Pinneberg
Halstenbek/Rellingen

Gemeinden bauen Wirtschaftsförderung aus

Anja Radtke und Harald Poppner mit der neuen Imagebroschüre für den Wirtschaftsstandort Rellingen

Anja Radtke und Harald Poppner mit der neuen Imagebroschüre für den Wirtschaftsstandort Rellingen

Foto: Arne kolarczyk / HA

Stefan Wieschebrock kümmert sich um die Firmen in Halstenbek. In Rellingen soll Harald Poppner unbefristet angestellt werden.

Halstenbek/Rellingen.  Zwei Kommunen, ein Ziel: Halstenbek und Rellingen wollen ihre Wirtschaftsförderung ausbauen. In Halstenbek, wo die Stelle im Rathaus seit dem Abgang von Elke Tramm monatelang unbesetzt war, hat am 1. Oktober Stefan Wieschebrock sein neues Amt angetreten. Und in Rellingen soll Harald Poppner, dessen Stelle auf zwei Jahre befristet ist, langfristig gebunden werden.

Den schwierigeren Job hat der gebürtige Münsterländer Wieschebrock. Halstenbek liegt mit Gewerbesteuereinnahmen von durchschnittlich 3,7 Millionen Euro deutlich hinter der etwa gleichgroßen Nachbarkommune Rellingen zurück, die im Jahresabschluss 2014 Erträge von 11,3 Millionen Euro auswies. „Es wird eine Daueraufgabe sein, die Gewerbesteuereinnahmen zu steigern“, sagt der 29-Jährige. Er spricht von einer „großen Herausforderung“, Flächen in Halstenbek zu finden, die sich für eine Ansiedlung von Firmen eignen.

Wieschebrock, der Geografie studiert hat und zuletzt als Konversionsmanager in Bayern arbeitete, stellt sich dieser Herausforderung. „Man sagt uns Münsterländern ja eine stoische Gelassenheit nach“, sagt er. Und die wird der 29-jährige Bayern-Fan, der im Halstenbeker Rathaus zudem die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, auch brauchen. Der Wirtschaftsförderer will sich zunächst beim Halstenbeker Wirtschaftskreis und der Werbegemeinschaft der Wohnmeile vorstellen, dann nach und nach den Kontakt zu Firmen und Einzelhändlern suchen. „Ich will mit denen sprechen, die vor Ort aktiv sind und sich hier auskennen. Ich kann nicht von außen mit einem Konzept kommen, sondern muss die Menschen mitnehmen“, sagt Wieschebrock.

Er spricht von einem langfristig angelegten Engagement in Halstenbek. Dazu gehört, dass der 29-Jährige eine Datenbank aufbauen möchte, um Leerstände sowie freie Gewerbeflächen schnell abrufbar zu haben. Auch die Erstellung einer Standortbroschüre kann sich Wieschebrock vorstellen.

Rellingen ist in diesem Punkt weiter. Am Dienstag stellten Bürgermeisterin Anja Radtke und ihr Wirtschaftsförderer Harald Poppner eine neue Imagebroschüre vor. „Wir haben ganz bewusst auf ein dickes Pamphlet verzichtet“, sagt Poppner. Die Mappe, die interessierte Unternehmen erhalten, enthält einen Flyer mit allen relevanten Daten und Ansprechpartnern sowie Porträts ausgesuchter Firmen, die in der Kommune ansässig sind und die Vorteile dieses Standorts hervorheben. „Wir haben bisher neun Porträts fertigstellen können, vier weitere sind in Vorbereitung“, so der Wirtschaftsförderer. Darunter seien global agierende Firmen wie Yamaha, Autoflug und Tobias Grau, aber auch regionale, in ihrer Branche führende Unternehmen wie Hansa Heemann, Hass + Hatje und Crown Technologies. Poppner: „Wir möchten mit der Broschüre ausgewählte Unternehmen ansprechen, die zum Standort Rellingen passen.“

Poppner und Rellingen – das passt zusammen, findet Bürgermeisterin Radtke. „Wir werden der Politik vorschlagen, eine dauerhafte Planstelle für Wirtschaftsförderung einzurichten.“ Poppner, der am 1. Juli 2014 sein Amt antrat, ist zunächst nur befristet auf zwei Jahre eingestellt worden. „Es gibt weiterhin genügend zu tun für einen Wirtschaftsförderer“, sagt Radtke.

Ein großes Problem eint Rellingen und Halstenbek: Beide Kommunen besitzen keine eigenen Flächen, die sie Unternehmen anbieten können. „Wir haben lange kein neues Gewerbegebiet mehr ausgewiesen“, sagt Radtke. Der einzige B-Plan, der sich zuletzt mit einer Firmenansiedlung befasste, trägt die Nummer 70. Das Gelände liegt an der Tangstedter Chaussee und ist für örtliche Betriebe gedacht, die expandieren wollen. „Es ist bedauerlich, dass ich die Interessenten immer wieder vertrösten muss“, sagt die Bürgermeisterin. Zwar sei ein Investor gefunden, der die Erschließung übernimmt und die Flächen vermarktet. Allerdings sei der notwendige Umbau der Kreuzung Hauptstraße/Tangstedter Straße noch nicht gesichert, da hierfür Grunderwerb erforderlich sei. Radtke: „Die Gespräche mit dem Eigentümer dauern nach wie vor an.“