampe sich zurückhaltend: „Erstmal müssen wir erörtern, wie sich neue Tempo-30-Zonen auf die Hilfsfristen auswirken.“