Pinneberg
Verkehrspolitik

Ein Pinneberger Stadtteil kämpft gegen Raser

Kinder im Pinneberger Stadtteil Eggerstedt appellieren an Autofahrer, vom Gas zu gehen

Kinder im Pinneberger Stadtteil Eggerstedt appellieren an Autofahrer, vom Gas zu gehen

Foto: Andreas Daebeler / HA

Verkehr wird in Eggerstedt zunehmend zum Problem. Die Stadt reagiert auf Klagen gegen eine westliche Erschließung der Parkstadt

Pinneberg.  Im Pinneberger Stadtteil Eggerstedt wohnen jede Menge Familien. Im Umkreis gibt es mehrere Schulen, Kindergärten und ein Jugendzentrum. Und es gibt Autos. Viele Autos. Die werden immer mehr zum Problem. Nachdem Anwohner des Heidewegs bereits im März Alarm schlugen, weil ihre Straße von Autofahrern als Ausweichstrecke genutzt wird, rückt jetzt die Straße An der Raa in den Fokus. Saim Cetinkaya und Eugenia Koch-Wunder, die den dort beheimateten Jugendtreff „Komet“ leiten, berichten von rücksichtslosen Rasern und zunehmendem Schwerlastverkehr in der als Tempo-30-Zone ausgewiesenen Straße. Sie haben reagiert. Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen sind bunte Verkehrsschilder entstanden, die Autofahrer sensibilisieren sollen.

Cetinkaya rutscht, wie er sagt, jedes Mal das Herz in die Hose, wenn ein Ball vom Bolzplatz neben dem Jugendzentrum auf die Straße fliegt. Vor allem, seit nebenan im ganz großen Stil gebaut wird. Auf dem Areal der früheren Eggerstedt-Kaserne entsteht ein neuer Stadtteil mit 250 Wohneinheiten. Eine Megabaustelle, die zusätzlichen Lkw-Verkehr mit sich bringt. Hinzu komme, dass die Straße An der Raa, an der allein zwei Kitas beheimatet sind, mittlerweile unter Brummi-Fahrern ein beliebter Ort zum Rasten sei. Bislang sei zwar keinem Kind etwas passiert. „Aber das ist einfach nur Glück“, sagt Saim Cetinkaya. Auch Nutzer der nahegelegenen Sportanlagen gehörten zu den Rasern. „Viele übersehen die Tempo-30-Schilder einfach.“

Schulwegsicherung liegt Grünen am Herzen

Die Fraktion der Grünen und Unabhängigen wird die Verkehrssituation rund um die Kaserne nach der politischen Sommerpause auf die Tagesordnung bringen. Vor allem die Schulwegsicherung liegt Fraktionsmitglied Manfred Stache am Herzen: „Die Situation am Thesdorfer Weg ist katastrophal, dort gibt es ständig gefährliche Situationen.“ Eine der Kernforderungen sei die Einrichtung von Fahrradstraßen. „Wir haben in diesem Fall die Unterstützung der Schulen“, so Stache. Raser seien weiterhin auch auf dem Heideweg ein Problem. Anwohner hoffen auf ein Einlenken der Stadt. Die Straße müsse für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.

Neben dem Baustellenverkehr sorgen Bauarbeiten der Stadtwerke seit Monaten für Verkehrsbehinderungen im Quartier. Weil Abwasserkanäle saniert werden, müssen sich auch Lkw-Fahrer Ausweichweichstrecken suchen. Der Hogenkamp war diesbezüglich im Frühjahr stark belastet.

Dort hat sich eine Anwohnerinitiative formiert, die den Blick auch in die Zukunft richtet. Denn die Erschließung der Parkstadt Eggerstedt ist seit Jahren ein Zankapfel. Die Stadt plant, den neuen Stadtteil westlich an die LSE anzubinden – ganz im Sinne der Menschen am Hogenkamp. Anwohner der Vogelsiedlung, an deren Häusern die neue Straße vorbeiführen würde, bekämpfen diese Planung mittels Normenkontrollklagen. „Das Verfahren läuft, die Stadt hat kürzlich auf die Antragsbegründung der Kläger geantwortet“, so Ulrich Seyffert, Sprecher des zuständigen Oberverwaltungsgerichts in Schleswig. Von einem Verhandlungstermin sei man noch weit entfernt. „Wir halten an der westlichen Anbindung fest“, so Rathaussprecher Marc Trampe.