Pinneberg
30. Maifestival

Konzertbesucher begeistert – auch ohne Justus Frantz

In Aktion (v.l.n.r.): Nadejda Tzanova, Aylen Pritchin und Julius Berger

In Aktion (v.l.n.r.): Nadejda Tzanova, Aylen Pritchin und Julius Berger

Foto: Sarah Stolten

Nach Absage des Starpianisten mussten die Rellinger Veranstalter umdenken. Bulgarischer Shooting-Star erweist sich als Glücksfall.

SARAH STOLTEN. Stille erfüllt den Raum, obwohl die Rellinger Barockkirche nahezu bis auf den letzten Platz besetzt ist. Die Augen des Publikums richten sich auf den Star des diesjährigen Maifestivals: Nadejda Tzanova. Die aus Bulgarien stammende Pianistin schreitet mit ihrem langen blauen Kleid ans Klavier, mit ihr auf der Bühne stehen Julius Berger, Violoncello, und Aylen Pritchin, Violine.

Die Solisten wollen an diesem Abend gemeinsam das zweite Klaviertrio von Dmitri Schostakowitsch, einem der bedeutendsten Komponisten Russlands des 20. Jahrhunderts, in e-Moll aufführen. Bereits nach den ersten Tönen kann sich niemand im Raum dem Bann, der emotionalen Tiefe dieses Stückes entziehen. Die Trauer und der Schmerz, die Schostakowitschs Musik ausdrückt, bewegt die Zuschauer. Am Ende sollten sie begeistert von den Darbietungen der Musiker sein.

Justus Frantz sagte kurzfristig ab

Damit, dass das 30. Maifestival der Kirchengemeinde Rellingen und des Vereins zur Förderung der Musik (MRK) solch ein großer Erfolg werden würde, hatten die Veranstalter zwischenzeitlich wohl selbst nicht mehr gerechnet. Denn erst vor wenigen Wochen hatte der eigentlich als Aushängeschild verpflichtete Starpianist Justus Frantz den Organisatoren kurzfristig eine Absage erteilt. Frantz dirigiert in diesen Tage in Israel einen Friedenschor, die Gemeinde und der MRK mussten notgedrungen auf ihr Zugpferd verzichten.

Kurzfristig musste daher adäquater Ersatz gefunden werden, die ersten Konzertkarten waren schließlich bereits verkauft. Doch als Nadejda Tzanova einwilligte, Justus Frantz’ Part zu übernehmen war das Jubiläums-Festival gerettet. „Ich bin bereits zum zweiten Mal hier“, sagte Tzanova nach ihrem gelungenen Auftritt am Sonnabend. „Rellingen ist eine wirklich schöne Gemeinde, und ich genieße es mit diesen hochkarätigen Musikern zu spielen.“ Wenn die Pianistin auf der Bühne steht, sei sie von verschiedenen Gefühlen überwältig. „Ich möchte mich der Musik hingeben und die Emotionen, die ich fühle, auch das Publikum spüren lassen“, so die Bulgarin. „Ich hoffe, die Leute waren am Ende alle glücklich und zufrieden.“

Nadejda Tzanova ist ein hervorragender Ersatz

MRK-Vorstandsvorsitzender Michael Schopf war es in jedem Fall. Für ihn war die Zusage von Tzanova Glück im Unglück: „Zunächst sah es so aus, als hätten wir durch die Absage von Justus Franz ein Problem, doch mit Nadejda Tzanova haben wir einen hervorragenden Ersatz gefunden.“ Der Shooting-Star, wie Schopf die Virtuosin gerne nennt, habe abgeliefert und alle Erwartungen erfüllt. „Ich bin sehr zufrieden, was nicht einfach ist, fragen sie meine Frau“, sagte Schopf. „Wir sind besonders angetan von der positiven Reaktion des Publikums.“ Die 15-jährige Julia Moritz aus Barmstedt beispielsweise war mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter angereist, um die Stars einmal live spielen zu hören. „Mir gefällt es ziemlich gut“, sagte Julia Moritz, „ich spiele selber seit acht Jahren Klavier, und das Zusammenspiel der Musiker klingt hervorragend, das hätte ich so gar nicht erwartet.“

Auch Birgit Kröger, die mit ihrem Ehemann Johannes bereits zum 20. Mal das Rellinger Maifestival besucht, war beeindruckt. „Man spürt, mit welcher Freude die Künstler miteinander Musik machen“, sagte die Ellerbekerin. Das sei jedes Mal in der Rellinger Kirche zu spüren. Neben Tzanova, Berger und Pritchin, standen auch Roman Kim, Joachim Schäfer, Oliver Schmidt, Irina Kulikova und die Salzburger Solisten am Wochenende in der Kirche auf der Bühne.