Pinneberg
Kreis Pinneberg

Musik gibt im Unterricht den Ton an

Junge Streicher spielen in der Musikschule Pinneberg im Vororchester, das sie auf das Jugendsinfonieorchester vorbereitet.

Junge Streicher spielen in der Musikschule Pinneberg im Vororchester, das sie auf das Jugendsinfonieorchester vorbereitet.

Foto: Natalie Brewer

Öffentliche Musikschulen schicken jetzt ihre Lehrer in Klassen und Kindergartengruppen. So erreichen sie mehr Menschen.

Kreis Pinneberg. In vielen Schulen im Kreis Pinneberg fehlen Angebote für die Nachmittagsgestaltung. Besonders im Fach Musik herrscht häufig Mangel. Das ist eine Chance für die öffentlichen Musikschulen, die jetzt ihre Lehrer in Klassen und Kindergartengruppen schicken und somit mehr Menschen mit ihrem Angebot erreichen. Dank der Umstrukturierung sind die Anmeldezahlen in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Auch die privaten Musikschulen, die es deutlich schwerer haben, gehen Kooperationen mit anderen Bildungsträgern ein.

„Ganz locker bleiben und jetzt noch mal etwas schneller“, sagt Maike Mechelke, Leiterin des Vororchesters an der Musikschule Pinneberg. Mats Eggers’ Augen sind auf seine gelbe Mappe gerichtet. „Mückentanz“ steht auf dem Notenblatt. Die Orchesterleitung schlägt den ersten Ton auf dem Klavier an. Mats hebt den Bogen und lässt ihn über die Saiten seiner Bratsche gleiten. „Ich mag die tiefen, langsamen Töne“, sagt ihr Schüler.

Das Vororchester bereitet den Zehnjährigen auf das Jugendensemble vor, in dem zum Beispiel Songs aus „König der Löwen“ oder „Harry Potter“ erarbeitet werden. „Wir versuchen immer, gleich beides anzubieten, den Einzelunterricht am Ins­trument und das Ensemble-Spiel. Das ist Motivation. In der Gruppe müssen die Schüler auf andere hören, den Rhythmus genauer zählen, und sie fühlen sich miteinander verbunden“, sagt Winfried Richter, Leiter der Pinneberger Musikschule. Dies sei das Erfolgsrezept der öffentlichen Musikschulen und fehle ganz beim autodidaktischen Lernen etwa mit Youtube.

Klavier, Keyboard und Gitarre gehören zu den Dauerbrennern

Richter freut sich, dass seine Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen unterrichten. Dort, wo die Kinder und Jugendlichen den Großteil ihrer Zeit verbringen. „Da bilden sich ganz schnell Splittergruppen von Schülern, die besonders engagiert sind. Und die kommen dann in die Musikschule.“

Eine Bratsche wie die von Mats Eggers sei ein ungewöhnliches Instrument für den Einstieg in ein Orchester, sagt Richter. Zu den Dauerbrennern der Musikschulen gehören hingegen Klavier, Keyboard und Gitarre. Auch die Geige ist wieder beliebt. „Ihr Ton klingt sehr innig, er weckt Sehnsucht, er berührt“, sagt Michael Schröder, Leiter der öffentlichen Musikschule in Wedel. Manche Jugendlichen hätten auch konkrete Vorbilder wie David Garrett im Kopf. Denn viel hänge mit den Hörgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen zusammen.

„Das kommt immer in Wellen. In vielen Rockballaden, zum Beispiel in Castingshows, kommen neuerdings Oboen vor. Jetzt ist die Oboe wieder ein begehrtes Instrument. Und Harfe ist auch überall zu hören“, sagt Winfried Richter. Das musikalische Interesse der Kinder sei zwar oft vom Mainstream vorgeprägt, Richter sieht aber kein Problem darin, Schüler für Klassik oder andere Musikrichtungen zu begeistern.

Etwas anders denkt Harald Stockfleth aus Uetersen, dessen Musikschule keine öffentliche Förderung erhält. Um Schüler bei der Stange zu halten, sei es heute essenziell, auf ihre Neigungen einzugehen. „Was die Schüler wollen, geht alles in Richtung Pop, Schubert können Sie vergessen.“ Und der Einfluss der Eltern? „Es gibt Eltern, die treiben ihre Kinder zur Musik und andere, die interessiert das gar nicht“, sagt Musiklehrer Harald Stockfleth.