Pinneberg
Schenefeld

Stadtzentrum schafft nackte Tatsachen für Frauen

Bei der Ladies Night im Schenefelder Stadtzentrum wurde viel Showprogramm geboten

Bei der Ladies Night im Schenefelder Stadtzentrum wurde viel Showprogramm geboten

Foto: Katy Krause

Erste Ladies Night mit Strippern und Männerversteigerung lockt Tausende ins Einkaufszentrum. Kaufleute ziehen durchwachsene Bilanz

Das Gekreische ist ohrenbetäubend, als um Mitternacht die ersten Männer die Hüllen fallen lassen. Es ist Ladies Night, die erste dieser Art im Schenefelder Stadtzentrum. Das Einkaufszentrum ist an diesem Sonnabend in weiblicher Hand. Männer müssen draußen bleiben. Außer die paar, die auf der Bühne ihre Hose runter lassen, damit Frau im Laden Hosen kauft: So die Idee. Bis 23.30 Uhr haben die Geschäfte an diesem Tag geöffnet – und das nur für die weibliche Kundschaft. Um 20 Uhr musste Mann das Center verlassen, für die ersten Tausend Frauen gibt’s einen Sekt. Der ist schnell leer. Und damit das erste Ziel erreicht.

Die Bude ist voll, voll wie lange nicht. Das, was sich die Geschäftsleute des Centers zur Weihnachtszeit erhofft hatten, schafft die Ladies Night. Tausende Besucherinnen lockt die mehr als ungewöhnliche Veranstaltungsidee ins Center. Geht man allein nach den Autos im Parkhaus ist die Veranstaltung ein Erfolg. Denn dort ist kaum noch ein Platz zu kriegen, auch vor den Türen des Einkaufszentrums sind Stellplätze Mangelware. Der Veranstalter geht von mehr als 3000 Besuchern aus, genauere Angaben kann Centermanagerin Corina Schomaker am Abend noch nicht machen: „Wir haben an den drei Einlässen an den Eingängen die Besucher zwar gezählt, werten das aber erst am Montag aus.“

Dschungelkandidat Aurelio Savina

Denen, die den Weg ins Center finden, wird auch einiges geboten. Soulsänger Smiley Garfield wärmt mit seinen Songs und Showeinlagen die Besucherinnen langsam für die heißeren Teile des Abends auf. Zum Beispiel für die Männerversteigerung. Tatsächlich können die Besucherinnen mit in den Läden erstandenen Dollarscheinen um die zum Kauf angebotenen Exemplare wetteifern. Jede Gleichstellungsbeauftragte hätte im umgekehrten Fall aufgeschrien, so schreien Frauen aufgeregt um die Gunst eines Abends samt Limousinen-Tour und Abendessen. Im Angebot: einer der Stripper, Dschungelkandidat Aurelio Savina und Oliver Sanne. Wer ihn nicht kennt: Der ehemalige Mister Germany machte bei der RTL-Sendung „Der Bachelor“ mit, wo zahlreiche Damen um einen Junggesellen kämpfen. Ähnliche Szenen spielen sich im Center ab.

Ein wenig verschreckt beobachtet einer der wenigen Männer, die bleiben durften, vom ersten Stock des Centers aus das Spektakel auf der Bühne unter ihm. „Das ist fast ein wenig männerfeindlich, oder?“, fragt sich Siegfried Kantek. Der Verkäufer hält an diesem Abend die Stellung im Geschäft „Hansen & Co.“, einem Herrenausstatter. Aus Solidarität zu den anderen Geschäftsleuten, die die Läden alle bis 23.30 Uhr offen halten, zieht der Herrenausstatter mit.

Einer der wenigen Männer: der verstörte Verkäufer des Herrenausstatters

Gut, dass an diesem Abend trotz ansehnlicher nackter Tatsachen auf der Bühne und Männerversteigerungen manche der Damen dann doch an ihnen Mann zu Hause denken und so verkauft Kanteck zumindest einen Schal und zwei Pullover. „Eine Kundin schickte ihrem Mann sogar ein Handybild, ob ihm auch die Farbe gefällt“, berichtet Kantek.

Während sich aus verständlichen Gründen die Umsätze beim Herrenausstatter bei der Ladies Night in Grenzen halten, klingeln aber auch in den vermeintlichen Frauenläden die Kassen scheinbar nicht, wie erwartet. Im Schuhladen beispielsweise bleibt der erhoffte Ansturm aus. „Ich bin enttäuscht. Letztlich ist nicht viel in der Kasse geblieben. Die Aktion bringt uns nichts“, zieht Filialleiterin Manja Jurischka von Schuh Kay und auch für das Geschäft Tamaris verantwortlich eine ernüchternde Bilanz. Centermanagerin Schomaker hält dagegen: „Das ist doch der Wahnsinn hier. Ich bin total zufrieden“, sagt sie mit Blick auf die Besucherscharen. Erste Rückmeldungen zu den Umsätzen der Mieter seien sehr positiv, viele hätten neue Kunden.

Ein ganz neues Outfit legt sich Jaqueline Weidel aus Hamburg-Lurup zu. Dabei ist sie gar nicht wegen des Einkaufvergnügens, sondern wegen der Idee der Ladies Night an sich gekommen. Weil aber viele der Besucherinnen so schick angezogen kamen, fühlte sie sich falsch gekleidet.

Und wie ist ein Center voller Frauen? Glücklich sind die drei Freundinnen über die männerfreie Zone nicht. „Das müsste doch viel entspannter sein, ist es aber nicht“, so die 23-Jährige. Sie nimmt die Atmosphäre eher als aggressiver war. „Je schicker die Frauen angezogen sind, umso schwieriger sind sie“, sagt die Hamburgerin, während Frauen vor der Bühne im Chor laut „Ausziehen“ vom Moderator fordern.

„Das ist kein Zickengeschwader“, sagt dagegen Besucherin Yvonne Hallmann. Auch sie kommt aus dem benachbarten Lurup, hat sich mit Freundinnen im Center verabredet. Die Altenpflegerin, die in knapp fünf Stunden arbeiten muss, amüsiert sich, vermisst aber die Zeiten, in denen im Stadtzentrum einmal pro Jahr bei einem Konzert gefeiert wurde. Sie überlegt kurz und fügt hinzu, dass ihr noch etwas fehle an diesem Abend: „Männer. Irgendwie ist es doch netter mit ihnen.“