Pinneberg
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Steinberg hält an Kauf des DRK-Heims fest

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg will weiterhin, dass die Stadt das DRK-Heim kauft

Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg will weiterhin, dass die Stadt das DRK-Heim kauft

Foto: Andreas Daebeler / HA

Flüchtlingskrise: Pinneberg erwägt Anmietung der Ex-Hochschule Akad und Neubau an der Schlossstraße. In Holm sind mobile Häuser Option.

Pinneberg.  Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg ist am Donnerstagabend mit einem leidenschaftlichen Appell an die Politik herangetreten. Trotz notwendiger Investitionen von bis zu 1,9 Millionen Euro warb sie dafür, ein ehemaliges DRK-Seniorenheim am Stadtwald Fahlt für einen Preis von 750.000 Euro zu kaufen und dessen Umbau zur Sammelunterkunft für Flüchtlinge voranzutreiben. Die Stadt Pinneberg stoße bei der Unterbringung von Asylbewerbern an ihre Grenzen. Der Umbau des seit 2012 leer stehenden Altenheims eröffne den kürzesten Weg zur Entspannung der Situation. „Wir benötigen eine positive Entscheidung“, so Steinberg.

Die Rathauschefin untermauerte ihr Werben mit aktuellen Daten. So sei die Zahl der Pinneberg zugewiesenen Asylbewerber allein im Laufe des Monats November um 86 auf 455 angewachsen. Hinzu kämen 110 klassische Obdachlose, die im Stadtgebiet derzeit in Notunterkünften lebten. Es sei völlig ungewiss, wie lange es der Stadtverwaltung noch möglich sein werde, dem Druck standzuhalten. Nur weil ihre Mitarbeiter häufig „über ihre Leistungsgrenzen hinaus“ gingen, sei die Situation noch nicht eskaliert. Die neuen Zahlen belegen eine deutliche Zunahme der Pinneberg zugewiesenen Asylbewerber. In den vergangenen Wochen hatte sich deren Zahl konstant bei 15 Flüchtlingen pro Woche bewegt.

Pinneberg könnte auch mit einem Neubauprojekt an der Schlossstraße 1-3 reagieren. Derzeit laufen offenbar Verhandlungen mit einem Bauträger, der dort ein mehrgeschossiges Wohnhaus mit bis zu 24 Wohnungen hochziehen könnte. Es ist davon die Rede, in dem frühestens im Januar 2017 bezugsfertigen Haus bis zu 120 Asylbewerber unterzubringen. Dem Vernehmen nach würde der Mietvertrag dem Bauträger über zehn Jahre gesicherte Mieteinnahmen von der Stadt bescheren. Pikant: Im Frühjahr hatten Anwohner der Schlossstraße gegen Pläne für eine mehrgeschossige Wohnbebauung an dem Standort protestiert.

Pinnebergs Stadtverwaltung plant zudem, im Bereich der ehrenamtlichen Betreuung von Asylbewerbern Weichen zu stellen. Nach Informationen des Abendblatts wird der Politik in Kürze vorgeschlagen, ein Geschoss der Ex-Privathochschule Akad unweit des Rathauses anzumieten. Auf 480 Quadratmetern könnte ein Zentrum für Flüchtlingsbetreuung entstehen. Der Mietvertrag würde bis Anfang 2017 laufen. In den Räumen könnte auch eine Kleiderkammer untergebracht werden. Zudem könnten Sprachkurse angeboten werden.

Auch in Holm wird über die Unterbringung von Asylbewerbern diskutiert. Die Gemeinde will Notunterkünfte am Lehmweg sanieren oder aber abreißen. Ein Neubau für sieben Wohneinheiten je zwei Zimmern ist für die Gemeinde aus Kostengründen uninteressant. Er würde gemäß einer Schätzung der Verwaltung mehr als eine halbe Million Euro kosten. Die Gemeindeverwaltung hält eine Sanierung der 1965 gebauten Unterkünfte daher für sinnvoll, weil die Substanz der Gebäude noch in weiten Teilen grundsätzlich in Ordnung sei. Es gebe zwar Verwitterungen, etwa bei den Holzbauten, doch diese ließen sich vergleichsweise kostengünstig ersetzen. Die Sanierung der gesamten Anlagen würde etwa 38.000 Euro kosten.

Denkbar ist aber auch ein Abriss der Häuser. Das Gelände könnte die Gemeinde dann für andere Bauprojekte verkaufen oder aber selber nutzen. „Die Option eines Abrisses steht im Raum“, sagt Bürgermeister Walter Rißler. Laut dem Verwaltungschef will die Gemeinde Ende Januar entscheiden, wie es weitergehen soll. „Wir wollen uns noch ein paar Dinge ansehen, die das Amt Moorrege plant“, sagt Holms Bürgermeister. Die dortige Amtsverwaltung plant, kleine Wochenendhäuser in ihrem Geltungsbereich aufzustellen, in denen vor allem Flüchtlinge untergebracht werden sollen.

In Heidgraben sollen solche Ferienhäuser demnächst aufgestellt werden, da dort nicht ausreichend Wohnraum für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung steht.