Pinneberg
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Wohnungsbau: Krötenretter wettern gegen Stadt

Foto: Anne Dewitz / HA

Fast 2000 Amphibien sammelten Helfer am Hogenkamp in Pinneberg ein. Die Tiere werden durch den Bau neuer Wohnungen bedroht.

Pinneberg. Monatelang sind die Brüder Oliver, 7, Tobias, 5, und Fabian, 3, mit ihrer Mutter Aenne Böthern sonntags um 6.30 Uhr zum Hogenkamp in Pinneberg gekommen, um Fröschen und Kröten bei ihrer Wanderung von Februar bis April heil über die Straße zu helfen. An einem Tag sammelten sie sogar 355 Tiere am Krötenzaun ein und brachten sie in Eimern sicher auf die andere Seite – Tagesrekord.

Die Straße ist zwar nicht besonders breit, doch eine Kröte braucht rund 20 Minuten, wenn sie diese bei Einbruch der Dunkelheit selbst überquert. Dabei kamen in der Vergangenheit zahlreiche Tiere unter die Räder. „Mit unserer Aktion konnten wir gemeinsam 1952 Amphibien davor bewahren, möglicherweise von einem Auto überfahren zu werden. So viele wie nie zuvor“, sagt Rainer Reischuck vom Umwelthaus Pinneberg, der das Schutzprojekt vor 18 Jahren mit einer Handvoll Gleichgesinnter initiierte. Der BUND hatte zwischenzeitlich den Krötenzaun betreut, bevor die Schutzmaßnahme 2011 vom Umwelthaus übernommen wurde. „Offenbar schätzen auch Frösche diesen Shuttle mittlerweile“, sagt Reischuck, der 100 von ihnen zählte. Er überreichte den drei Brüdern zum Dank für ihren Einsatz Urkunden und Bücher.

Doch der Erfolg wird von den Plänen der Stadt Pinneberg, entlang des Hogenkamps neue Wohnungen bauen zu lassen überschattet. „Mit den Wohnbaumaßnahmen am Rodelberg und Voßbarg, auf dem ehemaligen Aufzuchtgelände des Grünflächen- und Friedhofsamtes und der massiven Bebauung auf dem ehemaligen Gelände der Eggerstedt-Kaserne verstärkt die Stadt den Druck auf den wichtigen Wanderweg der Amphibien in diesem Bereich“, sagt Reischuck. „Die Stadt plant weitere Versiegelungen von Grünflächen direkt gegenüber dem Stadtfriedhof.“

Der Umweltaktivist ist verärgert über „die Ignoranz im Rathaus: Wir haben der Stadt angeboten, diese Flächen naturschutzgemäßer zu pflegen durch Mahd statt Mulchen, für mehr Pflanzenvielfalt. Bislang blieb jede Anfrage ohne Antwort.“ Die jährlich mindestens 100 Stunden ehrenamtlicher Arbeit sollten nicht dazu führen, dass sich die Stadt ihrer Pflichten entziehe. Er erwarte ein Entgegenkommen der Landschaftsplanung.