Elmshorn

Anwohner kämpfen für ihren Discounter

| Lesedauer: 4 Minuten
Anne Dewitz
Katrin Timm und Mitstreiter wollen die Schließung ihres Lidl an der Ansgarstraße in Elmshorn verhindern

Katrin Timm und Mitstreiter wollen die Schließung ihres Lidl an der Ansgarstraße in Elmshorn verhindern

Foto: Anne Dewitz / HA

Unternehmen Lidl darf den Markt an der Ansgarstraße in Elmshorn nicht vergrößern. Verwaltung will kleine Nahversorger schützen.

ElmsHorn. Beinahe jeden Tag geht Katrin Timm hier einkaufen. Nun soll der Lidl-Markt an der Ansgarstraße Ende des Jahres geschlossen werden. Das will die 46-Jährige so nicht hinnehmen. Kurzerhand organisierte sie eine Unterschriftenaktion, legte eine Liste im Supermarkt aus. Zirka 1700 Unterschriften kamen bereits zusammen – in weniger als vier Wochen.

„Wir möchten gar nicht, dass der Lidl schließt. Der Markt hat Bestandsschutz und steht auf Privatgelände“, sagt Silke Faber, Leiterin der Stadtentwicklung. „Wir wollen aber auch keine Vergrößerung des Discounters an dieser Stelle, um das Nahversorgungszentrum an der Meteorstraße rund um den Edeka mit Fleischer, Backstube und Apotheke nicht zu gefährden.“ Zumal der Standortbereich, der sich über die Meteorstraße, Ollnstraße und Eichstraße erstreckt, bereits als geschwächt gilt.

Die Verwaltung hatte 2011 ein Einzelhandels- und Nahversorgungskonzept erstellt, mit dem Ziel den Einzelhandel in der Innenstadt sowie drei weitere Nahversorgungszentren im Bereich Hainholzer Markt, Koppeldamm und eben an der Meteorstraße zu schützen. „Neuansiedlungen von Lebensmittelmärkten an der B 431, am Heidmühlenweg oder der Achse Ansgarstraße/Hebbelstraße sollten ausgeschlossen werden, um das bestehende Nahversorgungszentrum nicht zu gefährden“, heißt es in dem Konzept.

Zeitgleich soll die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Und dies sei auch noch nach der Schließung des Lidl an der Ansgarstraße der Fall, so Silke Faber. Im direkten Umkreis befänden sich diverse Supermärkte. Der Netto an der Reichenstraße und Edeka an der Meteorstraße befinden sich in unmittelbarer Nähe zum von der Schließung bedrohten Lidl. „Für mich ist es ein Problem, wenn ich mich umorientieren soll“, sagt Rosemarie Janssen. Die 80-Jährige fährt mehrmals in der Woche mit dem Rad hierher zum Einkaufen. „Die Mitarbeiter sind freundlich, der Markt ist übersichtlich und es ist nicht so teuer“, sagt die Anwohnerin, die Timms Petition unterschrieben hat.

Katrin Timm war schon einmal mit einer Unterschriftenaktion erfolgreich

Birgit Bornholdt geht es ähnlich. Sie ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und freut sich, dass sie den Lidl-Markt vor der Haustür hat. Auch Joachim Steffen kommt mehrmals die Woche. „Ich koche täglich frisch und kaufe immer nur soviel ein, wie ich auch verbrauche.“ Damit wäre dann im kommenden Jahr Schluss.

Die Unterschriftenliste will Katrin Timm in der nächsten Woche im Rathaus abgeben. In der Vergangenheit hatte sie mit dieser Art des Protests schon Erfolg. Damals richtete er sich gegen das Vorhaben der Stadt, die Fahrradwege auf die zu sanierende Ansgarstraße zu verlegen und einen davon sogar durch einen Streifen parkender Autos vom Gehweg zu trennen. Die Radwege blieben beidseitig erhalten.

„Hier leben viele ältere Menschen, die nicht mit dem Auto zum nächsten Lidl an der Hamburger Straße oder an der Ost-West-Brücke kommen und auch nicht ihre Einkäufe weit schleppen können“, sagt Katrin Timm. „Und mit einer kleinen Rente kann sich nicht jeder leisten, auf den Edeka auszuweichen.“ Auch sie macht sich Sorgen, dass ihr Stadtteil veröden könnte, indem immer mehr Läden verschwinden. Erst kürzlich haben ein Bäcker, ein Schuhladen und ein Blumenladen hier schließen müssen“, sagt sie. „Hier ist bald nichts mehr.“

Das sei auch die Sorge anderer Elmshorner gewesen, die sich bereits vor zwei Jahren hilfesuchend an die Verwaltung gewandt hätten, sagt Silke Faber. „Ihre Befürchtung war, Lidl würde sich an dieser Stelle vergrößern.“ Damals hätte es massive Proteste dagegen gegeben, woraufhin sich Verwaltung und Politik gegen eine Vergrößerung ausgesprochen hätten. „Jeder Quadratmeter mehr Verkaufsfläche bedeutet an anderer Stelle einen Verlust für kleinere Einzelhändler“, sagt die Stadtentwicklungs-Chefin.

Die Filiale Am Eiskeller 26 biete nicht mehr die Voraussetzungen, um den Kunden das gesamte Sortiment anzubieten und einen bequemen Einkauf zu ermöglichen, heißt es in einem Statement von Lidl. Der Mietvertrag für diesen Standort sei ausgelaufen und eine Vergrößerung nicht möglich, weshalb die Filiale voraussichtlich im November geschlossen werde. Alle betroffenen Mitarbeiter würden weiterhin in anderen Lidl-Filialen beschäftigt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg