Pinneberg
Kirchengemeinde

Architektenpreis für Kirche in Sparrieshoop

 Pastor Tobias Jäger (r.) und  Architekt Andreas Christian Hühn freuen sich über die Auszeichnung

Pastor Tobias Jäger (r.) und Architekt Andreas Christian Hühn freuen sich über die Auszeichnung

Foto: Burkhard Fuchs

Die 2014 neu errichtete Osterkirche in Sparrieshoop bei Elmshorn wird im Oktober mit dem Architekturpreis des Landes ausgezeichnet.

Sparrieshoop. Es war der erste Kirchenneubau seit 30 Jahren in Schleswig-Holstein. Für 1,9 Millionen Euro hat die evangelische Kirchengemeinde Barmstedt für ihre 2500 Mitglieder in Klein Offenseth-Sparrieshoop, Bokholt-Hanredder und Groß Offenseth-Aspern in Sparrieshoop ein neues Gotteshaus errichten lassen. Jetzt wird die 2014 fertiggestellte Osterkirche für ihre hervorragende Architektur vom Bund deutscher Architekten mit dem Architekturpreis für Schleswig-Holstein ausgezeichnet, der alle vier Jahre vergeben wird. Von zwölf prämierten Bauprojekten ist es das einzige aus dem Kreis Pinneberg.

„Diese Auszeichnung macht uns natürlich stolz“, sagt Pastor Tobias Jäger. „Wir sind ohnehin von dem hellen, lichtdurchfluteten Sakralbau begeistert.“ Die Gemeinde habe seit der Einweihung der Kirche vor einem Jahr regelrecht Aufwind erfahren, freut sich der Geistliche. „Wir haben zum Teil doppelt so viele Gottesdienstbesucher wie vorher.“ An normalen Sonntagen kämen jetzt 40 statt 20 Gläubige, Weihnachten 300 statt 200 Menschen. Dann muss auch der Gemeindesaal geöffnet werden, damit alle Platz finden.

Die Jury, die aus 56 Projekten jene zwölf Preisträger auswählte, überzeugte vor allem der ortsprägende Charakter des Kirchneubaus, der neben dem Altarraum für 150 Besucher und dem Gemeindehaus eine Tagesstätte für 35 Kinder unter sechs Jahren in das Gebäude integriert. Dadurch sei ein neuer Dorfmittelpunkt geschaffen worden. „Formal, materiell und ästhetisch bilden Kirche, Gemeindehaus und Kita ein Gebäudeensemble, das sich aus dem typologischen Grundmuster des Klosters ableitet und eine Haltung der Bescheidenheit postuliert“, heißt es in der Laudatio. Es seien vertraute, archetypische Bilder und Motive, Formen und Materialien verwendet worden, die jedoch durch eine Überhöhung ins Markante das Kirchenzentrum aus dem profanen Kontext des Umfeldes hervorheben würden.

Dies sei gestalterisch auch so gewollt, erklärt Architekt Andreas Christian Hühn vom Architektenbüro Petersen Pörksen Partner mit Sitz in Hamburg und Lübeck. „Wir wollten helle, freundliche Räume mit viel Tageslicht schaffen.“ Ein Oberlicht, das in 14 Metern Höhe über die gesamte Holzdachstuhllänge verläuft, bilde eine Achse mit dem Altarraum und lenke so das Licht direkt auf den Altar. Dadurch sei der 200 Quadratmeter große Kirchsaal oft so lichtdurchflutet, dass die Besucher nicht die Projektionen erkennen könnten, die sein Beamer an die Wand werfe, erklärt Pastor Jäger. Denn mit Beamer und moderner Lautsprecheranlage sei das Gotteshaus nun auch mit der neuesten Technik ausgestattet. „Da gab es großes Staunen, als ich während eines der ersten Gottesdienste die Musik von meinem Smartphone in der Kirche erklingen ließ“, sagt Jäger.

Für sein Architektenbüro sei dieses Projekt „etwas ganz Besonderes“ gewesen, sagt Hühn. Zwar wurden bereits in Bargteheide eine Kirche saniert oder jetzt in Wilhelmsburg eine andere völlig neu gestaltet. „Aber einen Kirchenneubau hat es in Schleswig-Holstein lange nicht gegeben.“ Zuletzt war die Bugenhagen-Kirche 1984 in Klein Nordende neu errichtet worden. „Insofern stand unser Entwurf von Anfang an unter Beobachtung der Fachleute und im Blickfeld der Landeskirche“, sagt Architekt Hühn.

Finanziert werden konnte der Neubau mithilfe einer 750.000-Euro-Förderung aus EU-Mitteln als „Leuchtturm-Projekt“ für die Region, erläutert Pastor Jäger. Der Rest wurde über Darlehn finanziert. Er selbst habe den Bau, der mit zwei Jahren etwas länger als geplant dauerte, von Beginn seiner Amtszeit an miterlebt. Seinem Amtsvorgänger Andreas Pawlas gebühre das Verdienst, sich über Jahre für den Neubau in Sparrieshoop eingesetzt zu haben. Besonders schön seien nun die Familiengottesdienste, so Pastor Jäger. wenn die Kinder mit Kerzen aus dem Kirchsaal ins Gemeindehaus umzögen, wo sie ihr eigenes Programm haben.