Pinneberg
Stilllegung

Im Wedeler Wasserwerk gehen die Lichter aus

Georg Körner leitete das Wasserwerk für die Firme Möller jahrzehntelang. Mit dem Ende geht er in den Ruhestand

Georg Körner leitete das Wasserwerk für die Firme Möller jahrzehntelang. Mit dem Ende geht er in den Ruhestand

Foto: Katy Krause / HA

Das Unternehmen Möller versorgte Wedeler Haushalte 104 Jahre lang mit Trinkwasser. Doch zum Jahreswechsel ist jetzt Schluss.

Wedel.  Ein wenig traurig ist Georg Körner schon. Für ihn endet mit der Stilllegung des Wedeler Wasserwerks nicht nur sein beruflicher Werdegang, sondern eine ganze Ära. Immerhin fördert das Unternehmen Möller seit mehr als 100 Jahren Wasser aus dem Wedeler Untergrund und versorgte zahlreiche Haushalte der Stadt mit dem gefilterten Trinkwasser. Damit ist nun Schluss.

Zum Jahreswechsel endet der Abnahmevertrag mit den Wedeler Stadtwerken. Hamburg Wasser, das bereits Großteile von Wedel versorgt, liefert dann das benötigte Trinkwasser auch für die betroffenen 7000 Verbraucher, die Möller bislang noch für die Stadtwerke belieferte. Der genaue Tag, an dem Werksleiter Körner die Türen zum letzten Mal schließt, steht nicht fest. Unklar ist auch noch, was mit den Gebäuden auf dem Firmengelände in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus passiert. Laut Körner gibt es zumindest für die Aktivkohlekessel einen Kaufinteressenten.

„Dass das Wasserwerk geschlossen wird, ist schon traurig. Besonders für die zwei Mitarbeiter, die gehen müssen, tut es mir leid“, sagt Körner. Fünf Mitarbeiter beschäftigte das Unternehmen Möller im Nischengeschäft mit dem Trinkwasser. Körner, 71 Jahre alt, und einer seiner Kollegen gehen in den Ruhestand. Ein Mitarbeiter wechselt in ein anderes Tochterunternehmen. Doch für zwei Angestellte gibt es keine Arbeit mehr. Sie müssen gehen.

Neu sind die Pläne von Möller, das Geschäft mit dem Wasser aufzugeben, nicht. Bereits 2010 stand das Wasserwerk vor dem Aus, weil teure Sanierungen anstanden. Das Unternehmen verdient das Geld mit der Entwicklung und Herstellung optischer Geräte unter anderem für die Mikrochirurgie. Die Wassergewinnung und Versorgung Wedeler Haushalte ist ein historisches Überbleibsel. Da für die Bearbeitung von Glas-Optiken viel Wasser gebraucht wird, entschied sich Firmeneigentümer Hugo Möller 1911, einen Brunnen auf dem Firmengelände zu bohren. Zufällig gelang, was später in Wedel den Stadtwerken und anderen nicht wieder gelang: Man traf eine Wasserader, die Pinneberger Rinne. Seitdem wurden in den vergangenen Jahrzehnten geschätzte 75 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert.

2010 entschied man sich, noch einmal zu sanieren. Dafür stand das Wasserwerk sieben Monate lang still. Hundertausende Euro und einige Jahre später hat das alte Wasserwerk doch ausgedient. Das Problem: Die Brunnen fördern immer weniger Wasser, sie müssen saniert werden. Das ist laut Körner nicht möglich, weil sie teilweise unterhalb des neuen Rathauses liegen.

Bis Ende des Jahres wird das Wasserwerk etwa 1200 Kubikmeter Trinkwasser am Tag an Wedeler Haushalte im Bereich Rathaus bis zur Straße Voßhagen, Feldstraße, hinunter bis zur Elbe Schulauer Straße/Parnaßstraße liefern. Die Hamburger Übernahme werden die Wedeler spüren, ist sich Körner sicher: „Das Wedeler Wasser ist härter.“ Während Hamburg Wasser einen Härtegrad von zwei ausweise, erreiche das Wedeler Trinkwasser einen von drei. „Für Menschen ist das gut, für Maschinen nicht so“, erklärt Körner. Weil härteres Wasser zu mehr Kalkablagerungen führt.

Sichtbar wird der Unterschied für die Wedeler an der Wasserabrechnung. Aufgrund der Kooperation mit Hamburg Wasser konnten die Stadtwerke Wedel den Preis senken – von 2,41 Euro auf 2,12 Euro pro Kubikmeter.

Besichtigung: Wer das Wasserwerk und den Turm noch einmal von innen sehen möchte, dem bietet sich dafür zum letzten Mal am 5. Dezember Gelegenheit. Die ehrenamtlichen Helfer vom Industriemuseum Möller-Technicon ermöglichen an diesem Sonnabend Besuchern eine Besichtigung von 14 Uhr an. Treffpunkt ist am Rosengarten 10.