Wirtschaft

Ein Schenefelder baut Trommeln für leise Töne

| Lesedauer: 5 Minuten
Fabian Schindler
Der Schenefelder Trommelbauer Stefan Korth zählt zu den besten in Deutschland. Weil sein Geschäft immer besser läuft und der Platz knapp wird, sucht er neue Geschäftsräume

Der Schenefelder Trommelbauer Stefan Korth zählt zu den besten in Deutschland. Weil sein Geschäft immer besser läuft und der Platz knapp wird, sucht er neue Geschäftsräume

Foto: Fabian Schindler

Stefan Korthwird für seine Adoro-Schlagzeuge gefeiert. Wegen des Erfolges braucht der Schenefelder Trommelbauer eine neue Werkstatt.

Schenefeld.  Instrumenten-bauer haben es nicht leicht, insbesondere, wenn sie Schlagzeuge bauen. Deutschland gilt für Schlagzeughersteller als schwieriger Markt. Gerade Hobbymusiker sind oft nicht gewillt, mehrere Tausend Euro in hochwertiges Schlagzeug zu investieren. Die Branche kämpfte jahrelang gegen sinkende Umsatzzahlen.

Nicht so der Schenefelder Schlagzeugbauer Stefan Korth. Seine kleine, aber feine Schlagzeugmanufaktur Adoro Custom Drums steigert seit Jahren ihren Umsatz – und das, obwohl die Preise für Schlagzeuge „Made in Schenefeld“ bei mehr als 1800 Euro anfangen. In Kürze will Korth in den USA, dem Mutterland des Schlagzeugs und wichtigsten Markt, seine Instrumente anbieten. „Dort gibt es so etwas wie meine Sets noch nicht“, sagt er. Wegen des anhaltenden Erfolges braucht der Schenefelder neue Firmenräume, denn seine jetzige Werkstatt platzt aus allen Nähten.

Wer bei Adoro Custom Drums vorbeischaut, der muss sich erst mal einen Weg bahnen. Schlagzeugkessel und Schlagfelle türmen sich, fertige Drumsets warten auf ihre Auslieferung. Stefan Korth entschuldigt sich immer für die übervollen Firmenräume. Gerade sei eine neue Ladung Rohmaterial angeliefert worden, sagt er. Hunderte von Schlagfellen, Dutzende von Rohkesseln, Schrauben, Spannreifen, Böckchen und Füßchen. „Die Kunden warten schon“, sagt er. Seine Dienste sind begehrt, denn Korth baut nicht irgendwelche Schlagzeuge, sondern ganz besondere: Er hat sich auf den Bau von Jazzschlagzeugen und besonders leisen Schlagzeugen spezialisiert, die etwa in Kirchen eingesetzt werden können.

Geheimniss sind dünne Buchenkessel

Die Idee, leise Schlagzeuge zu bauen, hat sich allmählich entwickelt. Von früh an hat der Schenefelder getrommelt, was das Zeug hielt. Sein erstes Schlagzeug bekam er als Teenager. „Eine komische Mischung aus NewSound und Sonor. Das klang ganz, ganz schlimm“, erinnert er sich. Damals war ihm das egal. Er hatte ein Schlagzeug. Und in der Schule spielte er munter mit. Doch sein Getrommel, so stellte sich heraus, war zu laut, um Blockflöten zu begleiten. Und in der Kirche ärgerte er sich Jahre später darüber, dass die Schlagzeuge stets die Kirchenmusik übertönen.

„Ich habe mir gedacht, es muss doch möglich sein, ein leises Drumset zu bauen“, sagt Korth. Gesagt, getan. Das Geheimnis sind besonders dünne Buchen- und Walnusskessel. Sie sind viel dünner als die der Großen der Branche, etwa Gretsch, Ludwig, Tama, Sonor, Pearl und Yamaha. Aus einem ersten Versuch wurde eine ganze Schlagzeugserie, die „Worship“-Serie, spezialisiert auf kleine Bühnen, Kirchen- und Theatereinsatz. Mit seiner zweiten, universelleren Instrumentenserie „City-Lights“ wurde Adoro 2013 zum Schlagzeughersteller des Jahres gewählt. Darauf ist Korth stolz. Dass er einmal als Trommelbauer erfolgreich sein würde, hatte er nie erwartet.

„Ich bin wie die Jungfrau zum Kind gekommen. Ich wollte gar nicht Schlagzeugbauer werden“, erzählt er. Denn eigentlich war er Webdesigner. Über Hobbybasteleien mit seinem Vater, der Modelltischler war, kam er in Kontakt mit dem Instrumentenbau und perfektionierte ihn über die Jahrzehnte. „Seitdem bin ich davon nicht mehr losgekommen.“

Versand für Schlagzeugkomponenten

Als Korth entnervt seinen Job als Webdesigner schmiss, gründete er einen Versand für Schlagzeugkomponenten. Die Wirtschaftskrise kam ihm 2008 in die Quere. Kredite, um Lieferungen zu bezahlen, wurden eingefroren. Die Folge war die Insolvenz. Korth hat von vorn angefangen, diesmal als Instrumentenbauer, und 2008 Adoro Custom Drums gegründet.

„Es war eigentlich eine total blöde Idee. Der Markt war im freien Fall. Der Schlagzeugbau ist eine tote Kunst. Entweder bist du ein Liebhaber oder ein Idiot, wenn du eine Schlagzeugmarke gründest, noch dazu in der schwersten Krisenzeit“, sagt er. Bei ihm sei es die Liebhaberei gewesen, die ihn dann doch zur Firmengründung bewog. Schlagzeuge konnte er halt bauen. Seine Hingabe und sein Perfektionismus haben ihn vor einer weiteren Pleite gerettet. Im Gegenteil: Die Fachpresse feiert den Schenefelder für seine In-strumentenbaukunst. Nun erntet er die Früchte seiner Arbeit an professionellen Instrumenten, die allerhöchsten Klangansprüchen genügen.

Seine Arbeit schätzen auch viele Musiker, die beim Pinneberger Summerjazz aufgetreten sind. Dort stellt Korth seit fünf Jahren seine Edel-Schlagzeuge zur Verfügung. „Ich finde es immer wieder schön, wenn die Musiker später zu mir kommen und sagen: Du, das Schlagzeug, das klingt ja fantastisch.“ Das sei ein gern gehörtes Lob und eine Entschädigung für die Plackerei beim Instrumentenbau.

Nun ist das Augenmerk auf eine erste kleine Expansion ausgerichtet. „Ich will daher am liebsten mit einem anderen Instrumentenbauer zusammen eine neue größere Werkstatt aufmachen“, sagt Korth. Am besten in Hamburg, wegen der Familie. Gespräche mit einem türkischen Saiteninstrumentenbauer und einer Instrumente bauenden Musiktherapeutin führt er gerade. „Dann könnten die Werkzeuge und Maschinen gemeinsam und effektiver genutzt werden“, sagt Korth. Investitions- und Mietkosten würden pro Kopf sinken.

Einen Umzugstermin gibt es schon. „Der war letztes Jahr“, sagt Korth und lacht. Ja, er wollte schon längst in Hamburg sein, aber ohne den passenden Partner und den passenden Raum müsse er halt warten. Die Trommeltürme in Schenefeld, sie bleiben somit noch ein paar Monate da.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg