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Kreis Pinneberg

Der Glasfaserkabel-Krieg um die Kunden

Zahlreiche kommunale Energieversorger im Kreis Pinneberg haben die Glasfaserleitungen als neuen Markt entdeckt

Zahlreiche kommunale Energieversorger im Kreis Pinneberg haben die Glasfaserleitungen als neuen Markt entdeckt

Foto: Timo Jann

Kommunale Betreiber wie Stadtwerke Barmstedt fordern die Kollegen aus Neumünster heraus. Ämter gehen eigene Wege.

Kreis Pinneberg/Horst.  Die Stadtwerke Barmstedt und Neumünster kommen sich in Horst bei Elmshorn in die Quere und buhlen um dieselbe Kundschaft. Beide Kommunalversorger verlegen dort mit Millionen-Aufwand flächendeckend Glasfaserleitungen. Nicht einmal die Landesregierung konnte diesen Kabel-Krieg schlichten.

Schnelle Datenverbindungen sind die Hauptverkehrsadern im digitalen Zeitalter. Darum bemühen sich immer mehr Kommunen um Glasfasernetze und Anbieter, die diese Datenleitungen mit Highspeed-Internet, hochauflösendem TV und kostengünstiger Telefonie bedienen. Die Stadt- und Gemeindewerke in Quickborn, Pinneberg, Barmstedt, Rellingen und Halstenbek haben Tochtergesellschaften gegründet oder kommunale Partnerfirmen gewonnen, die ihre Bürger und Unternehmen direkt ins Haus mit Glasfasernetzen versorgen (siehe Grafik). Daneben gibt es Angebote von der Deutschen Telekom oder Kabel Deutschland, die aber in der Regel das Glasfaser nicht ins Haus legen, was zu langsameren Verbindungen führen kann.

Kleinere Gemeinden fallen oft durchs Raster, weil sich der teure Netzausbau für die Anbieter nicht so gut rechnet wie in dicht besiedelten Regionen. Darum müssen sie wie in Hasloh, Heist, Holm oder Tangstedt Mindestanschlussquoten von bis zu 70 Prozent der Haushalte erreichen oder, wie es die vier Gemeinden des Amtes Hörnerkirchen planen, selbst 4,2 Millionen Euro in dieses Projekt investieren.

Bürger in Dörfern fühlen sich vernachlässigt

Wie der Kampf um die Netze tobt, ist in der Elmshorn-nahen Gemeinde Horst gut zu beobachten. Dort investieren die Stadtwerke Barmstedt jetzt 1,5 Millionen Euro in ein flächendeckendes Glasfasernetz, während die Stadtwerke Neumünster dasselbe planen. Die Kunden in dem 5500-Einwohner-Ort haben also bald die Qual der Wahl, über wessen Netz sie ins Internet wollen, während kleine Dörfer in die Röhre gucken. So sagt Ernst-Wilhelm Mohrdiek, Bürgermeister von Horst und Vorsteher des Breitband-Zweckverbandes im Kreis Steinburg, dem 100 Gemeinden angehören: „Diese Entwicklung ist bedenklich. Wir müssen aufpassen, dass sich die Anbieter nicht nur die Filetstücke heraussuchen.“

Hauptgrund für das Engagement der Stadtwerke Barmstedt in Horst sei die Bindung von 400 Energiekunden, erklärt Werkleiter Fred Freyermuth die Strategie. „Wenn wir dort kein Glasfaser anbieten können, werden wir sie über kurz oder lang auch bei Strom und Gas verlieren. Der Telekommunikationsmarkt ist heute auch ein Wettbewerb um die Energiekunden.“

Zudem seien die Barmstedter zuerst da gewesen. Eine erste Ausschreibung habe im vorigen Jahr kein Angebot für Glasfasernetze im Amt Horst-Herzhorn ergeben. Und weil rund um Barmstedt durch die eigenen Aktivitäten sowie denen von Quickborn und Neumünster kaum noch freie Flecken existieren, hätten die Barmstedter ihre Ausbaupläne für Horst erarbeitet. Als alles fix und fertig war, hätten plötzlich im März die Neumünsteraner eine zweite Ausschreibung gewonnen. Gespräche mit dem Zweckverband und der Landesregierung brachten keine Einigung. Ein Kompromiss, den Freyermuth mit dem Projektleiter aus Neumünster entwickelte, wurde im Juni vom Aufsichtsrat der Stadtwerke Neumünster gekippt. Barmstedt habe Forderungen für die Nutzung des Netzes gestellt, die die Stadtwerke Neumünster nicht erfüllen konnten, sagt deren Sprecher Nikolaus Schmidt.

Aber Barmstedt wollte sich nicht wieder zurückziehen, schließlich stünden die Energiekunden auf dem Spiel, sagt Freyermuth. Der Werkausschuss gab grünes Licht. Allerdings verhielten sich die Horster zurückhaltend. „Die warten wohl erst einmal ab, wer ihnen das beste Angebot macht.“ Von einem solchen Luxus-Angebot können die 20.000 Einwohner in den 17 Gemeinden der Ämter Rantzau und Elmshorn-Land nur träumen.

Zwar sind einige Dörfer wie Heede oder Hemdingen bereits über die Stadtwerke Barmstedt mit Glasfaser versorgt, aber nicht flächendeckend, sagt Arne Zentner vom Amt Rantzau. „Da werden die Rosinen herausgepickt.“ Darum hätten sich nun beide Ämter zusammengetan und eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen. Die komme zu dem Schluss, dass sich der Aufwand für sie lohnen würde, sagt Zentner. Wie hoch der Aufwand sei, will er nicht verraten. Er dürfte bei etwa 20 Millionen Euro liegen. Die Stadtwerke Neumünster verkabeln 34 Gemeinden im südlichen Steinburg für 38 Millionen Euro.

Mit Elmshorn haben die Barmstedter dagegen Frieden geschlossen. Dort verlegen die Stadtwerke Elmshorn mit ihrem e.NET-Projekt Glasfaser in den Neubau- und Gewerbegebieten, die dann die Produkte aus Barmstedt erhalten werden. „Wenn wir so nahe beieinander liegen, warum sollen wir nicht zusammenarbeiten“, sagt Werkleiter Sören Schuhknecht. „Das ist gut für die Bürger und für die Region.“