Pinneberg
Wedel/Hamburg

Eine entspannte Form des Kennenlernens

Foto: Elvira Nickmann / HA

Eine kontaktfreudige Wedelerin nutzt ihre Fähigkeit, um Menschen zusammenzubringen. Sie leitet eine Slow-Dating-Gruppe.

Wedel/Hamburg.  Es ist Sonnabendnachmittag. In der Bar des Hotels, in dem sich die Slow-Dating-Gruppe trifft, vermischt sich die dezente Beleuchtung mit dem Tageslicht, das sich durch die Panoramafenster in den Raum stiehlt. Zwei Männer und sieben Frauen haben es sich in den pink-violetten Sesseln bequem gemacht, es wird viel gelacht und ein bisschen geflachst. Der Umgang ist vertraut, die meisten kennen sich bereits. Doch auch heute ist wieder ein neues Gesicht dabei, daher steht erst einmal eine Vorstellungsrunde auf dem Programm.

Thordis Lepak von Kostka aus Wedel leitet die Gruppe und erklärt gleich, was sich hinter dem Begriff Slow Dating verbirgt. „Beim Slow Dating kann man sich im Gegensatz zum Speed Dating Zeit lassen und sich langsam kennenlernen“, sagt sie. Es gehe darum, häufiger wiederzukommen. „Es ist ein offener Kreis. Die Chemie stimmt.“ Es gebe ganz unterschiedliche Motivationen zur Teilnahme, manche wollten erst einmal nur ihren Bekanntenkreis erweitern, andere suchten gezielt einen Partner. In jedem Fall sei es wichtig, eine vertrauensvolle Basis aufzubauen. Warum sie die Gruppe moderiert, erklärt sie auch gleich: „Menschen zusammenzubringen ist eine Fähigkeit von mir.“ Es sei ein generationenübergreifendes Angebot, vor allem vertreten sei aber die Altersgruppe ab 50 Jahren. „Jüngere Leute suchen anders.“ Was aus dem moderierten Kennenlernen letztlich entstehe, liege nicht in ihrer Hand. „Es ist hier ja nicht wie in einer Partnervermittlung. Man kann sich selbst ausprobieren. Je älter man wird, desto schwieriger wird ja auch das Flirten“, gibt sie zu bedenken.

Die Teilnehmer haben inzwischen beim Service bestellt, nicht ohne vorher auszudiskutieren, wie die wenigen Bienenstich-Stücke, die noch geordert werden können, verteilt werden sollen. Georg hat als Erster bestellt und bekommt noch eines, während Erika die Vorstellungsrunde eröffnet: Sie ist 57, hat einen Lockenkopf und sagt kurz und knapp, was sie will. Neue Leute treffen und vielleicht auch einen „netten Herrn“, dann sei sie auch offen für eine neue Partnerschaft. Marianne ist die nächste, sie hat ihren Hund mitgebracht. „Ich bin seit zehn Jahren Witwe und sehr rege, das macht so leicht kein Mann mit“, bedauert sie. „Dann musst du dir eben einen schnitzen“, wirft Georg ein, und die Gruppe lacht. Sybille stimmt zwar in das Gelächter mit ein, aber als sie zu sprechen beginnt, wird das Gesicht der sonst so fröhlich wirkenden Frau plötzlich ernst und die anderen auf einmal ganz still.

„Ab und an sitzt man auf der Couch und denkt darüber nach, wie es wäre, etwas Schönes zu machen“, schildert sie ihre Erfahrung der Einsamkeit. Ein Mann dürfe bei ihr durchaus Ecken und Kanten haben. Sehnsucht klingt in den Worten mit und auch die unausgesprochene Frage: Warum habe ausgerechnet ich keinen Partner? Ja, warum? Lopak von Kostka sagt, dass es oft hilfreich sein könne, sich die Frage zu stellen: Würde ich mit mir selbst eine Beziehung führen wollen? Denn von dem zukünftigen Partner zu erwarten, dass er mich glücklich machen soll, sei ein nicht zu erfüllender Anspruch. So haben sich viele schick gemacht für dieses Treffen, verstellen aber will und muss sich hier keiner. Die anderen kennen die Erfahrungen nur zu gut, es sind einige Witwen und Witwer dabei, manchmal ist der Verlust noch ziemlich frisch, aber auch wenn noch keine Partnerschaft vorstellbar ist, tut der Kontakt einfach gut. „Früher hat man Männer beim Tanzen kennengelernt“, sagt Elke. Doch wer geht schon gerne alleine zum Tanzen? Bleibt noch das Internet. Lepak von Kostka fragt nach, welche Erfahrungen die Frauen und Männer mit der Partnersuche im Internet gemacht haben.

„Viele verstecken sich hinter ihrem Profil“, so Erika. „Es fängt schon an beim Bilderreinstellen“, weiß Monika. „Die sind dann oft vor Jahren aufgenommen.“ Besser sei, den Kontakt auf der Straße, im Café oder beim Einkaufen zu knüpfen, da treffe man auf viele Alleinstehende. „Woran erkennst du das?“, kommt die Frage aus der Runde. „Männer kaufen immer Dosen“, antwortet Monika prompt. Dann plant die Runde noch eine gemeinsame Bootstour – vielleicht Slow Dating auf dem Speed Boot. Kontakt über Thordis Lepak von Kostka, Telefon 0177/858 63 68.