Pinneberg
Quickborn

Architektursommer: Führung durch die Neutra-Siedlung

Reflektierende Pools und Panoramafenster sind typisch für die Neutra-Gebäude. Wie das Foto aus dem Jahr 1966 zeigt, blieb der Architekt auch in Quickborn seinem Stil treu

Reflektierende Pools und Panoramafenster sind typisch für die Neutra-Gebäude. Wie das Foto aus dem Jahr 1966 zeigt, blieb der Architekt auch in Quickborn seinem Stil treu

Foto: Hamburgisches Architekturarchiv

Quickborns Bungalow-Architektur, die Richard Neutra 1962 gestaltet hat, nimmt am Hamburger Architektur-Sommer teil, der noch bis Juli läuft.

Quickborn. Mit 67 Häusern ist es europaweit die größte zusammenhängende Siedlung von Flachdachbungalows, die der damals in Kalifornien lebende Star-Architekt Richard Neutra 1963/64 für die Quickborner Marienhöhe entworfen hat. Mit dem unter Denkmalschutz stehenden Ensemble genau aufeinander abgestimmter Haus- und Gartenarchitektur nimmt Quickborn dieses Jahr am Veranstaltungsreigen des Architektur-Sommers teil, den die Hamburger Architektenkammer mit 220 Programmpunkten organisiert.

Es beginnt an diesem Donnerstag, 28. Mai, mit einem Vortrag über Neutra im Ernst-Barlach-Haus im Jenisch-Park, den der Quickborner Architekt Jens-Olaf Nuckel, 61, halten wird. Eine öffentliche Führung und Kunstausstellung bei der Malerin Pia Hodel-Winiker am Sonnabend, 30. Mai, in der Quickborner Marienhöhe soll am Beispiel der bewohnten Denkmäler zeigen, wie vorausschauend und auf die Natur abgestimmt der gebürtige Österreicher Neutra geplant und gebaut hat.

Nuckel war schon vor dem Studium von Neutra fasziniert. Die großen Glasflächen, die die von der Decke bis zum Boden reichenden Fenster darstellten, hatten es ihm angetan. Durch diesen Lichteinfall und die Spiegelungen sei es Neutra gelungen, das Innere nach draußen und das Äußere nach innen zu holen, erklärt er. „So hat man das Gefühl, im Garten zu sein, wenn man im Wohnzimmer ist.“

Vortrag erklärt, warum Neutra nach Quickborn kam

Die gebürtige Schweizerin Pia Hodel-Winiker genießt dieses lichtdurchflutete Wohnen in einem Neutra-Haus seit 13 Jahren. Selbst im Winter, wenn die die meisten Wohnungen auch tagsüber eher dunkel sind, lasse die besondere Architektur Neutras so viel Sonnenlicht ins Haus scheinen, dass keine andere Lichtquelle notwendig wäre.

In seinem einstündigen Vortrag, den Nuckel am Donnerstag von 18 Uhr an in der Baron-Voght-Straße 50a in Hamburg halten wird, erklärt er auch, wie es eigentlich dazu kam, dass der schon in den 1960er-Jahren weltberühmte Architekt ausgerechnet nach Quickborn kam. Das hatte damit zu tun, dass schon damals in Hamburg Wohnungsknappheit herrschte, die die Wohnungsbaugesellschaften ins Umland ausweichen ließ. Eine war die Betreuungs- und Wohnungsbaugesellschaft Bewobau, eine Vorläuferin der Neuen Heimat, die einen Architekten für eine moderne, zeitgemäße Wohnanlage suchte.

Der damalige Bewobau-Chef Friedrich-Wilhelm Krüger wohnte selbst in Quickborn, und so erhielt Neutra den Auftrag, insgesamt 190 Bungalows in neun verschiedenen Varianten in der Marienhöhe mitten in Quickborn auf Grundstücken von bis zu 1000 Quadratmetern zu gestalten. Am Ende waren es 67 Bungalows in drei verschiedenen Typen, die für Preise zwischen 160.000 und 250.000 Mark verkauft wurden. Heute sind diese wieder sehr gefragten Häuser je nach Zustand ein Mehrfaches davon wert.

Rundgang durch die Siedlung am 30. Mai

Denn durch die Gärten, die zum großen Teil unter Schutz stehen und vom Gartenarchitekten Gustav Lüttge gestaltet wurden, der 1953 den Alsterpark in Hamburg entwarf, scheinen die Häuser mitten im Grünen zu liegen, obwohl sie dicht an dicht gebaut worden sind. „Das ist städtebaulich hervorragend gemacht“, würdigt auch Annelie Fesser, oberste Denkmalpflegerin des Kreises Pinneberg, Neutras Schaffen.

Besucher können sich am kommenden Sonnabend, 30. Mai, selbst ein Bild machen, wenn sie um 14 Uhr zum öffentlichen Rundgang in die Marienhöhe kommen. Treffpunkt ist das Haus 43 von Pia Hodel-Winiker. Von dort aus werden drei Bungalows und Atriumhäuser mit den verschiedenen Baustilen Neutras besichtigt. Anschließend lädt Pia Hodel-Winiker in ihre Räume ein, wo sie eine Ausstellung von Bildern zeigt, die sich im Detail und aus künstlerischer Sicht mit der Architektur Neutras beschäftigt. Dabei nimmt sie die Spiegelungen auf, die der Garten durch die Fenster an die Wände projiziert, und stellt die strenge Geometrie des Star-Architekten dar, in dem sie sie dem Betrachter in vergrößerten Ausschnitten anschaulich deutlich macht.