Pinneberg
Halstenbek

Abriss: In den Ferien wird die Schule platt gemacht

Alexander Berg Abriss Gymnasium Halstenbek

Alexander Berg Abriss Gymnasium Halstenbek

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Jetzt wird das letzte Bauteil des Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums abgerissen. Zukünftig wird es dort Parkplätze geben.

Halstenbek.  Wie ein Mahnmal ragt der Treppenhausturm in den Himmel. Er ist alles, was vom alten Wolfgang-Borchert-Gymnasium übrig geblieben ist. Das letzte Überbleibsel wird noch in dieser Woche beseitigt. Dann erinnert nur noch ein Haufen Beton an das Gebäude am Halstenbeker Bickbargen, in dem Tausende Schüler für ihr Abitur büffelten.

Der Mann, der den Abriss des asbestverseuchten Betonkolosses innerhalb von drei Monaten möglich gemacht hat, heißt Alexander Berg. Der Baubiologe ist Experte für Schadstoffsanierungen und vom Hochtief-Konzern mit der Planung und Überwachung der Arbeiten beauftragt worden. Hochtief hat das neue Gymnasium gebaut, das neben der alten Schule entstanden und nach den Sommerferien eröffnet worden ist. Der Hamburger Baukonzern ist auch dafür verantwortlich, den Altbestand abzubrechen und an seiner Stelle den neuen Schulparkplatz zu errichten.

Hier kommt wiederum Alexander Berg ins Spiel. Denn das Mitte der 70er-Jahre errichtete Gebäude war stark asbestverseucht, eine Sanierung erwies sich als unwirtschaftlich. „In den Leichtbauwänden und Zwischendecken befanden sich die asbesthaltigen Bauteile“, erläutert der Experte. Die Gemeinde habe während der Nutzung des Gebäudes regelmäßige Messungen veranlasst und auf diese Weise sichergestellt, dass die Raumluft schadstofffrei blieb. Teilweise sei dennoch eine Freisetzung von Asbestfasern erfolgt – etwa über Staubpartikel aus den abgehängten Zwischendecken der Schule, was bei Durchzug der Fall sein konnte. In diesen Fällen erfolgte eine umfangreiche Spezialreinigung.

Nachdem die Schüler das Gebäude am letzten Schultag vor den Sommerferien verließen, rückten übergangslos die Abbruchspezialisten an. Ihre erste Aufgabe bestand darin, das zurückgelassene Mobiliar wie Stühle, Tische, Tafeln und sanitäre Anlagen zu entsorgen. „Nachdem das Gebäude leergeräumt war, haben wir es in Abschnitte eingeteilt“, erläutert Berg. Diese seien dann luftdicht abgeschlossen und unter Unterdruck gesetzt worden, damit nichts nach außen entweichen konnte.

Als nächstes rückten Mitarbeiter in Ganzkörperschutzanzügen an. Ihre Aufgabe bestand darin, die Leichtbauwände und -decken, in denen das Asbest verbaut war, einzureißen. Diese Bauteile wurden im Anschluss auf eine spezielle Monodeponie für Asbest gebracht. Sobald die Arbeiter den Asbest-Abschnitt verließen, wurden sie dekontaminiert. „Wir haben dann eine Freigabemessung gemacht. Sobald ein Abschnitt von Asbest befreit war, haben wir ihn für den Abriss freigebeben.“ Die Arbeiter begannen im westlichen Teil der Schule, der besonders stark belastet war. Dann arbeiteten sie sich Abschnitt für Abschnitt vor.

Die beiden Treppenhaustürme der Schule, die für die Statik des Gebäudes von besonderer Bedeutung waren, blieben bis zuletzt stehen. Der letzte wird nun in den Herbstferien ebenfalls fallen. Außerdem wird das Betonfundament von einem Bagger regelrecht abgeknabbert. „Die besonders lärmintensiven Arbeiten erfolgen in den Herbstferien“, erläutert der Experte.

Seit die Schule Mitte September wieder begonnen hat, konnten die Schüler vom Neubau aus verfolgen, wie ihr altes Gebäude langsam dem Erdboden gleichgemacht wurde. „Beschwerden über den Lärm hat es nicht gegeben – weder von den Schülern noch von den Nachbarn“, sagt Berg. Der Baubiologe wird sein Werk am Bickbargen Ende Oktober vollendet haben. Dann sind vom Wolfgang-Borchert-Gymnasium nur noch 6000 Kubikmeter Beton übrig. Er wird vor Ort zerkleinert. Der gesiebte Beton dient dann als Unterbau für die Parkplätze, die auf der Fläche des alten Schulgebäudes in den nächsten Monaten entstehen werden.

Das einzige, was dann noch von dem alten Schulgebäude bleibt, ist das Blockheizkraftwerk. Dieses wurde erhalten und in den Neubaukomplex integriert. „Das ganze erwies sich als unerwartet schwierig“, sagt Berg. So musste das Kraftwerk quasi einmal umgedreht werden. Die Anschlüsse zum alten Schulgebäude mussten gekappt und auf der anderen Seite neue für den Ersatzbau gelegt, zudem der Schornstein auf die andere Seite umgesetzt werden. Eine schwierige Operation im laufenden Schulbetrieb, die jedoch ohne Komplikationen über die Bühne ging.

Das Wolfgang-Borchert-Gymnasium ist das dritte sogenannte Public-Private-Partnership-Projekt (PPP), das die Gemeinde mit einem Bauunternehmen eingegangen ist. Für die Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek sowie den Bau der Sporthalle an der Feldstraße hatte Halstenbek den Baukonzern Goldbeck beauftragt. Dieser hatte sich auch im Vergabeverfahren für das Wolfgang-Borchert-Gymnasium beworben, war jedoch unterlegen. Zum Zuge kam Hochtief. Der Baukonzern ist laut dem Kontrakt für Planung, Bau und Betrieb der Schule zuständig. Das Vertragsvolumen beläuft sich auf 31 Millionen Euro, wobei 21 Millionen Euro auf den Bau und zehn Millionen Euro auf den Betrieb entfallen. Der Vertrag mit Hochtief läuft bis August 2033. Die Vertragslaufzeit ist den anderen beiden PPP-Projekten angepasst, sodass die Gemeinde dann alle drei Objekte übereignet bekommt.

Der Einzug in den Neubau war eigentlich erst für die Herbstferien geplant. Dank des Baufortschritts ging dies schneller, sodass auch der Abriss vorgezogen werden konnte. Die Gemeinde ist mit dem Neubau zufrieden. In einigen Bereichen sind noch kleinere Nachbesserungen erforderlich, derzeit laufen dort die Abstimmungen zwischen Gemeinde und Hochtief.