Pinneberg
Barmstedt

Ein Kulturschuster bezieht das alte Kino

Kulturschuster Matthias Grütz bezieht das ehemalige Saturn-Kino

Kulturschuster Matthias Grütz bezieht das ehemalige Saturn-Kino

Foto: Burkhard Fuchs

Matthias Grütz veranstaltet Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen im früheren Saturn-Kino. Start ist am 12. September.

Barmstedt.  Er ist gelernter Elektroinstallateur, war Animateur für Urlauber an den Stränden dreier Kontinente, spielte Theater und in Fernsehserien und sang in Musicals und Opernkonzerten. Zurzeit ist Multitalent Matthias Grütz, 37, bei einem Solartechnikunternehmen in Nordfriesland angestellt. Doch die große Leidenschaft des Barmstedters bleibt die Kulturarbeit. Und so will er aus dem im Mai geschlossenen Saturn-Kino eine Spielstätte für Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen machen.

„Kulturschusterei im Kino“ nennt er die neue Location, die gerade für die Eröffnung am Sonnabend, 12. September, renoviert wird. Der Name ist Programm und spielt auf die 200 Jahre währende Tradition seiner Heimatstadt als Schusterstadt an. „Ich will hier kulturell etwas Besonderes für Barmstedt zusammenschustern“, beschreibt Grütz sein Projekt.

Dass er mal das Kino übernimmt, das sein Vater Jürgen Grütz 1982 aufgemacht und 20 Jahre lang neben anderen Lichtspielhäusern in Quickborn, Kaltenkirchen und Alveslohe geführt hatte, war Sohn Grütz immer klar. Jedes Mal, wenn es drohte, dass kein neuer Betreiber fürs Kino gefunden werden konnte – was 2002 und 2009 noch glückte – sprach er seinen Vater an: „Du weißt, ich habe Theaterschauspiel gemacht und Blut geleckt. Lass’ mich bitte den Laden übernehmen.“

Die alten Stuhlreihen sind schon raus

Nun, da Reinhard Klietz mit 65 Jahren aufhörte, drang er mit dem Wunsch bei seinem alten Herrn endlich durch. „Das Schlimmste für mich wäre, wenn hier ein weiterer Ein-Euro-Shop oder Supermarkt einziehen würde“, sagt Matthias Grütz. Den Segen seines Vaters scheint er zu haben. Der 67-Jährige legt selbst fleißig Hand an bei den Renovierungsarbeiten. Die alten Stuhlreihen sind raus, der Eingangsbereich umgestaltet, der Vorführraum abgebaut, die Beleuchtung verändert. Vater Grütz sagt: „Ich lasse mich überraschen, wie sich die Ideen meines Sohnes hier umsetzen lassen.“

Und der sprüht nur so vor Projektideen. Der Theaterverein, der seit Jahren im Kino probte und aufführte, dürfe natürlich weitermachen und wird am 9. Oktober die Premiere seines neuen Stücks „Gott des Gemetzels“ präsentieren. Bis in den Januar hinein hat er bereits Künstler, Musiker und Autoren engagiert. Darunter sind mit Soundstory (25. September) die Gewinner des Barmstedt-Jubiläums-Songs, die Punkrock-Band Miss March (3. Oktober) und Ulli Baums Tree Cole (7. November). Zum Weihnachtsmarkt (27. November) gibt es eine Elvis-Parodie, und am 2. und 3. Januar wird das Duo Asita Djavadi und Jan Böck aus Reutlingen mit einem Edith-Piaf-Liederabend den Pariser Star würdigen. Eine Hommage an den großen Humoristen Loriot sei für Anfang 2016 geplant, kündigt Kulturschuster Grütz an, der selbst als Blechmann im „Zauberer von Oz“ bundesweit auf Kindertheatertournee war und 2006 in der ersten der mehr als 2000 Folgen der ARD-Serie „Rote Rosen“ in Lüneburg einen Gärtner spielte.

„Ich möchte das ehemalige Kino zu einer Bühne und einem Sammelpunkt für alle Kulturschaffenden machen“, kündigt er an. Salsa-Tanzkurse könnte er sich vorstellen. Amateurbands, die mal vor Publikum spielen wollen, seien willkommen. Mit dem örtlichen Kulturverein Pfiff plant er Kooperationen.

Zielgruppe: Kulturfreunde aus der Region

Seine Zielgruppe seien Kulturinteressierte aus der Region, denen der Weg nach Hamburg zu weit und die lieber für zwei Stunden Konzert oder Lesung mit dem Fahrrad oder zu Fuß in die Barmstedter Innenstadt kommen möchten. Platz habe er für bis zu 150 Besucher, sagt Grütz.

Das kleine Kino mit seinen 30 Sitzplätzen im Obergeschoss bleibt erhalten. Das könnte für Kindergeburtstage oder private Feiern genutzt werden, die ihren eigenen Film mitbringen und auf Großleinwand sehen wollten. Als Geldanlage sieht Grütz sein Projekt nicht. „Mir würde es reichen, wenn ich mit den Eintrittsgeldern Strom, Heizung und Miete bezahlen kann.“ Darum will er diese auch moderat zwischen fünf und 15 Euro belassen. „Nur für den
Piaf-Abend fehlt mir noch ein Klavier“, hofft Grütz auf Unterstützung.

Mit einem Live-Konzert mit Solokünstlerin Cathrine Auer startet die neue Kulturschusterei Am Markt 16 in Barmstedt am Sonnabend, 12. September, um 20 Uhr. Auer erreichte dieses Jahr den zweiten Platz beim NDR-Bandcontest auf der Kieler Woche. Der Eintritt kostet acht Euro im Vorverkauf und zehn Euro an der Abendkasse.