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Elmshorn

Lisa Tomaschewsky: Von der Schulabbrecherin zum Filmstar

Hat mehr drauf, als nur hübsch auszusehen: Lisa Tomaschewsky

Hat mehr drauf, als nur hübsch auszusehen: Lisa Tomaschewsky

Foto: Anne Dewitz

Mit 14 Jahren verließ Lisa Tomaschewsky aus Elmshorn die Schule, um Model zu werden. Für die Rolle einer Krebskranken schnitt sie sich die Haare ab.

Elmshorn.  Viele Models versuchen sich mehr oder weniger erfolgreich als Schauspielerinnen: Naomi Campbell, Claudia Schiffer, Milla Jovovich, Gisele Bündchen oder Tyra Banks etwa. Das dieser von der Öffentlichkeit häufig belächelte Karrieresprung gelingen kann, beweist Lisa Tomaschewsky. Der gebürtigen Itzehoerin, die in Glückstadt aufwuchs und die Kooperative Gesamtschule Elmshorn (KGSE) besuchte, gelang der berufliche Wechsel – auch wenn oder gerade weil sie dafür einiges riskierte und bereit war, alles zu geben, damit es mit dem Schauspiel klappt.

Im Alter von 14 Jahren begann sie zu modeln, zunächst ohne Wissen ihrer Eltern. „Trotzdem habe ich die Schule nicht einfach so abgebrochen, es war eher ein schleichender Prozess“, sagt Lisa Tomaschewsky, die sich selbst als sehr eigensinnigen Menschen beschreibt. „Ich habe nur schon früh gespürt, einen kreativen Beruf ausüben zu wollen.“ Die Reaktionen von Lehrern und Mitschülern auf ihre Entscheidung interessierten sie nicht. „Mir war und ist es wichtig, dass ich mich in meiner Haut wohl fühle.“ Die Schule beendete sie zunächst mit dem Hauptschulabschluss. Ihr Abitur holte sie später im Fernunterricht nach.

„Meine Erinnerungen an die Schulzeit in Elmshorn sind gemischt“, sagt Lisa Tomaschewsky. „Es gab viele schöne Momente, mein Umfeld war bunt gemischt und dadurch habe ich mich sehr wohl an der KGSE gefühlt.“ Mit Bus und Bahn jeden Tag aus Glückstadt nach Elmshorn und zurück zu fahren, barg allerdings so einige Tücken. „Es war nicht immer einfach, pünktlich zum Unterricht zu erscheinen“, sagt sie. Bis heute hält die 26-Jährige Kontakt nach Elmshorn. „Eine meiner engsten Freundinnen aus der KGSE schreibt mir ab und zu mal“, sagt die Schauspielerin, die mittlerweile mit ihrem Lebensgefährten, dem Männer-Model Lars Burmeister, in Berlin lebt. „Vor zweieinhalb Jahren habe ich mich aus beruflichen Gründen dazu entschieden nach Berlin zu ziehen. Ich liebe Hamburg, aber es wurde Zeit für einen neuen Lebensabschnitt und um mich weiterzubilden im Schauspiel. Hierfür ist Berlin perfekt.“

Mit 18 Jahren war sie nach Hamburg gezogen, hielt sich zunächst auch mit Nebenjobs über Wasser, bevor sie von der Modelagentur Elite Models in Mailand unter Vertrag genommen wurde. Sie stand unter anderem für die Firmen Triumph Dessous, Tommy Hilfiger und Mexx vor der Kamera und stellte in mehreren Kampagnen das Gesicht der Marke dar. Mit 20 Jahren zog sie sich für das Männermagazin Playboy aus. Was andere darüber dachten, dass sie das Playmate des Monats Februar wurde, sei ihr egal gewesen und ihre Eltern – die Mutter arbeitet in einer Bank, der Vater baut Boote – hätten ihr auch in dieser Sache den Rücken gestärkt. Sie nahm Schauspielunterricht in Los Angeles und an der Schule für Schauspiel Hamburg. 2011 wurde sie für eine Hauptrolle in der ARD-Soap „Verbotene Liebe“ besetzt, war dort jedoch nur vom 13. April bis 6. Mai als Kim Wolf zu sehen, bevor sie wieder ausschied.

Nur kurze Zeit später folgte das Casting für die Tragikkomödie „Heute bin ich blond“, in der sie unter der Regie von Marc Rothemund ihre erste Kinorolle, nämlich die Hauptfigur der 21-jährigen, an Krebs erkrankten Studentin Sophie Ritter spielte, die sich von ihrer Krankheit nicht unterkriegen lässt. Dafür trennte sich das Model von ihren Haaren, Wimpern und Augenbrauen. „Die Glatze war Voraussetzung für das Casting“, sagt sie. „Unabhängig davon hätte ich mir trotzdem eine geschnitten, da an Krebs erkrankte Menschen auch keine Wahl haben und ich ihren Kampfgeist sehr bewundere.“ Sie habe erkrankten Menschen so auch ihren Respekt erweisen wollen.

Um sich auf die Rolle vorzubereiten, traf sie sich vor dem Dreh auch mit der Holländerin Sophie van der Stap, deren autobiografischer Bestseller-Roman als Vorlage für den Film diente.

Vor laufenden Kameras schnitt sich Lisa Tomaschewsky ihre Haare selber ab. Die Szene dauerte sieben Minuten. Zwei Kameras hielten alles in einem Take, also ohne Zwischenschnitt fest. Die Szene konnte ja nur ein einziges Mal gedreht werden. Erst schnitt sie den geflochtenen Zopf ab, dann setzte sie den Rasierer an. Als die Szene abgedreht war, brach sie am Set in Tränen aus. Die Haare waren nicht das einzige Opfer, das sie für den Film brachte. Um alles so real wie möglich aussehen zu lassen, ließ sie sich die Zugänge für Infusionen stechen, um vom Bewegungsapparat eingeschränkt zu sein.

Für die junge Frau war dieser Schritt auch der Abschied vom Modeln: „Mir war klar, dass ich mich mit dem Schnitt für die Schauspielerei entschieden habe“, sagt Lisa Tomaschewsky und fügt hinzu: „Das Modeln war mir zu oberflächlich und eintönig.“ Sie habe sich nicht mehr auf ihre Wallemähne reduzieren lassen, sondern zeigen wollen, was sie drauf hat. „Während mein Umfeld stolz auf mich war und mich sehr unterstützte, musste ich im Alltag erst lernen, mit der Glatze umzugehen“, sagt sie. Die Menschen hätten sie regelrecht angegafft.

In ihrem neuen Projekt „Die Wallensteins“, einer Fernseh-Kriminalreihe des ZDF, spielt Lisa Tomaschewsky an der Seite von Anja Kling. Kling mimt die gestandene Kriminalhauptkommissarin Bärbel Wallenstein in Dresden. Bei ihrem Chef Albert bewirbt sich mit einer anonymisierten Bewerbung ihre Tochter Kim (Lisa Tomaschewsky). Albert teilt Kim Wallensteins Team zu, nicht ahnend, dass es sich um Mutter und Tochter handelt und die beiden sich seit zehn Jahren nicht gesehen haben und ihre Trennung auch keineswegs harmonisch verlief. Auch im Kino wird die Norddeutsche bald wieder zu sehen sein. In „Seitenwechsel“ spielt sie demnächst eine Nebenrolle und der Film „Deutschland 83“ unter der Regie von Edward Berger feiert am 17. Juni Premiere in den USA und Deutschlandpremiere im Herbst. Lisa Tomaschewsky spielt darin die historische Rolle Yvonne Edel. „Aktuell stehen einige Projekte an“, sagt sie. Zu denen dürfe sie aber noch nichts sagen.