Pinneberg
Elmshorn

Stadt schafft Platz für Kunst aus der Dose

Thies Koopmann, seit fast 22 Jahren Jugendpfleger in Elmshorn, bemüht sich um legale Flächen für Graffiti-Sprayer

Thies Koopmann, seit fast 22 Jahren Jugendpfleger in Elmshorn, bemüht sich um legale Flächen für Graffiti-Sprayer

Foto: Anne Dewitz / HA

Jugendpfleger Thies Koopmann sucht mit Sprayern nach Flächen für legale Graffiti – mit Erfolg. Am Buttermarkt darf gesprüht werden.

Elmshorn.  Für die einen ist es Schmiererei, für die anderen Kunst. Graffiti spaltet die Meinungen. Der Kinder- und Jugendpfleger Thies Koopmann gehört zu den Bewunderern von Streetart. Er bemüht sich seit mehr als 20 Jahren darum, in Elmshorn legale Flächen zu schaffen, auf denen sich Sprayer künstlerisch austoben können.

„Durch den Abriss der Parkpalette am Hafen ist eine Möglichkeit für legales Graffiti in Elmshorn verloren gegangen“, sagt Koopmann, der die bunten Bilder im Foto festgehalten hat. Deshalb seien Graffiti-Künstler und der Kinder- und Jugendbeirat (KJB) an ihn mit der Bitte um neue Flächen herangetreten. In Abstimmung mit dem Flächenmanagement, dem Amt für Kinder, Jugend, Schule und Sport und dem KJB konnte so kürzlich die Stirnfläche der Ost-West-Brücke an der Gärtnerstraße/Norderstraße für legales Graffiti freigegeben werden. Am Buttermarkt dürfen die rückwärtigen Wände des Hofgebäudes, die an den Marktplatz grenzen oder der Pfeiler an der Brücke Hainholzer Damm/Ollerlohstraße genutzt werden.

Auch Stadtrat Dirk Moritz ist von dem Projekt überzeugt. „Wir möchten gern zusätzlich einige von der Bahn aufgestellten Schallschutzwände teilweise mit legalem Graffiti bestücken lassen“, sagt er. Dazu seien allerdings noch weitere Gespräche mit der Bahn zu führen. „Mir ist es wichtig, dass die Wände nicht mit illegalen Dingen wie Tags zugeschmiert werden.“

Fremde Graffiti werden nicht übersprüht

Denn Schwierigkeiten gibt es, wenn der Besitzer des Gebäudes mit den Graffiti nicht einverstanden ist. Auf rund 200 Millionen Euro summieren sich alljährlich die durch illegale Graffiti verursachten Kosten, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Städtetags. Die Deutsche Bahn bezifferte ihre Schäden im Jahr 2012 auf 33 Millionen Euro, von 30.000 Vandalismustaten seien 14.000 Graffiti-Fälle.

Ein enormer Schaden, den öffentliche Einrichtungen mit vielschichtigen Maßnahmen zu verhindern versuchen. Eine Strategie, von denen beide Seiten profitieren, ist die Freigabe bestimmter Wände wie in Elmshorn. Denn gut gemachte Graffiti sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern nehmen Schmierereien die Grundlage. „In der Szene gibt es einen Ehrenkodex, fremde Graffiti nicht überzusprühen“, sagt Moritz.

Die meist jugendlichen Sprayer sind sich über die rechtlichen und finanziellen Konsequenzen oft nicht im Klaren. Fakt ist, eine Jugendsünde kann langfristige Folgen haben. Wer mit 16 Jahren beim illegalen Sprayen erwischt wird, läuft Gefahr, bis zu seinem 46. Lebensjahr für den von ihm verursachten Schaden zur Kasse gebeten zu werden. Denn so lange gelten die rechtlichen Ansprüche des Geschädigten. Wird nur ein Täter aus einer Gruppe von Sprayern überführt, haftet er zudem für den gesamten Schaden.

„Das sind keine bösen Jungs“

„Das sind keine bösen Jungs“, sagt Thies Koopmann. Er fotografiert besonders schöne Graffiti und projiziert sie auf Wände, um bei Kaufleuten und Politikern Interesse zu wecken. Durch seine langjährige Jugendarbeit für die Stadt Elmshorn verfügt er über gute Kontakte in die Szene, zu der auch Christoph gehört. Als Jugendlicher kam der über einen Hip-Hop-Workshop zum ersten Mal mit Graffiti in Berührung. Heute verdient der 30-Jährige, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchte, mit seinen Bildern aus der Dose sogar Geld. „Ich komme aber nur noch zweimal im Jahr dazu“, sagt der zweifache Vater. Mit Koopmann hielt er all die Jahre Kontakt. „Es war schade zu sehen, dass die Bilder im Parkhaus, die viel Arbeit gemacht haben, mit dem Abriss verschwanden“, sagt Christoph. Beim Gang durch Elmshorn wurde er dann auf frisch gestrichene weiße Wände aufmerksam und regte bei Koopmann an, diese der Graffiti-Kunst zur Verfügung zu stellen.

„Tags sind nicht das, was ich machen möchte“, sagt Christoph. Seine Arbeit ist zum Beispiel im Parkhaus neuer Markt zu sehen. Dort hat er mit anderen Künstlern einen Zug gesprüht – mit viel Liebe zum Detail und hellen Farben, wie von der Gleichstellungsbeauftragten angeregt. Seiner Erfahrung nach sind die Menschen in kleineren Städten Graffiti gegenüber viel toleranter als in Großstädten. Doch egal, wo er seine Spraydosen auspackt, er wird so gut wie immer von der Polizei angesprochen. Darum trägt er immer einen Ausdruck der Genehmigung bei sich.

In der kommenden Woche setzen er, zwei weitere Sprayer und Koopmann sich zusammen, um zu schauen, wo sie als nächstes eine Wand verschönern – legal und offiziell genehmigt.