Pinneberg
Schenefeld

Großer Andrang auf die Bürgerwerkstatt

Der Andrang war groß: Knapp 100 Schenefelder beteiligten sich an der Bürgerwerkstatt und arbeiteten an der neuen Mitte

Der Andrang war groß: Knapp 100 Schenefelder beteiligten sich an der Bürgerwerkstatt und arbeiteten an der neuen Mitte

Foto: Katy Krause / HA

Etwa 100 Bürger arbeiten in vier Gruppen an Zukunft ihrer Stadt. Themen: Freiräume, neue Nutzungen, Bürgerzentrum, Identifikation.

Schenefeld.  Im Eingangsbereich des Schenefelder Rathauses hat das digitale Zeitalter Einzug gehalten. Die bewährte Zettelwirtschaft wurde nach Jahrzehnten von einem modernen Infoterminal abgelöst, das nun Besuchern den Weg weist. Nur eine Rathaustür davon entfernt machten sich am Mittwoch Bewohner und Funktionsträger eben dieser Stadt, für die ein Infoterminal etwas Neues bedeutet, über den richtig großen Wurf Gedanken. Knapp 100 Interessierte nahmen an der Bürgerwerkstatt teil, brachten ihre Wünsche und Ideen ein in die vier gebildeten Arbeitsgruppen zu den Themen Freiräume, neue Nutzungen, Bürgerzentrum und Identifikation.

Mit so einem großen Andrang hatten wenige gerechnet. Selbst für die Experten des mit dem Konzept zur Stadtplanung beauftragten Gutachterbüros war das im Vergleich zu anderen Projekten viel. „Das ist schon eine relativ starke Beteiligung für solch ein Verfahren“, sagte Maja Fischer vom Architekturbüro BPW. Zudem fiel ihr auf, dass die Grundhaltung der Teilnehmer sehr positiv und aufgeschlossen gegenüber dem Zukunftsprojekt sei. „Viele sind bereit, über die Grenzen hinaus zu denken und auch etwas zu wagen“, so Fischer.

Viele waren zum ersten Mal dabei

Ja, in Schenefeld herrscht plötzlich Aufbruchstimmung. Schuld daran ist die Aufnahme der Stadt ins Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. Die dadurch in Aussicht stehenden Zuschüsse von Bund und Land in Millionenhöhe lassen plötzlich Projekte in greifbare Nähe rücken, die bislang undenkbar gewesen wären. Eine Grundvoraussetzung für die Förderung ist das Konzept, an dem derzeit so fleißig mithilfe der Schenefelder gearbeitet wird.

Die nahmen sich allein am Mittwoch drei Stunden lang Zeit, um in den vier Arbeitsgruppen verteilt im Rathaus an der Zukunft ihrer Stadt zu arbeiten. Der überwiegende Teil der Teilnehmer war zum ersten Mal dabei. Wie bei den vorherigen Workshops wurde deutlich, dass sich viele Bewohner nach einem richtigen Zentrum in ihr Stadt sehnen und sich dafür auch ein architektonisch herausragendes Bürgerhaus vorstellen könnten.

Darin wäre dann Platz für Stadtbücherei und VHS, für Ausstellungen, für Dienstleistungen der Stadt wie Sozialberatung und Schulpsychologischem Dienst, für Vereine wie Spiely und Glücksgriff, für eine Energieberatung, ein Café und vielleicht sogar eine neue Kita. Als Standort wurden mehrere Szenarien durchgespielt, wie in der Nähe des Stadtzentrums, am Rathaus und an beziehungsweise sogar auf der LSE, wenn es möglich wäre, diese in eine Art Tunnel zu verlegen. Ins Konzept werden voraussichtlich mehrere Standortvarianten mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen einfließen.

Wiederfinden wird sich darin auch Schenefelds Identifikationsproblem. Denn am Mittwoch wurde deutlich: Es fehlt etwas Verbindendes – und das im doppelten Sinne. Es braucht, egal ob durch eine neue Brücke, einen Tunnel oder eine entschleunigte LSE, eine Verbindung zwischen dem Stadtkern Nord mit Einkaufszentrum und dem Süden mit Rathaus. Außerdem fehlt eine Verbindung zu dem, was die Stadt ausmacht. Die Arbeitsgruppe Identifikation entwickelte gleich einen Ansatz für eine Imagekampagne, die auf den erwarteten Einzug der XFEL-Wissenschaftler auf dem derzeit entstehenden Forschungscampus an der Holzkoppel abzielt. Der Leitgedanke: Vom Dorf zu den Denkern.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, findet auf www.stadt-schenefeld.de die Ergebnisse. Einbringen können sich Schenefelder auch am Sonnabend, 26. September. Von 14 bis 18 Uhr sind die Planer mit einem Infostand auf dem Oktoberfest am Rathaus vertreten. Hier gibt’s auch den Stadtkern-Taler, mit dem Bürger deutlich machen können, für was sie Geld ausgeben würden.