Austauschprogramm

Israelische Naturschützer lernen in Wedel

| Lesedauer: 4 Minuten
Fabian Schindler
Die israelischen Umweltschützer lernen von ihren deutschen Kollegen an der Wedeler Carl-Zeiss-Vogelstation, wie ehrenamtliche Arbeit funktioniert. Daran hapert es nämlich noch in Israel

Die israelischen Umweltschützer lernen von ihren deutschen Kollegen an der Wedeler Carl-Zeiss-Vogelstation, wie ehrenamtliche Arbeit funktioniert. Daran hapert es nämlich noch in Israel

Foto: Fabian Schindler

Die Umweltschützer eine Woche bei Carl-Zeiss-Vogelstation in der Wedeler Marsch zu Gast, um mehr über ehrenamtliche Arbeit zu lernen.

Wedel.  Israel ist im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland ein kleines Land. Wenn es aber um die Zahl der Übernachtungsgäste geht, dann ist Deutschland der Zwerg und Israel der Riese: Experten schätzen, dass nicht weniger als 500 Millionen Vögel das kleine Land jedes Jahr überqueren oder dort zum Auftanken einen Zwischenstopp einlegen. Verglichen mit der Landesgröße ist Israel laut Vogelforschern das Land mit der höchsten Dichte an Vogelarten weltweit.

Israel ist ein extrem wichtiger Knotenpunkt des Vogelzugs. Vom Weißstorch bis hin zu Adlern, Schwalben, Kranichen und Mauerseglern ist im Heiligen Land alles vertreten, was das Ornithologenherz höher schlagen lässt.

Die wichtigen Naturräume für die Vögel zu erhalten, das ist eine der Aufgaben, der sich auch Gili Bezalel widmet. Bezalel ist Leiter der Jugendabteilung in der „Society for the Protection of Nature in Israel“ (SPNI), des größten und wichtigsten Umweltschutzverbandes in Israel.

Seit 1953 gibt es den Verband. Seine Aufgabe ist es, die Aufmerksamkeit der Bürger von den fast täglichen Krisen und Existenzängsten Israels umzulenken, und zwar auf den Erhalt der Naturräume. Denn auch diese seien wichtig für die Zukunft des Landes. Das klappe zwar immer besser, sagen die Umweltschützer, doch es gebe noch vieles, wo der Verband von anderen Ländern dazulernen könne.

Bezalel und neun weitere israelische Umweltschützer sind deshalb für eine Woche in Wedel, die Carl-Zeiss-Vogelstation ist dabei ihr zentraler Standort. Es ist der erste Besuch des SPNI in Wedel. Vogelbeobachtungen und die Pflege der Vogelschutzgebiete in der Elbmarsch sind nur ein Teil der Aufgaben, die die beiden Verbände dort gemeinsam übernehmen.

„Wir wollen hier lernen, wie ehrenamtliches Engagement vorbildlich funktionieren kann“, sagt Gili Bezalel. Denn daran hapere es noch gewaltig in seinem Heimatland. Dort gebe es hauptamtlich tätige Umweltschützer, ein ehrenamtliches Engagement sei dort, wie in vielen anderen Bereichen im Land, kaum bis gar nicht auszumachen. Der Grund dafür liege in einer anderen politischen und sozialen Kultur, die sich in Israel im Laufe der Jahrzehnte entwickelt habe.

Kaum ehrenamtliche Naturschützer

„Bei uns wird länger und mehr Tage im Jahr gearbeitet als in Deutschland, daher fehlt vielen die Zeit für ein freiwilliges Naturschutzengagement“, sagt Bezalel. Und die Tatsache, dass Israel in einem konfliktträchtigen Umfeld liegt, mache es schwer, Umweltschutz in den Fokus zu rücken. „Für uns ist es wichtig zu erfahren, wie hier Menschen dafür gewonnen werden, freiwillig Zeit zu investieren“, sagt der 47-Jährige aus Tel-Aviv. Auch die Frage, wie Beruf und Naturschutz organisatorisch unter einen Hut gebracht werden, sei für den SPNI interessant.

Dennoch, ein Entwicklungsland sei Israel in Sachen Umweltschutz nicht. Das liege auch daran, dass dort der SPNI intensiv mit Kindergärten zusammenarbeitet. Dort wird eine ökologische Früherziehung gefördert. Der Erfolg ist unbestritten. In Israel, so Bezalel, kenne fast jeder Bürger den SPNI. Manche verorten den unabhängigen Verband gar als Ministerium. „Das sind wir aber überhaupt nicht“, sagt Bezalel.

Von einem solchen prominenten Status im Land können Manuel Tacke, der ehrenamtlich beim Nabu arbeitet und die Gruppe auf ihrer Tour in Wedel begleitet, und auch Marco Sommerfeld, Leiter der Carl-Zeiss-Vogelstation, nur träumen. „Das wäre schön, wenn uns jeder kennen würde“, sagt Sommerfeld. Tacke hofft, dass sich das ändern kann, dass der Nabu eventuell so wie die Israelis, eine enge Kooperation mit Kindergärten eingehen kann. Das würde den Umweltschutz sicher weiterbringen, ist er sich sicher.

Seit 2011 gibt es einen Austausch

Angefangen hatte alles beinahe zufällig: Bei einem freiwilligen, aber noch unverbindlichen Besuch junger deutscher Naturschützer in Israel entstand gemeinsam die Idee eines regelmäßigen Austausches nicht nur von jugendlichen Naturschützern sondern auf allen Ebenen.

Seit November 2011 touren nun regelmäßig deutsche Umweltschützer für vier Wochen nach Israel und umgekehrt die Israelis nach Deutschland, um etwas neues über Arten- und Umweltschutz zu lernen und auch über die klimatischen und geografischen Besonderheiten in Israel und Deutschland. Denn Veränderungen in den deutschen und israelischen Naturräumen können langfristige Auswirkungen auf das Verhalten der Zugvögel haben. Von dem Austausch hätten also beide Seiten etwas, sind sich die Israelis und ihre deutschen Kollegen einig.

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