Pinneberg
PZ-Regional

Jetzt geht es um die Wurst

Wenn ein Weihnachtsmarkt eröffnet, ist das ein Moment, auf den sich der Magen freut. Denn dann gibt’s Bratwurst. Sicher, Bratwürste gibt es das ganze Jahr über, aber nie schmecken sie so wie auf dem Weihnachtsmarkt. Die kühle frische Luft, der Duft von Tannen, das löst im Gehirn vermutlich Wurst-Glücksmomente aus. Jedenfalls schmeckt eine Wurst auf dem Weihnachtsmarkt einfach prima.

Was liegt also näher, als sofort zum nächsten Weihnachtsmarkt zu gehen und sich so einen heißen Bruzzler einzuverleiben. Der Erste zu sein, der diesen Genuss erleben darf. Der große „Wurstanbiss“, der sonst Bürgermeistern vorbehalten ist.

Die Wurst wandert zum Mund, ein Knack, ein Schmatzen und dann die Ernüchterung. In der Mitte leicht verkohlt, am Rand noch fast roh und gummiartig. Auch zwei Löffel Senf lassen die Wurst nicht besser in den Magen flutschen. Die Konsistenz, das muss so klar gesagt werden, ist unterirdisch, der Genuss verloren – so wie das Geld für die Wurst auch. Mit Glühwein wird nachgespült. Lauwarm. Ein kulinarisches Waterloo. Und das nur, weil man der Erste sein muss, der eine Weihnachtsbratwurst mümmeln darf.

Mit leicht angewidertem Blick wird der Mund mit der Serviette abgewischt, ein Rennie räumt vielleicht den Magen auf. Derweil wandert der Blick zurück zur Würstchenbude. Besucher beißen in perfekt gebräunte Würstchen, die Mundwinkel werden vor Frohlocken nach oben gezogen, die Wurst genossen. Die Moral von der Geschicht: Je später die Gäste desto besser die Wurst. Also, lieber zurückhalten und andere den Wursttester spielen lassen.