Pinneberg
Uetersen/Helsinki

Hatlapa: Konzern droht die Schließung an

Die Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa steht vor einer unsicheren Zukunft

Die Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa steht vor einer unsicheren Zukunft

Foto: Roehrbein, Ingo ( Hamburg ) / Röhrbein ( ingo-roehrbein.de )

Das Uetersener Maschinenbau-Unternehmen soll bis Ende Juli Einsparkonzept vorlegen. Fabrik beschäftigt 380 Mitarbeiter.

Uetersen/Helsinki. Die Uetersener Maschinenfabrik Hatlapa, die seit zwei Jahren zur Schiffbauabteilung MacGregor der finnischen Cargotec-Gruppe gehört, ist erneut in schweres Fahrwasser geraten. Dieses Mal droht sogar die Schließung des gesamten Standortes mit seinen zurzeit noch 380 Mitarbeitern. Damit es nicht zu diesem „Worst-Case-Szenario“ kommt, will die Geschäftsleitung bis Ende Juli ein Einsparkonzept vorlegen, das den Standort sichert. Ein Kernpunkt wird sein, vom Tarifvertrag abzuweichen.

Die Mitarbeiter sollen 40 statt bisher 35 Stunden pro Woche arbeiten – ohne Lohnausgleich. Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall sind informiert. Am 24. Juni sollen die Gewerkschaftsmitglieder darüber abstimmen.

Grund für diese neuerliche Krise des renommierten Herstellers von Ankerverholwinden, Kompressoren und Rudermaschinen, der fast 100 Jahre lang von 1919 bis 2013 als Familienbetrieb geführt wurde, sei die anhaltende Flaute im weltweiten Schiffbau, sagt Geschäftsführer Alexander Nürnberg. „Unser Marktumfeld ist zurzeit katas-trophal. Wir haben noch nie eine so schlechte Auftragslage gehabt“, sagt der Manager, der dem Unternehmen seit 25 Jahren angehört und bis vor zwei Jahren neben dem Enkel des Firmengründers Hubertus Hatlapa einer der drei Gesellschafter des Unternehmens war.

Auch andere Unternehmen leiden unter Absatzkrise

Der Schiffbau sei regelrecht eingebrochen, sagt Nürnberg. Während im vorigen Jahr noch 900 Handelsschiffe bestellt und gebaut wurden, seien es dieses Jahr nur noch etwa 300. Ein Grund dafür sei insbesondere der niedrige Ölpreis, der die Offshore-Ölförderung zum Erliegen gebracht habe, die in den vergangenen Jahren ein wichtiger Motor für den weltweiten Schiffbau gewesen sei. Erschwerend komme hinzu, dass die Wirtschaftsleistung in China plötzlich ins Stocken geraten sei. Da die Volksrepublik weltweit größter Besteller von neuen Containerschiffen Schiffen ist, wirkt sich dies krisenverschärfend auf die Branche aus.

MacGregor-Hatlapa sei nicht das einzige Unternehmen, das unter dieser Absatzkrise zu leiden habe. Rolls Royce, Nummer eins im weltweiten Schiffbau, hat im April angekündigt, jeden zehnten Arbeitsplatz abzubauen und so 600 Beschäftigte zu entlassen. Und Hatlapas Mutterkonzern Cargotec-MacGregor ließ im Frühjahr verlauten, dass 220 von 2750 Arbeitsplätzen vornehmlich in Skandinavien gestrichen werden würden.

Nun steht das jüngste Tochterunternehmen des finnischen Konzerns in Deutschland auf dem Prüfstand. „Wir wollen alles tun, um den Standort zu erhalten“, kündigt Geschäftsführer Nürnberg an. Vorige Woche seien Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall über die prekäre Lage informiert worden. Nürnberg ist überzeugt, dass die Konzernzugehörigkeit dem Uetersener Betrieb hierbei eher nützt als schadet. „Wenn wir noch selbstständig wären, hätten wir schon längst die Banken hier sitzen.“ Das sieht der Betriebsratsvorsitzende Rainer Dreyer, seit 33 Jahren bei Hatlapa, etwas anders: „Wir sind jetzt Teil eines Konzerns. Das ist nicht so lustig wie bei einem Familienunternehmen, wo man sich gegenseitig in die Augen schaut.“ Die Konzernchefs, die im August über das Schicksal des Uetersener Traditionsunternehmens zu entscheiden haben, sitzen weit weg in Finnland. Die Manager, die vor zwei Jahren den Kauf von Hatlapa eingefädelt haben, gehören nach Abendblatt-Informationen nicht mal mehr dem Unternehmen an.

Abstimmung der Gewerkschaftsmitglieder am 24. Juni

Geschäftsführer Nürnberg will jetzt bis Ende Juli den Konzernchefs einen Kostensenkungsplan vorlegen, der den Standort sichern soll. Kernpunkt ist wie bereits bei früheren Krisen in den 1990er-Jahren und 2008, dass die Belegschaft für ein, zwei Jahre nicht mehr tariflich bezahlt wird. Sie solle fünf Stunden zusätzlich pro Woche unentgeltlich arbeiten, was einer Gehaltseinbuße von 15 Prozent entspricht. Zugleich werde es wohl einen Arbeitsplatzabbau geben müssen. Genaue Zahlen wollen weder Geschäftsleitung noch Betriebsrat nennen.

Die Gewerkschaft ist bereits eingeschaltet, erklärt Sirko Hartmann, Sekretär der IG Metall Unterelbe. Der Antrag, eine gewisse Zeit aus dem Tarifvertrag auszuscheren, sei von der Geschäftsleitung gestellt. Darüber sollen die Gewerkschaftsmitglieder bei MacGregor-Hatlapa am 24. Juni abstimmen. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Arbeitsplätze am Standort Uetersen erhalten bleiben“, sagt Hartmann. Aber nicht zu jedem Preis. Die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens müsse gesichert sein, sonst mache die Kostensenkung auf Kosten der Mitarbeiter keinen Sinn. Diese seien ohnehin schwer gebeutelt. Die Drohung der Konzernspitze, ohne einen drastischen Sanierungsplan den Standort zu schließen, stelle ein enormes „Erpressungspotenzial an die Mitarbeiter“ dar.

Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen bangt mit der Belegschaft um deren Arbeitsplätze. „Die Situation ist sehr beunruhigend für sie, und ich hoffe, dass sie bleiben können und es hier bei Hatlapa weitergeht.“