Pinneberg
Wedel

Eine schicksalhafte Begegnung verändert alles

Timo Sauer (hinten) agiert in der  Rolle des Mark mit vollem Körpereinsatz. Davia Krogmann spielt seine Freundin Sophie, Jan Krogmann seinen Kumpel Jeff

Timo Sauer (hinten) agiert in der Rolle des Mark mit vollem Körpereinsatz. Davia Krogmann spielt seine Freundin Sophie, Jan Krogmann seinen Kumpel Jeff

Foto: Elvira Nickmann / HA

Das Theater Wedel hat mit dem Stück „Die Nadel der Kleopatra“ am Sonnabend Premiere gefeiert. Geboten wird beste Unterhaltung.

Wedel.  Sophie lebt mit Freund Marc in New York. Die junge Schauspielerin träumt davon, die Rolle der Julia zu spielen. Die Realität holt sie allerdings schnell ein. Als sie einkaufen will, hat ihr nichtsnutziger Freund das letzte Geld ausgegeben und tischt ihr zur Rechtfertigung noch eine Tränendrüsengeschichte auf.

Doch das ist noch nicht alles, was auf Sophie im Verlauf des Stücks „Die Nadel der Kleopatra“ zukommt, das im Theater Wedel am Sonnabend Premiere hatte. Das Werk in zwei Akten beginnt leicht, mit Wortwitz und Situationskomik. In der Intimität zwischen Sophie und Marc in der chaotischen Studentenbude flackern Probleme zwar auf, aber Marc schafft es immer wieder, sie zu umschiffen und Sophie abzulenken. Trotz des punkigen Outfits ist sie klar die Vernünftigere von beiden, nur in ihrer Liebe zu Marc fehlt diese Instanz. Der aber nutzt das aus, kennt keine Skrupel. Ist für ihn alles nur ein Spiel – das Leben an sich, die Beziehung zu Sophie inklusive?

Als dann auch noch sein Kumpel Jeff auftaucht, dem er den teuren Oldtimer zu Schrott gefahren hat, wird die Situation brenzlig. Marc flüchtet, nur mit einem Slip bekleidet, auf den Balkon. Jeff versteht nämlich leider gar keinen Spaß und ist durchaus immun gegen Marcs Einschleimversuche. Pech für Marc. Während er frierend auf dem Balkon steht, bleibt Jeff ungerührt: „Lass dich von dem Gewinsel nicht beeindrucken“, rät er Sophie. „Das ist alles nur ‘ne Masche wie seine Geschichten.“ Wenn Marc mit „Du glaubst ja gar nicht, was mir passiert ist“ anfange, könne man es gleich abhaken.

Die Rolle des Marc spielt Timo Sauer mit vollem Körpereinsatz. Er hechtet, springt, rennt und flitzt durch das Stück. Weglaufen ist Marc ja bereits gewohnt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Doch alles Weglaufen hilft nichts: Geld muss her. Und wieder ist es Sophie, die herhalten muss. Jemand sucht eine Vorleserin per Annonce. Doch sie versucht sich zu wehren: „Lasst mich in Ruhe! Ich bin keine Vorlesetante, ich will die Julia spielen!“ Doch dann geht sie zum Vorstellungstermin. Als sie zurückkommt, verkündet sie, dass sie nicht noch einmal zu Charlotte, einer älteren Dame, gehen will, der sie vorlesen soll. Die ist blind, benimmt sich sonderbar und stellt intime Fragen. Aber sie zahlt gut, und brauchen sie nicht dringend das Geld?

Barbara Michaeli verkörpert überzeugend Charlotte, die in ihrer eigenen Welt lebt. Sie schaut ins Nichts, tastet sich langsam rückwärts an einen Stuhl heran und verzieht keine Miene, als Jeff ihr mit der Hand vor dem Gesicht herumwedelt. Wie es weitergeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, aber am Ende haben alle dazugelernt. Herz, Humor, Hintersinn und eine gute Story sind die Zutaten des Stoffs, den die Schauspieler mit viel Können umgesetzt haben. Beste Unterhaltung!

Infos zu weiteren Vorstellungen im Internet unter www.theater-wedel.de und am Kartentelefon 04103/967 90 67.