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Barmstedt

Nach tödlichem Unfall: Warten auf die Schranke

Bahnübergang Barmstedt: ohne Schranke trotz Unfall

Bahnübergang Barmstedt: ohne Schranke trotz Unfall

Foto: Marvin Mertens

Zwei Bahnübergänge in Barmstedt sind weiterhin ohne ausreichende Sicherung. Halstenbeker Mutter startet Online-Petition nach tödlichem Unfall.

Halstenbek/Barmstedt.  Unbeschrankte Bahnübergänge werden häufiger zur tödlichen Falle. Erst am 11. Mai starb der fünfjährige Matteo aus Halstenbek, als der Wagen seiner Familie in Garding bei St. Peter-Ording von einem Zug der Regionalbahn erfasst wurde. Die schwer verletzte Mutter des Jungen hat noch vom Krankenbett im Albertinenkrankenhaus aus eine Online-Petition gestartet, damit es in Deutschland bald keine ungesicherten Bahnübergänge mehr gibt.

Wie langwierig es sein kann, einen Bahnkreuzungspunkt mit Schranken zu versehen, zeigt ein Beispiel aus Barmstedt. Dort kam am 3. Oktober 2013 der 42-jährige Familienvater Thorsten N. ums Leben, als er mit seinem Mofa den Übergang am Bornkamp überqueren wollte. Dieser war zu diesem Zeitpunkt mit einem Blinklicht gesichert. Es funktionierte laut den polizeilichen Ermittlungen einwandfrei. Ein Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass der 42-Jährige aufgrund der tiefstehenden Sonne das Blinklicht übersehen haben muss.

Im Anschluss startete die damals 16-jährige Tochter von Thorsten N. eine Unterschriftenaktion, um die Gefahrenstelle mit Schranken zu sichern. Mehr als 1900 Unterschriften kamen zusammen – und sie verfehlten ihre Wirkung nicht: Nicht einmal drei Wochen nach dem Drama stimmte die Barmstedter Stadtvertretung einstimmig dafür, den Todesübergang am Bornkamp und die wenige hundert Meter entfernte Querung Beim Reihergehölz mit Halbschranken zu versehen.

Allerdings: Getan hat sich auch
19 Monate später nichts. Anfang 2014 hieß es, die Schranken kämen frühestens Mitte 2015. Jetzt rückt dieser Zeitpunkt näher – und es liegt noch keine Genehmigung für den Bau der Anlage vor. „Wir warten nach wie vor auf den Genehmigungsbescheid“, sagte auf Abendblatt-Anfrage ein AKN-Sprecher.

Er bestätigte, dass den zuständigen Behörden die Planfeststellungsunterlagen für den Umbau der beiden Bahnübergänge vorliegen. „Eine Stellungnahme seitens der Landeseisenbahnaufsicht Schleswig-Holstein erwarten wir nicht vor Ende Mai oder Anfang Juni“, so der Unternehmenssprecher weiter. Wann genau die endgültige Genehmigung vorliegt, sei noch unklar. „Wir sind so weit startklar und könnten loslegen, wenn die Genehmigung da ist.“

Auch die Stadt steht in den Startlöchern. „Wir können aber erst eingreifen, wenn die technischen Sicherungen, also die Schranken, angebracht sind“, erläuterte Wolfgang Heins, der Sprecher der Stadt. Die Stadt werde dann Fahrbahnen und Gehwege nach Montage der Halbschranken entsprechend anpassen. So muss etwa im Bereich Beim Reihergehölz die Fahrbahn im Bereich des Bahnübergangs verbreitert werden. Die Bauzeit wird laut AKN für beide Übergänge voraussichtlich zwei Monate betragen, dies gilt allerdings nur für die Schranken. Ob eine Inbetriebnahme noch 2015 erfolgen kann, bleibt damit fraglich.

Die Beschrankung am Bornkamp kostet 245.000 Euro, für den Übergang Beim Reihergehölz sind 275.000 Euro eingeplant. Laut Eisenbahnkreuzungsgesetz übernehmen die Stadt, die AKN als Verkehrsträger und das Land jeweils ein Drittel der Summe. Der Anteil Barmstedts reduziert sich durch einzuwerbende Fördergelder und durch eine Beteiligung der Nachbargemeinde Bokholt-Hanredder, deren Territorium ebenfalls betroffen ist, auf voraussichtlich 43.750 Euro.

Wie viel es kosten würde, alle Bahnübergänge bundesweit mit Sicherungseinrichtungen auszustatten, weiß niemand. Klar ist, dass es bundesweit mehr als 18.000 Bahnübergänge gibt, 7000 von ihnen sind ungesichert. Als ungesichert gilt ein Bahnübergang dann, wenn er – wie im aktuellen Fall in Garding – weder mit Schranken noch mit einer Lichtzeichenanlage wie in Barmstedt versehen ist. Schleswig-Holstein verfügt über etwa 900 Bahnübergänge, von denen 370 ohne Schranken auskommen müssen.

Die Familie, die in Garding verunglückte, soll erst vor kurzem nach Halstenbek gezogen sein. Sie machte Urlaub auf der Halbinsel Eiderstedt und befand sich auf dem Weg zu ihrem Feriendomizil. Am Steuer des Audi mit Hamburger Kennzeichen saß der 66-jährige Großvater. Seine zwei Jahre jüngere Frau sowie ihre Tochter, 36, mit ihren beiden Kindern, fünf und ein Jahr alt, waren mit im Auto. „Niemand von uns fünf Insassen hat ihn kommen sehen oder gehört“, schreibt die 36-jährige Halstenbekerin über den Moment, als die Regionalbahn auf den Audi traf.

Während die knapp zweijährige Tochter mit Kratzern davon kam, traf es die übrigen Insassen deutlich schlimmer: Matteo, erst im März fünf Jahre alt geworden, starb noch am Unfallort. Seine Mutter erlitt ebenso wie die Großmutter Brüche an Becken, Hüfte und Brustkorb, der Großvater schwebt mit Kopfverletzungen weiter in Lebensgefahr.

„Mein Vater war der umsichtigste Autofahrer, den ich kenne“, schreibt die Halstenbekerin weiter. Ihre Online-Petition auf www.change-org fand bis Dienstagabend fast 14.000 Unterstützer – Tendenz steigend.