Pinneberg
Moorrege

Die Ortsgeschichte in der NS-Zeit aufarbeiten

Hauke Heidecke (rechts) und Uwe Mahnke wollen die Geschichte Moorreges zur Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten

Hauke Heidecke (rechts) und Uwe Mahnke wollen die Geschichte Moorreges zur Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Zwei Moorregerwollen Lücken schließen und suchen Informationen. Schüler sollen über einen Wettbewerb zum Mitmachen animiert werden.

Moorrege/Uetersen/Tornesch.  Für Hauke Heidecke und Uwe Mahnke war die 2012 veröffentlichte Moorreger Ortschronik eine Enttäuschung: Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der 534 Seiten beschäftigte sich mit Moorrege im Nationalsozialismus. Die beiden Hobbyhistoriker machten es sich danach zur Aufgabe, die Lücken zu schließen. Um Informationen zu sammeln, laden sie für den heutigen Dienstag um 19.30 Uhr ins Haus des Kulturforums, Klinkerstraße 58, ein. Motto: „Moorrege im Dritten Reich – wer weiß noch etwas“. „Wir sind an allem interessiert“, sagt Hauke Heidecke, „etwa an Dokumenten, Fotos und Aufzeichnungen“. 2014 hatten sie ein erstes Treffen organisiert und sind seitdem damit beschäftigt, die Materialien zu sichten beziehungsweise weitere Interviews zu führen.

So fanden sie beispielsweise heraus, dass schwangere Zwangsarbeiterinnen im Cäcilie-Bleeker-Stift in Uetersen entbanden und anschließend auf ein Gehöft in Kölln-Reisiek gebracht wurden. Die beiden waren überrascht von der hohen Zahl der Geburten, ohne sie jedoch genau beziffern zu können. Mahnke hat das Schicksal einer Russin recherchiert, die in Moorrege arbeitete, deren Sohn kurz nach der Geburt laut Krankenhausakten an „Lebensschwäche“ starb und die anschließend wieder in Moorrege zum Arbeitseinsatz kam. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter mussten häufig die Arbeits- und Wohnorte wechseln. Deswegen sind die beiden auch an Informationen aus den Nachbarkommunen interessiert.

Eine neue Form der Aufarbeitung hat der „Förderverein Gegen das Vergessen – Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung 1933-1945“ vor eineinhalb Jahren mit einer Website gefunden, auf der Rechercheergebnisse eingestellt werden können. Erhard Vogt, einer der Initiatoren, macht dabei ein „steigendes Interesse“ aus. Der Förderverein will demnächst einen Wettbewerb starten, um speziell Schüler zum Mitmachen zu animieren.

Laut Vogt gibt es noch genügend Ansatzpunkte für geschichtsinteressierte Menschen. Auf alten Uetersener Karten werde etwa die heutige Friedrich-Ebert-Schule als „AHS“ abgekürzt, was für Adolf-Hitler-Schule steht. „Um dieses Thema hat sich noch niemand gekümmert“, so der Berufsschullehrer.

Annette Schlapkohl wird von Lehrern der Tornescher Klaus-Groth-Schule immer wieder eingeladen, während der Vorhabenwoche mit Schülern Themen zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufzuarbeiten. Bei Rundgängen lässt sie historische Texte von Schülern vortragen, etwa Befehle an die Hitler-Jugend oder Protokolle aus einem politischen Prozess gegen eine Tornescherin. „Das packt sie“, hat Annette Schlapkohl beobachtet. Die Historikerin leitet zudem die VHS-Geschichtswerkstatt, in der sich bis zu einem halben Dutzend Freizeitforscher regelmäßig treffen. „Der Austausch ist wichtig“, sagt die Wissenschaftlerin, „denn es gibt immer wieder Anregungen und Tipps, wie weitergearbeitet werden kann.“