Pinneberg
Quickborn

Anwohner wehren sich gegen Pläne für Ruine

Hinter diesen grünen idylle liegt der „Schandfleck“ der Torfstraße in Quickborn. Anwohner Jürgen Saleskat fürchtet die Größe der Neubebauung

Hinter diesen grünen idylle liegt der „Schandfleck“ der Torfstraße in Quickborn. Anwohner Jürgen Saleskat fürchtet die Größe der Neubebauung

Foto: Burkhard Fuchs

Nachbarn des Gebäudes an Quickborner Torfstraße pochen auf Einhaltung des B-Plans. Sie fürchten Wertverlust für ihre Immobilien.

Quickborn. Jahrzehntelang lag das Grundstück an der Torfstraße im Dornröschenschlaf. Es war verlassen, die Gebäude verfielen und entwickelten sich in direkter Nachbarschaft zum Quickborner Rathaus aus Sicht der Verwaltung zur Bauruine, weil eine heillos zerstrittene Erbengemeinschaft sich nicht über die weitere Verwertung einig werden konnte. Doch nun ist das alte Grundstück der Familie Heinrich rechtskräftig an ein Elmshorner Wohnungsbauunternehmen verkauft worden, das dort etwa 30 zum Teil sozial geförderte Wohnungen errichten will.

Diese bislang öffentlich nicht diskutierten Pläne des Investors schrecken nun die Anwohner des benachbarten Rathausstieges auf. Sie pochen wie Jochen Saleskat, 69, auf Einhaltung des geltenden Bebauungsplanes, der an dieser Stelle nur eine eineinhalbgeschossige Bauweise für Einfamilien- und Doppelhäuser vorsieht. „Wir Anwohner empfinden das Grundstück auch nicht als Schandfleck“, sagt Saleskat. „Ganz im Gegenteil. Wir sind froh, dass sich die Natur in beeindruckender Manier das Grundstück zurückerobert hat.“ Von seinem Balkon auf dem direkt angrenzenden Grundstück aus schaut er auf eine völlig zugewucherte Idylle. Wenn dort bald Geschosswohnungen stehen sollten, fürchtet er um seine Ruhe und den Marktwert der eigenen Immobilie.

Saleskat hat diese Sorgen, die alle seine Nachbarn teilen würden, bereits in einem Schriftwechsel der Verwaltung vorgetragen. Seit 1979 wohnten er und seine Frau Elke in dem Reihenhaus im Vertrauen darauf, dass nebenan im Höchstfalle eine Doppelhaus-Bebauung möglich wäre, argumentiert der Rentner und spricht konkret Bürgermeister Thomas Köppl an: „Wir stehen unter dem Eindruck, dass wir Ihnen als Altbürger dieser Stadt nichts mehr wert sind und Sie nur noch Neubürger im Fokus haben.“

Die spontane Antwort von Bürgermeister Köppl auf seine Anfrage auf einer Fachausschusssitzung hat ihn elektrisiert. Darin hatte Köppl bestätigt, dass die Verwaltung mit dem neuen Eigentümer des Areals über die künftige Nutzung verhandele und dabei auch das frühere Bücherei-Grundstück an der Boxholmstraße mit in die Überlegungen einbeziehe. Würde die Stadt es an den Elmshorner Investor veräußern, wäre das „Sahne-Grundstück“ in Citylage auf etwa 3000 Quadratmeter mit Wohnungen zu bebauen. Dabei würde allerdings auf eine „moderate Bebauung“ geachtet, die sich in die Nachbarschaft verträglich einpasse, versichert Köppl. Fachbereichsleiterin Friederike Lattmann betont: „Die Planung wird Rücksicht auf die vorhandene Bebauung nehmen. Wir werden dort nichts überfrachten.“ Eine zweigeschossige Bauweise plus Staffel- oder Dachgeschoss sei dort aber denkbar.

Die Verwaltung will die konkreten Pläne des Investors im Herbst der Politik vorstellen, die dann zu befinden hat, ob das Pavillon-Grundstück der Stadt dazu verkauft werden soll. Sollte die Politik es befürworten, würden die Anwohner im Zuge des zu verändernden Bebauungsplanes angehört und könnten Bedenken dagegen äußern, so Köppl. Dabei würden öffentliche und private Interessen „gegeneinander und untereinander gerecht“ abgewogen.

Saleskat und seinen Mitstreitern reicht das nicht. „Notfalls werden wir dagegen klagen“, kündigt er an und vergleicht die Problematik mit dem Streit um ein Gewerbegebiet an der Bahnstraße in Ellerau. Gegen das Vorhaben der Nachbargemeinde hat die Quickborner Verwaltung Einspruch eingelegt und droht mit einer Klage. „Wie sich die Bilder gleichen“, findet Saleskat und sagt in Richtung Köppl: „Nur sind Sie in unserer Situation Ellerau, und wir sind Quickborn. Sie wollen etwas, was wir nicht wollen.“ Er hoffe auf Verständnis der Verwaltung für die Sorgen der Anwohner des Rathausstieges.