Pinneberg
Quickborn

Bürgermeister fordert Widerstand gegen Fluglärm

Foto: Jens Büttner / dpa

Zahl der Flüge über Hasloh und Quickborn steigt, vor allem spätabends. Bürgermeister Köppl fordert mehr Widerstand

Quickborn.  Der ohnehin ungleich verteilte Fluglärm zu Lasten des nordwestlichen Umlandes des Hamburger Flughafens – Norderstedt, Hasloh und Quickborn – droht sich weiter zu verschlimmern. Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl fürchtet, dass die vom Lärm betroffenen Schleswig-Holsteiner gegenüber den Hamburgern weiter benachteiligt werden könnten. So war er im Juli der einzige Vertreter des Kreises Pinneberg bei einem Runden Tisch mit 40 Personen, der von Hamburger Interessensgruppen dominiert wurde. Auch Reimer Lange aus Quickborn, stellvertretender Vorsitzender der Fluglärmschutzkommission, klagt: "Nach 22 Uhr fliegt alles über Quickborn. Das ist nicht hinnehmbar. Aber da kämpfe ich leider auf verlorenem Posten."

So sind in diesem Jahr die Zahl der Starts und Landungen im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um fünf Prozent gestiegen. 40,4 Prozent der 75.856 Flüge im ersten Halbjahr wurden über die nordwestliche der vier Bahnen in Richtung Hasloh und Quickborn abgewickelt. Das entspricht zwar dem Größenverhältnis der Vorjahre. Was aber Köppl und Lange beklagen, ist die wieder stark zunehmende Zahl an späten Flügen (nach 22 Uhr), die mit 5773 Flügen 2014 (plus 20 Prozent im Vergleich zu 2013) nach jahrelangem Rückgang wieder den Stand von 2008 erreicht haben. Bis Juni 2015 ist die Zahl der Flüge nach 23 Uhr mit 349 noch mal um 22 Prozent im Vergleich zu 2014 gestiegen. Nach den Bahnbenutzungsregeln – möglichst alle Starts in Richtung Quickborn und nach 22 Uhr auch alle Landungen von dort – wird die Nachtruhe für die Bürger im nordwestlichen Umland noch mehr gestört als zuvor . Für jedes Flugzeug können jetzt online unter www.travisham.topsonic.aero die Lärmwerte abgelesen werden.

Dramatisch erscheint aus Sicht der Region auch die Entwicklung bei den Starts, die dieses Jahr von 51 auf 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sind. Im April starteten sogar fünf Maschinen in Richtung Nordwesten, klagt Reimer Rathje aus Norderstedt, der mit seiner Anti-Fluglärm-Initiative 2013 auf Anhieb in die Norderstedter Stadtvertretung gewählt worden ist. "Am letzten Wochenende starteten die Flieger ohne Unterbrechung über unsere Häuser. Das war Terror", sagt er. Mit der Windrichtung habe dies nichts zu tun. "Heute haben wir Ostwind, und alle Flugzeuge starten über Norderstedt und Quickborn – trotz Seitenwindes."

Für Rathje ist dies ein Beleg dafür, dass die Hamburger Politik einknicke vor der starken Lobby aus Duvenstedt und den Walddörfern. "Da haben wir in Schleswig-Holstein das Nachsehen." Dieser Ansicht ist auch Eberhard von Lany, der jahrzehntelang mit seiner Quickborner Initiative Flugschneise Nord für eine gerechtere Verteilung des Fluglärms gekämpft und zeitweise eine Klage gegen den Hamburger Senat erwogen hatte. Die Hamburger Kollegen seien mit ihrer Initiative, die mitten im Bürgerschaftswahlkampf im Frühjahr dieses Jahres einen 16-Punkte-Plan für weniger Fluglärm in Hamburg ausgearbeitet hatte, sehr aktiv, sagt von Lany. Er hatte seinen Verein Ende 2013 nach 40 Jahren aufgelöst, weil er die Unterstützung von Verwaltung und Politik aus Quickborn vermisste. "Der Druck aus Hamburg ist groß. Für uns hat sich die Sache weiter zum Nachteil entwickelt. Wir bekommen jetzt mehr auf die Ohren." Nun sei es fast zu spät, gegenzusteuern. "Wir stehen dem machtlos gegenüber." Diese Aussagen werden von der Zahl der Beschwerden gestützt. Seit 2012 haben die sich aus dem Hamburger Osten verfünffacht, in diesem Jahr noch mal auf etwa 3000 verdoppelt, während sie aus Quickborn und Hasloh rückläufig sind. Das hat aus Sicht Köppls aber eher mit Resignation und fehlender Lobbyarbeit zu tun.

"Ich bedauere sehr, dass es die IG Flugschneise nicht mehr gibt. Sie hat für die Interessen unserer Bürger viel bewirkt und uns in der Verwaltung viel Arbeit erspart." Auch wenn es oft so scheine, als würden diese Initiativen kaum etwas erreichen. "Es wird auf sie gehört, und sie verhindern Schlimmeres. Es ist dringend erforderlich, dass Hamburg mehr Gegenwind spürt."

Darum sei er froh, dass zumindest in Norderstedt noch eine starke Initiative gegen den zunehmenden Fluglärm im Umland vorhanden sei, so Köppl. Es wäre fatal für die Bürger, die in Hasloh und Quickborn in der Einflugschneise leben, wenn der politische Druck aus dem Hamburger Osten dazu führe, dass die Bahnbenutzungsregeln noch strikter eingehalten werden. "Ich fordere alle Bürger auf, sich wieder stärker zu beschweren, wenn ihnen der Fluglärm zu laut vorkommt." Dies ist per Mail möglich: fluglaerm@bue.hamburg.

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